Virologe: Zeit der Appelle und Freiwilligkeit gegen Corona ist abgelaufen

Coronavirus

Merkel und die Ministerpräsidenten riefen die Bürger dringend dazu auf, ihre privaten Kontakte deutlich zu reduzieren. Für Virologe Martin Stürmer geht damit womöglich wichtige Zeit verloren.

Wiesbaden

17.11.2020, 07:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer geht im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland womöglich wichtige Zeit verloren, weil die Entscheidung über Verschärfungen bei den Corona-Regeln verschoben wurde.

Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer geht im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland womöglich wichtige Zeit verloren, weil die Entscheidung über Verschärfungen bei den Corona-Regeln verschoben wurde. © picture alliance/dpa

Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer geht im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland womöglich wichtige Zeit verloren, weil die Entscheidung über Verschärfungen bei den Corona-Regeln verschoben wurde. „Jede Woche, die wir verschenken, werden wir etwa bei der Belegung der Intensivbetten spüren“, sagte der Laborleiter und Dozent der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden.

Bund und Länder hatten sich am Montag darauf verständigt, für die nächsten Tage erst einmal keine weiteren Verbote und verbindlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu erlassen. Auch die Schulen sollen weiter geöffnet bleiben.

Private Kontakte hätte beschränkt werden müssen

Er frage sich, warum angesichts der aktuellen Infektionszahlen nicht schon diese Woche strengere Vorgaben auf den Weg gebracht wurden, sagte Stürmer. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Gesetzgeber mehr unternimmt, um private Kontakte zu beschränken“, sagte Stürmer. Die Zeit der Appelle und der Freiwilligkeit sei abgelaufen. „Dies ist mehr ein verzweifelter Versuch der Politik, um härtere Beschlüsse herumzukommen“, sagte er.

Nach einer Video-Konferenz riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten die Bürger am Montagabend dringend dazu auf, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren. Am 25. November soll es zudem weitere Beratungen und - wenn die Zahl der Infizierten und schwer Erkrankten bis dahin nicht stark gesunken ist - womöglich auch weitere rechtlich bindende Einschränkungen geben.

RND

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