Videos: Patient der Station 6 erzählt von seiner Rettung

Feuer im Bergmannsheil

Der verheerende Brand in der Bochumer Klinik Bergmannsheil könnte laut Polizei von einer Patientin gelegt worden sein. Selbsttötungsabsichten "sind nicht auszuschließen", so die Ermittler. Wir haben mit dem Branddirektor der Feuerwehr gesprochen und zeigen die dramatische Bilder der Nacht. Ein Patient der Station, auf der das Feuer ausbrach, schildert im Video-Interview seine Rettung.

BOCHUM

, 30.09.2016, 12:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei dem Großbrand waren insgesamt fast 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und THW vor Ort. Unterstützung kam von Feuerwehren aus Dortmund, Gelsenkirchen und Herne sowie Helfern des Technischen Hilfswerks Bochum. Anwohnern wurde empfohlen, wegen der Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gottfried Wingler-Scholz von der Bochumer Feuerwehr berichtet im Video-Interview von dem brenzligen, belastenden Einsatz. 

Die dramatischen Szenen in der Nacht zeigt das folgende Video. Das Feuer war im sechsten Stock in einem Patientenzimmer der Abteilung zur Behandlung von Infekten ausgebrochen. Die Brandursache war zunächst unklar. Einer der beiden Toten, eine 69-jährige aus Hagen sei in dem Zimmer untergebracht gewesen, in dem das Feuer ausgebrochen war, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik, Thomas Schildhauer, am Freitagmorgen vor Journalisten. Ein weiteres Opfer, ein 41-jährige Patient aus Marl, habe in einem Nachbarzimmer gelegen. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Die beiden Opfer sollen obduziert werden. Hierdurch erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die konkrete Todesursache und weitere Ermittlungsansätze. Aktuell kann die Staatsanwaltschaft Bochum auch suizidale Absichten der 69-Jährigen nicht ausschließen. Die Ermittlungen auch in diese Richtung dauern an.

Dirk Stein war zum Zeitpunkt des Brandes auf Station 1.6 untergebracht. Heißt: Bettenhaus I, sechste Etage. Genau hier hatte das Feuer seinen Ursprung. Noch sichtlich benommen berichtet er im Video-Interview, wie er die Situation im Zimmer und auf dem Balkon erlebt hat, als um 2.35 Uhr das Feuer ausbrach. Erst gut zwei Stunden später, gegen fünf Uhr morgens wurde auch er gerettet. 

An einem Balkongitter im sechsten Stock des Bettenhauses im Bochumer Bergmannsheil-Krankenhaus hängen noch zwei aneinandergeknotete Laken. Auf der anderen Seite des Gebäudes steht ein Rollstuhl auf einem Balkon. Jalousien sind durch die Hitze geschmolzen, sie hängen an der Fassade, Fenster sind herausgedrückt. Die Bilder von Freitagmorgen beweisen die Dramatik. Wenige Stunden zuvor sind bei dem Großbrand zwei Menschen in dem Klinikgebäude ums Leben gekommen, 16 weitere erlitten Verletzungen, sieben davon schweben weiterhin in Lebensgefahr. Vier Patienten werden mit Hubschraubern in anderen Kliniken nach Wiesbaden, Aachen und Leipzig geflogen. Viele bettlägerige Patienten aus der Station für Infektionskrankheiten müssen heruntergetragen werden. Unter den Geretteten ist nach Angaben von Branddirektor Wingler-Scholz auch der Patient, der sich wohl mit den zusammengeknoteten Laken vom Balkon abseilen wollte. Er sagt, das Gebäude mit insgesamt 128 Patienten sei nach 45 Minuten evakuiert gewesen.

Laut Staatsanwaltschaft wurden große Teile des Bettenhauses I zerstört. Die Ermittler schätzen den Sachschaden auf mehrere Millionen Euro. Es sei erschreckend sich das vorzustellen: ein Feuer im Krankenhaus, sagt Innenminister Ralf Jäger im Video-Interview. Er hatte sich am Morgen ein Bild von der Lage gemacht und die Einsatzkräfte gelobt. Für zwei Patienten kommt der Rettungseinsatz zu spät. In dem Krankenzimmer, in dem das Feuer nach ersten Erkenntnissen ausgebrochen ist, stirbt eine Frau, die nach Angaben des ärztlichen Direktors der Klinik, Prof. Thomas Schildhauer, allein dort untergebracht war. Das zweite Todesopfer wird tot aus dem Nachbarzimmer geborgen. 

Alle Ärzte und Pflegekräfte im Dienst eilen in der Nacht zum brennenden Gebäude, sie helfen dabei, die Patienten aus den nicht vom Feuer betroffenen Etagen zu holen. Darunter sind Patienten mit Querschnittslähmungen, wie Schildhauer berichtet. Sie können alle auf anderen Stationen auf dem großen Klinikgelände untergebracht werden. Um Platz für sie zu schaffen, werden andere Patienten früher entlassen.

Für eine solche Notlage gebe es „festgelegte Pläne, die auch immer wieder geübt werden“, sagt der Klinikdirektor. Vor eineinhalb Jahren habe es eine sehr große Übung mit der Simulation einer ähnlichen Lage gegeben. Ärzte, Schwestern, Pflegekräfte seien „betroffen und erschöpft, aber auch froh, dass sie so viele Patienten retten konnten“.

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Großbrand im Bergmannsheil

Ein Feuer ist in der Nacht zum 30. September im Bochumer Bergmannsheil ausgebrochen. Mindestens zwei Menschen starben, 15 Patienten wurden durch das Feuer verletzt.
30.09.2016
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Das Feuer zerstörte den Dachstuhl und die oberen Etagen des Bergmannsheil-Krankenhauses in Bochum.© Foto: dpa
Das Feuer zerstörte den Dachstuhl und die oberen Etagen des Bergmannsheil-Krankenhauses in Bochum.© Foto: dpa
Das Feuer zerstörte den Dachstuhl und die oberen Etagen des Bergmannsheil-Krankenhauses in Bochum.© Foto: dpa
Das Feuer zerstörte den Dachstuhl und die oberen Etagen des Bergmannsheil-Krankenhauses in Bochum.© Foto: dpa
200 Feuerleute sind am im Bochumer Bergmannsheil im Einsatz.© Foto: dpa
Mehrere Stockwerke mussten evakuiert werden.© Foto: dpa
Das Feuer zerstörte den Dachstuhl des Universitätskrankenhauses.© Foto: dpa
Die Flammen waren weithin sichtbar.© Foto: dpa
Mehrere Stockwerke mussten evakuiert werden.© Foto: dpa
Mehrere Stockwerke mussten evakuiert werden.© Foto: dpa
Die Flammen waren weithin sichtbar.© Foto: dpa
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Fragen an den Brandschutz

Die Sachverständigen der Polizei prüfen derweil auch, warum sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte. Patientenschützer fordern nun einen besseren Brandschutz in Kliniken und Pflegeheimen. Denn Sprinkleranlagen in Patientenzimmern gehören nach Auskunft des Bergmannsheil in Bochum nicht zum Brandschutzkonzept. Brandmeldeanlagen dagegen schon. Vorgeschrieben sind die automatischen Löschanlagen nicht. Im Baukonzept aus den achtziger Jahren sei das auch keine Überlegung gewesen, erklärt ein Kliniksprecher.

Die NRW-Landesbauordnung zählt Krankenhäuser zu großen Sonderbauten, deren Brandschutzkonzept im Einzelfall von der Bauaufsicht geprüft werde, teilte das Bauministerium mit. Krankenhäuser werden auch im laufenden Betrieb geprüft, meist zeitgleich mit der Brandschau der Feuerwehr. Die Brandschau ist eine der wichtigsten Aufgaben des vorbeugenden Brandschutzes, bei der ein möglicher Feuerwehreinsatz vorbereitet und taktisch geplant wird. Bauvorschriften unter anderem für Krankenhäuser sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Ländersache. Bundesweit einheitliche Vorschriften gebe es nicht. 

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Großbrand Bergmannsheil: Der Morgen danach

Der Morgen danach - bei Tageslicht wird die Zerstörung, die der Großbrand im Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum hinterlassen hat, noch deutlicher.
30.09.2016
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Bei dem Brand im Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil starben zwei Menschen, die oberen Etagen des Bettenhauses1 brannten komplett aus. © Foto: dpa
Krankenhauspersonal und Feuerwehrleute sehen vor dem Krankenhaus.© Foto: dpa
Die Luftaufnahme zeigt das ganze Ausmaß des Brandes.© Foto: dpa
Feuer im Uniklinikum Bergmansheil in Bochum.© Foto: dpa
Das Dach des Bettenhauses I© Foto: dpa
Feuerwehrleute sind im Einsatz auf dem ausgebrannten Dachstuhl des Bettenhauses 1.© Foto: dpa
Ein Ermittler der Spurensicherung der Kriminalpolizei fotografiert zur Beweissicherung.© Foto: dpa
Ein Feuerwehrmann wirft von einer Drehleiter eine Dachziegel in den ausgebrannten Dachstuhl des Bettenhauses 1 der Klinik Bergmannsheil zurück.© Foto: dpa
Ein Feuerwehrmann begutachtet die geschmolzene Fassade des Bettenhauses I des Bergmannsheil. © Foto: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen die Glutnester im Bettenhaus I das Bochumer Klinikums Bergmannsheil.© Foto: dpa
Flammen schlagen am Morgen noch immer wieder aus dem Dachstuhl.© Foto: dpa
Zusammengeknotete Bettlaken hängen an einem Balkongeländer des Bettenhauses 1. Eine Person hatte versucht, sich über den Balkon zu retten, wurde dann aber von der Feuerwehr evakuiert.© Foto: dpa
Zusammengeknotete Bettlaken dokumentieren die dramatischen Szenen in der Nacht.© Foto: dpa
Der ärztliche Direktor der Universitätsklinik Bergmannsheil, Professor Thomas Schildhauer bei eine Pressekonferenz am Morgen nach dem Brand.© Foto: dpa
Die oberen Stockwerke des Bettenhauses sind völlig ausgebrannt. © Federico Gambarini (dpa)
Feuerwehrleute im Einsatz am Bergmannsheil.© Marcel Kusch (dpa)
Der Oberbürgermeister von Bochum, Thomas Eiskirch (SPD), während der Pressekonferenz.© Bernd Thissen (dpa)
Polizei, Feuerwehrleute, Spurensicherungsteam: Auch am Morgen danach sind die Einsatzkräfte noch mit einem Großaufgebot am Bochumer Bergmannsheil. © Foto: dpa
Bei Tageslicht wird deutlich, was die Nacht noch verbarg: Die oberen Stockwerke des Universitätsklinikums Bergmannsheil sind nach dem Großbrand völlig zerstört. © Foto: dpa
Mehr als 200 Feuerwehrleute waren die halbe Nacht und am Morgen im Einsatz. Es dauerte Stunden, die Flammen halbwegs unter Kontrolle zu bringen. © Foto: dpa
Die Hitze war so stark, dass Fenster und Möbel geschmolzen sind. © Foto: dpa
Ein Ermittler der Spurensicherung dokumentiert die Zerstörung. Noch ist unklar, wie das verheerende Feuer ausbrechen konnte. © Foto: dpa
Ein Chaos aus Dachziegeln, Fenster- und Mauerresten: So sehen die Obergeschosse des Bergmannsheil nach dem Großbrand aus. © Foto: dpa
NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) eilte am frühen Morgen nach Bochum. Er sprach früh von einem Bettenlager in der der Nähe des Zimmers, in dem das Feuer ausgebrochen ist. Das könne dazu beigetragen haben, dass der Brand sich so schnell ausgebreitet hat, mutmaßte der Minister.© Foto: dpa
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Mit Material von dpa

 

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