Vin Diesel als Testosteron-Titan in "Babylon A.D."

DORTMUND Man dachte, sie sei passé, die Kino-Ära der Muskelmachos und Testosteron-Titanen, die wortkarg und actionstark ein Haus, eine Stadt, die Welt retten. Nicht ganz: Mathieu Kassovitzens "Babylon A.D." spielt in der Zukunft, greift aber im Heldentypus auf das Erbe der harten Kerle vom Schlage Willis und Seagal zurück.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 12.09.2008, 17:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vin Diesel in Aktion.

Vin Diesel in Aktion.

Vermutlich, weil Darsteller Vin Diesel eher Ringer als Schauspieler ist, mehr Bizeps als Gesichtsmuskeln, mehr Körper als Kunst zu bieten hat. Diesel (als Toorop, der Profi) gibt einen Söldner in diesem filmischen Endzeit-Comic.Gerard Depardieu mit Nase in XXL Das Szenario: eine Dunkelwelt. Ein Bildermix aus Balkankrise, Tschetschenien-Krieg und Mad Maxens Donnerkuppel, in der Echos diverser Apokalypse-Filme metallisch widerhallen. Eine marodierende Soldateska, Trümmer, Tod und Faustrecht. Gerard Depardieu (mit Extra-Zinken) spielt einen qualligen Warlord, der Diesels Toorop anheuert: Er soll ein Mädel von Kasachstan nach New York eskortieren.

Warum und wieso? Ein Kerl wie Toorop stellt keine Fragen. Wir Zuschauer werden mit einem Raunen abgespeist. Aurora (bildschön: Melanie Thierry) ist ein genfrisiertes Wunderkind, eine Krone der Schöpfung wie das fraugewordene "Fünfte Element" des Luc Besson. Eine Sekte unter Charlotte Rampling hat große Pläne mit ihr...Ein epigonenhaftes Werk

Auch wenn Kassovitz klagt, die Produzenten hätten den Film zum Torso gemacht: "Babylon A.D." wäre wohl auch unverstümmelt ein epigonenhaftes Werk. In den Dialogen viel metaphysisch Verquastes. Reißschwenks und Kameragefuchtel statt sehenswerter Action. Ein Soundtrack zwischen pastoralem Kitsch und heftigem Getrommel. - Seit seinem Meisterstück "Hass" (1995) hat Kassovitz nur abgebaut. "Babylon A.D." ist eine weitere Genre-Platitüde, wie "Gothika" oder "Die purpurnen Flüsse".

Schlagworte: