Verzögert sich der Abriss auf dem Opel-Gelände?

Zweifel am Zeitplan

Ende März hatte Rainer Einenkel, Ex-Betriebsratchef von Opel, seinen letzten Arbeitstag. Dennoch denkt er nicht daran, den ehemaligen Opelanern und der Zukunft des Opel-Geländes wirklich den Rücken zu kehren.

BOCHUM

10.04.2015, 10:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verzögert sich der Abriss auf dem Opel-Gelände?

Seit einigen Wochen wird die ehemalige Lackiererei über dem ehemaligen Tor 4 des Bochumer Opelwerks abgerissen - das Foto ist vom 12. März. Durch das stürmische Märzende gerieten die Arbeiten etwas in Verzug. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Ex-Betriebsratchef Rainer Einenkel nun Zweifel an der Einhaltung der Zusagen seitens Opel ausspricht.

Grund dafür sei nicht nur der lange Kampf, der hinter Einenkel und dem Opel-Betriebsrat liegt. Es seien auch die nach wie vor bestehenden Zweifel, die er an der Einhaltung des Zeitplans der Abriss- und Rückbauarbeiten in Laer habe. „Meine Einschätzung ist: Es ist sehr aufwendig, das Gelände der Lackiererei abzureißen“, sagte Einenkel am Mittwoch, 9. April, im Gespräch mit unserer Zeitung. Und fügte hinzu, dass die Arbeiten seinen Informationen nach schon weiter vorangeschritten sein müssten.

Dabei beruft er sich auf die Pläne, die ihm als ehemaligem Betriebsratschef und Opelaner noch bis Mitte März vorgelegen hätten.

Opel-Sprecher Alexander Bazio widerspricht Einenkels Einwänden und versichert, dass Opel alle Zusagen einhalten wird: „Es läuft alles plangemäß. Es gibt da keinen Grund zum Zweifeln“, sagte er auf unsere Nachfrage hin und fügte hinzu: „Außerdem haben wir nie gesagt, dass wir sämtliche Hallen abreißen. Ziel ist es, bis Ende Juni einen vereinbarten Übergabezustand zu definieren.“

Verzögerungen

Das Gelände soll wie geplant am 1. Juli an die Bochum Perspektive 2022 übergeben werden. Laut Bazio kam es zwar, wie auch einige Bürger festgestellt haben, durch das stürmische Märzende zu einigen Verzögerungen, da man die Abrissarbeiten aus Sicherheitsgründen habe einstellen und eindämmen müssen. „Das werden wir aber wieder aufholen.“

Auch Prof. Dr. Rolf Heyer von der Bochum Perspektive 2022 sieht keinen Anlass zum Zweifeln. Zwar handele es sich bei dem aktuellen ersten Bauabschnitt, bei dem 30 von 68 Hektar des Geländes in einen besenreinen Übergabezustand versetzt werden müssen, um den kritischsten – es laufe aber alles nach Plan. Zudem wäre es in den kommenden vier Bauabschnitten kein Problem, eventuell verlorene Zeit wieder aufzuholen. „Auf ein paar Tage kommt es da nicht an“, sagt Heyer. „Und wir sagen sicherlich nichts, wenn Opel bei der Übergabe noch drei Container auf dem Gelände stehen hat.“

Genau hier sieht Einenkel aber den nächsten Knackpunkt: weitere Kosten, die entstehen könnten, wenn weitere Arbeiten anfallen. Alleine die Kosten für die Verlagerung der Produktion nach Rüsselsheim, die von Opel laut Einenkel auf 55 Millionen Euro geschätzt würden, seien unrealistisch – Einenkel rechnet eher mit der zwei- bis dreifachen Summe.

Und weitere Unkosten, so fürchtet er, könnten auf die Stadt und somit auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Auch dem widerspricht Bazio. Bisher laufe auch bei den einkalkulierten Kosten alles nach Plan.

800 neue Stellen

„Opel hält sich an die Zusagen, die gegeben wurden“, sagt Bazio und beruft sich damit auch auf die Vereinbarung von Opel mit der IG-Metall. Diese besagt, dass Opel in Zukunft 700 neue Arbeitsplätze im Warenverteilzentrum und 100 zusätzliche industrielle Stellen schafft. Auch das zweifelt Einenkel nach wie vor an – ebenso wie die Qualität der versprochenen Stellen.