Videospielverfilmungen bleiben ein Glücksspiel

Kaum gelungene Umsetzungen

Trotz einem fähigen Regisseur und top Besetzung hat "Assassin's Creed" an den Kinokassen nicht überzeugt. Weltweit spielte er in der ersten Woche nicht mal seine Produktionskosten von 125 Millionen Dollar ein. Damit bleibt auch diese Videospielverfilmung hinter den Studioerwartungen zurück. Die filmische Umsetzung von Videospielen bleibt wohl auch in Zukunft ein Glücksspiel.

DORTMUND

, 05.01.2017, 12:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Videospielverfilmungen bleiben ein Glücksspiel

Die Spieladaption „Assassin’s Creed“ enttäuscht bisher an den Kinokassen.

Abgesehen von den Verfolgungsjagden oder Sprüngen aus schwindelerregenden Höhen, sieht Dr. Andreas Rauscher (Foto), Akademischer Rat für Medienwissenschaft an der Universität Siegen, bei "Assassin’s Creed" große Schwächen in der Handlung.

"Regisseure suchen sich oft die falschen Aspekte aus"

Denn der eigentliche Reiz des Spiels, die simulierten Städte wie das Florenz der Renaissance-Zeit zu erkunden, sei bei der Umsetzung nicht aufgegriffen worden. "Regisseure suchen sich oft die falschen Aspekte bei der Umsetzung aus und haben keine Kenntnisse, was den Spielreiz angeht", so Rauscher.

Eine der wenigen Ausnahmen ist für ihn die Adaption der von den surrealen Bildwelten von David Lynch inspirierten, japanischen Horror-Spielreihe "Silent Hill" (2006).

"Regisseur Christoph Gans ist selbst Spielefreak und hat alle Spiele im Vorhinein durchgezockt, die interessantesten Elemente rausgesucht und eine eigenständige Weise gefunden, diese auf einen Film zu übertragen. Mit der gleichen Sorgfalt sollten alle Adaptionen operieren", betont der Experte.

Interessen der Hollywood-Studios als weiterer Stolperstein

Ein weiterer Stolperstein seien auch die Interessen der Hollywood-Studios, die versuchen eine Marke aufzubauen und sich daher selten auf Experimente einlassen würden.

Zum Beispiel bei der bisher erfolgreichsten Verfilmung "Warcraft - The Beginning" (2016), die ihren Erfolg allein chinesischen Kinobesuchern zu verdanken hat, sieht Rauscher den Fehler aufseiten des Studios: "Die Handlung geht leider nicht über die bereits von J.R.R. Tolkien vertrauten Ork-Scharmützel hinaus. Und da Duncan Jones ein talentierter Regisseur und spielbegeistert ist, liegt der Verdacht nah, dass das Studio dazwischengefunkt hat."

Anstatt bereits von Filmen inspirierte Elemente stumpf auf die Leinwand zurück zu übersetzen, sei es reizbarer, das Spielprinzip an sich zu thematisieren. Also die Wiederholbarkeit oder die Beeinflussbarkeit der Handlung wie bei "Lola rennt" oder "Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise - beide basieren nicht auf Videospielen.

Große Hoffnungen

Das Prinzip der Level-Struktur, die ein Spieler durchlaufen muss, wird, so Rauscher, gelungen in "Resident Evil: Retribution" (2012) umgesetzt, in der Milla Jovovich einen Hindernisparcour durch simulierte Hauptstädte meistern muss.

Große Hoffnungen setzt der Experte in die für 2018 geplante Neuauflage der Abenteuer-Reihe "Tomb Raider" um die Archäologin Lara Croft: "Der Film orientiert sich an den zwei zuletzt erschienenen Spielen, die ihre ersten Abenteuer erzählen. Hier könnte man bei der Adaption mit einer überraschenden Charakterisierung der Figur punkten."