Vierbeinige Therapeuten helfen Kindern in Menglinghausen

MENGLINGHAUSEN Es ist still in der großen Reithalle Am Sturmwald. Nur ein paar Pferdehufe auf dem weichen Sand sind zu hören. In der Mitte steht ein Pferd. Zu seiner Seite eine Trittleiter. Auf der obersten Stufe hockt ein Mädchen.

von Von Nadja Schöler

, 18.02.2009, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf dem Rücken der Pferde lernen die Kinder mehr als nur das Reiten.

Auf dem Rücken der Pferde lernen die Kinder mehr als nur das Reiten.

„Eines Tages wirst Du uns alle überraschen und auf Otto reiten“, verspricht ihr die Diplom-Sozialarbeiterin. Dann widmet sie sich den anderen Kindern. Zum Reiterhof des Vereins Kultur Aktiv kommen seit fast zwei Jahren auch Schüler von der Christophorus-Schule in Bochum-Gerthe. Beyza, Toni und Daniel sind drei von ihnen. Sie gehen in die dritte Klasse und sind mit ihren Betreuerinnen gekommen. Eineinhalb Stunden gehören dann nur ihnen und den Pferden. Zuerst geht es ans Striegeln. „Das fördert die Wahrnehmung und baut auch Angst ab“, so die Therapeutin.

Den Anfang macht Beyza. Das Mädchen leidet an einer Trisomie-Erkrankung, die dem Down-Syndrom ähnelt. Kaum zu glauben, dass dieses Kind, das da auf dem Rücken eines Haflinger galoppiert und die Beine zur Seite dreht vor zwei Jahren große Angst vorm Reiten hatte. „Sie brauchte mehrere Wochen, bis sie überhaupt aufgestiegen ist“, erinnert sich Rita -Hölscher-Regener. Wie bei vielen Kindern mit geistiger Behinderung wirkt sich das Reiten auch bei ihr auf das Selbstbewusstsein aus.

„Sie weiß jetzt, was sie leistet und ist stolz darauf.“ Nicht nur motorische Fortschritte sind bei den Kindern zu beobachten. Sie lernen nicht nur, die Bewegungen des Pferdes auszubalancieren, sondern lernen hier auch etwas über Sozialverhalten. Die Reitstunde ist ein Miteinander und sie müssen Rücksicht aufeinander und auf die Bedürfnisse der Tiere nehmen. Auch sprachlich werden die Kinder bei der Reittherapie gefordert, etwa im Zweigespräch mit dem tierischen Partner, wenn er nach der Reitstunde seine wohlverdiente Karotte bekommt.

  • Auf dem Hof von Kultur Aktiv gibt es 20 Pferde. Die Stunden der Christophorus-Schüler finanziert eine Stiftung aus Witten. Auch Kinder drogenabhängiger Eltern nehmen über die Drogenhilfe DROBS und mit Hilfe von Spenden teil.
Schlagworte: