Voges "Hamlet": Dauerflimmern und Bildersalat

Theater Dortmund

Dänemark, Überwachungsstaat. König Claudius (Carlos Lobo) ruft den Krieg gegen den Terror aus. Kameras überall, auch im Palast. So hat er ein Auge auf seinen Neffen Hamlet (Eva Verena Müller), der ihn für den Mord am Vater (Sebastian Kuschmann) bluten lassen will.

DORTMUND

, 14.09.2014, 18:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hamlet, Prinz von Dänemark: Eva Verena Müller

Hamlet, Prinz von Dänemark: Eva Verena Müller

 

Von Shakespeare leiht sich die Inszenierung von Kay Voges ein Grundgerüst, sein "Hamlet" (Premiere: Freitag im Schauspiel Dortmund) wird zum Diskurs-Theater in Sachen Vernetzung, Kontrolle, Computerstaat. Dafür bemühen Voges und seine Chef-"Optiker" Daniel Hengst und Lars Ullrich einen Großapparat von Kameras, Clips und Live-Videos, deren Projektion die halbe Bühne einnimmt.

Dauerflimmern und Splitscreen-Bildersalat machen 80 Prozent der Handlung aus. Schaltung hinter die Bühne, in Hamlets Zimmer der Kuscheltiere, in den OP eines Frankensteins (Michael Witte als Polonius), der an einer Mensch-Maschine werkelt. Zu viel, zu schnell, zu hektisch, absichtlich überdosiert. Flankiert von verbalen Kanonaden gegen die Macht der Mikrochips, begleitet von Lobreden auf Edward Snowden, illustriert Voges die Reizüberflutung im Datenstrom der digitalen Welt. Dass er uns schwer strapaziert, hat Methode: "Das Publikum will unterhalten sein, es gehört verstört", sagen Rosencrantz und Güldenstern, wie alle Figuren mehr oder weniger marionettenhaft geraten.

Allerlei Kaspereien

Sie sind maskiert als Ernie und Bert, als Wum und Wendelin. Es gibt allerlei Kaspereien aus dem Kosmos von Politik, Pop und Trash. Hamlet steckt in Batmans Rächer-Outfit, er rebelliert mit Punkmusik. ronie, die dem Stück ein paar Lacher beschert, und am Ende dick aufgetragen wird: "Wir machen politisches Theater", quäken Wum und Wendelin, während hinter ihnen zu sehen ist, was das Publikum live twittert. Eine Inszenierung, die das Publikum mehr weichklopft als wach rüttelt und im Überschwang ihrer Mittel drauf und dran ist, ihr Anliegen zu pulverisieren.

Termine: 21.9.; 1.10; 14.11.; 12./27.12; Karten: Tel. (0231) 5 02 72 22. 

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