Viele Waldwege in NRW nach Unwetter nicht passierbar

Umweltpolitik

Wassermassen haben auch Waldwege unpassierbar gemacht - dabei muss dringend vom Borkenkäfer befallenes Holz aus dem Wald. Die Landesregierung sagt Hilfen für Waldbesitzer zu.

Rösrath

27.07.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Förster Holger Beding begutachtet im Königsforst mit dem Fernglas den Zustand von Buchen im Wald.

Förster Holger Beding begutachtet im Königsforst mit dem Fernglas den Zustand von Buchen im Wald. © Oliver Berg/dpa

Durch den Starkregen sind in den südlichen und westlichen Landesteilen Nordrhein-Westfalens viele Waldwege nicht passierbar. Das Umweltministerium berichtete am Montag von deutlichen Schäden an Waldwegen und der forstlichen Infrastruktur in den vom Unwetter stark betroffenen Gebieten der Eifel, des Sauerlandes und des Bergischen Landes. Der Landesbetrieb Wald und Holz warnt auch für das Siegerland vor aufgeweichten und zum Teil weggespülten Wegen, tiefen Löchern sowie der Gefahr, dass Bäume umstürzen könnten.

Für Radfahrer, die im Wald relativ schnell unterwegs seien, könnten Gefahrenstellen beispielsweise schlecht einsehbar hinter Kurven liegen. Auch Wanderer, Reiter und Jogger müssten in den nächsten Wochen mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen, erklärte der Landesbetrieb. Da an zahlreichen Stellen Wege komplett weggespült worden seien, seien lieb gewonnene Spazierrunden oft nicht mehr möglich. In den weit verzweigten Waldwegen hätten die Försterinnen und Förster sehr viele, aber längst noch nicht alle Schäden gefunden.

Das Land NRW stelle über den Landesbetrieb Wald und Holz 2,4 Millionen Euro für Kommunen und private Waldbesitzer bereit, um in den betroffenen Regionen die rasche Instandsetzung der Infrastruktur in den Wäldern zu unterstützen, erklärte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) bei einem Ortstermin im Königsforst bei Rösrath östlich von Köln am Montag. Außerdem habe die Landesregierung am Donnerstag unbürokratische und schnelle Soforthilfe von 5000 Euro auch für Forstbetriebe zur Bewältigung der akuten Probleme zugesagt.

Die Schäden an der Infrastruktur im Forst behindern nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz auch die Bekämpfung der Borkenkäfer. Teils könnten weder Forstwirtschaftswege befahren werden, noch könne Holz über zerstörte Bahnstrecken abtransportiert werden. Aktuell schwärme jetzt die zweite Käfergeneration in diesem Jahr aus. Wichtig sei daher, dass befallenes Holz aus dem Wald zügig abtransportiert werde, um eine stärkere Verbreitung des Borkenkäfers zu verhindern.

„Erst Stürme, Dürren und Waldbrände, jetzt Starkregen. Die zurückliegenden Jahre zeigen, dass der Klimawandel Realität ist", betonte Heinen-Esser. Der Wald sei massiv betroffen und zugleich auch wichtig für den Klimaschutz und die Klimaanpassung. „Ohne die gewaltige Wasserspeicherkraft der Wälder und der Waldböden wäre die Flut wohl noch dramatischer ausgefallen." Von zentraler Bedeutung sei die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern.

Nach Daten des Landesbetriebes gibt es in NRW insgesamt bereits mehr Laub- als Nadelbäume. Das Verhältnis liegt demnach bei 52 zu 48 Prozent. Stürmen, Dürren und den Borkenkäfern seien seit 2018 fast 31 Millionen Kubikmeter Fichtenholz zum Opfer gefallen.

Das entspreche etwa 25 bis 28 Millionen Bäumen. Laut Umweltministerium stehen allein in diesem Jahr mehr als 75 Millionen Euro zur Beseitigung von Schäden im Wald und zur Wiederaufforstung bereit. Den Waldzustand untersuchen Expertinnen und Experten aktuell im Rahmen der diesjährigen Erhebung.

dpa

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