VfL stürzt noch tiefer in die Grube

0:4-Desaster

"Mit einem Bergmann aus der Grube?", fragten die VfL-Fans auf einem Transparent in der Ostkurve. "Am Sonntag jedenfalls noch nicht" lautet die freundlich formulierte Antwort, hinter der sich eine 0:4-Heimniederlage gegen den SC Paderborn verbirgt, die den VfL zum Schlusslicht der 2. Liga macht.

BOCHUM

von Von Uli Kienel

, 18.09.2011, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Andreas Bergmann, neuer Trainer des VfL Bochum, hatte einen frustrierenden Einstand.

Andreas Bergmann, neuer Trainer des VfL Bochum, hatte einen frustrierenden Einstand.

Das Entsetzen im Anschluss an die einseitig verlaufene Begegnung war groß und im Bochumer Lager nur schwer in Worte zu kleiden. "Wir sind am Tiefpunkt angelangt", fasste Sportvorstand Jens Todt die Lage nicht zum ersten Mal in dieser Form zusammen. Die Verunsicherung in der Mannschaft ist mit Händen greifbar. Wir müssen schauen, dass wir schnellstens wieder Sicherheit ins Team bringen."

Das ist die Aufgabe, die nun der neue Cheftrainer Andreas Bergmann zu bewältigen hat. Und er ahnt wohl schon, was auf ihn zukommt, wenn er sagt: "Das wird eine harte Herausforderung, die intensive Arbeit von uns verlangt." Die Bochumer hatten sich vorgenommen, forsch und mutig aufzutreten, doch schon die ersten Spielminuten ließen erahnen, dass die Umsetzung dieses Vorhabens gegen zielstrebig attackierende Paderborner kaum gelingen würde.Tor wäre Befreiung gewesen

Ein Tor, wie es Mimoun Azaouagh bei seinem Freistoß an die Unterkante der Latte beinahe gelungen wäre, "wäre eine Befreiung für die Mannschaft gewesen", war Bergmann überzeugt, doch im Gegenzug führten schlimme individuelle Fehler auf Bochums linker Seite zur Paderborner Führung und im weiteren Verlauf zum sportlichen Offenbarungseid. Nahezu widerstandslos ließ sich der VfL im eigenen Stadion vorführen, hatte keine tauglichen Mittel gegen energisch vorgehende Ostwestfalen und trieb mit dieser temperamentlosen Vorstellung seine Fans aus dem Stadion.

Kapitän Christoph Dabrowski wirkte bei den Nachfragen in der Mixedzone verzweifelt. "Wir sind unglaublich instabil aufgetreten. Wir waren von Beginn an nervös und unruhig und nach dem ersten Gegentor waren wir nicht mehr in der Lage, uns wieder aufzurappeln. Der Trainer hat versucht, uns mit Lust und Leidenschaft auf den Platz zu schicken, aber wir waren mental nicht in der Lage dazu."Dabrowski: Unglaublich kritisch

Dabrowski bewertete die Situation als "unglaublich kritisch. Wer das nicht sieht, hat nichts verstanden. Der Trainer wird Zeit brauchen, um der Mannschaft wieder ein Gesicht zu geben." Während Dabrowski das erzählte, diskutierte Andreas Bergmann noch mit wütenden und besorgten Fans am Stadionzaun. "Ich kann sie verstehen", sagte Bergmann, "aber die Spieler sind nicht so charakterlos, wie es vielleicht gewirkt hat."