Von Alte Heide auf die Bretter, die die Welt bedeuten

rnMusicalsängerin Esther Lach

Sie war auf den Meeren der Welt zuhause, sang auf Kreuzfahrtschiffen und tritt zur Zeit regelmäßig vor knapp 2000 Zuschauern auf der Freilichtbühne Tecklenburg auf: Die gebürtige Unnaerin Esther Lach hat ihren Traum von einer Karriere als Musical-Sängerin verwirklicht.

Alte Heide/Tecklenburg

, 01.08.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Esther Larissa Lach steht auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Seit sie ein kleines Mädchen war, wollte sie singen und tanzen. Als Kinderdarstellerin wirkte sie bereits 1996 und 1998 im Essener Colosseum-Theater an der Seite von Andreas Bieber im Webber-Musical „Joseph and the amazing technicolored dreamcoad“ mit. Damals entschied sie, dass das einmal ihr Beruf werden sollte. „Da habe ich richtig Blut geleckt“, erinnert sich die heute 30-jährige Unnaerin. „Ich wollte Musicaldarstellerin werden und richtig singen und tanzen können.“

Zusammen mit ihrem Freund auf der Bühne

Esther Larissa Lach hat es geschafft. Derzeit steht sie bei der Freilichtbühne Tecklenburg unter Vertrag und spielt an der Seite berühmter Musical-Kolleginnen und -Kollegen im Klassiker „Les Misérables“, in Monty Pythons „Spamalot“ und im Kinderstück „Peter Pan“ mit. „Ich bin glücklich, da zu sein, wo ich gerade bin“, sagt Esther Larissa Lach. Denn nicht zuletzt kann sie an der Seite ihres Freundes Mathias Meffert spielen. „Zu zweit in der gleichen Produktion unterzukommen, das ist schon eine Herausforderung.“

Doch Esther ging schon immer ihren Weg: Mit vier erhielt sie ersten Ballettunterricht, mit fünf oder sechs wurde sie Mitglied in einem Kinderchor in Dortmund-Asseln – und zu dem kamen dann die Produzenten des Musicals Joseph, als für die Essener Bühne Kinder gesucht wurden. Danach belegte Esther Kurse bei Kochtokrax und befasste sich intensiv mit ihren Hobbys.

Drei Jahre Ausbildung in Osnabrück

Nach dem Schulabschluss an der Anne-Frank-Realschule 2005 suchte sie mit ihren Eltern dann nach einer Möglichkeit, den Traum zu realisieren. Musste man eine Ausbildung machen oder studieren? Sie sang in Freiburg und Siegburg vor und entschied sich schließlich auch aufgrund der räumlichen Nähe für die Theaterfachschule mit Schwerpunkt Musical in Siegburg. „Das war dann für mich aber zuviel Schauspiel, zu wenig Musical“, erklärt sie rückblickend, warum sie 2006 zur German-Musical-Academy in Osnabrück wechselte. Die war damals noch eine Privatschule, erzählt Esther Larissa Lach, „aber es war noch bezahlbar.“ Drei Jahre lang wurde sie dort ausgebildet. „Es gab Schauspielunterricht, Sprechtechnik, Improvisation, Tanzen in ganz verschiedenen Stilrichtungen, sogar mehrere Semester lang Fechtunterricht.“ Hinzu kamen natürlich Dinge wie Musiktechnik, Noten lesen und Corepetition.

Sechs Jahre auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs

Die Ausbildung fruchtete: Sie bekam erste Engagements und heuerte schließlich als Künstlerin auf Kreuzfahrtschiffen an. Sechs Jahre war sie auf den Meeren der Welt zuhause, hatte ein Soloprogramm und trat mit einer Band auf. Nun ist sie zurück am Festland – und muss bei den Produktionen erst wieder unten anfangen und sich hocharbeiten. „Auch bei uns läuft vieles nur mit Vitamin B“, sagt sie über das harte Geschäft in der Musicalwelt. „Die Produzenten und Choreografen müssen einen kennen, damit man eine Rolle bekommt. Es ist ein langer Weg, aber ich will mich da wieder hinarbeiten.“

Die ersten Schritte sind gemacht. Im Musical-Klassiker „Les Misérables“ hat sie etliche Solo-Passagen und überzeugt dabei auf ganzer Linie, bevor sie sich wieder nahtlos in das Ensemble einreiht. Ob als Fabrikarbeiterin, Prostituierte oder Barrikadenkämpferin, mal schrill, mal lieblich: Die sympathische Unnaerin kann ihre Vielseitigkeit nicht nur in „Les Misérables“ wunderbar unter Beweis stellen, auch bei Peter Pan und Spamalot geht es hoch her.

Mehrere Traumrollen

Dass die Welt der Freilichtbühnen und Stadttheater ihr Ding ist, merkt man ihrer Spielfreude an. „Natürlich sind die großen Häuser ein Traum“, sagt sie mit Blick auf den Musical-Riesen Stage Entertainment mit Häusern in Hamburg, Stuttgart, Berlin und Oberhausen. „Aber an den Stadttheatern und Freilichtbühnen verdient man als Darsteller inzwischen das gleiche und die Stückauswahl ist dort wesentlich vielseitiger.“

Die Frage nach Traumrollen kann die Mezzo-Sopranistin mit der Rockstimme nicht sofort beantworten: Die Elpheba aus „Wicked“ nennt sie dann aber, oder die Velmy Kelly aus „Chicago“. „Mit dem Alter wird man ja schlauer und weiß, auf welche Rollen man sich bewerben kann. Es werden spezielle Typen gesucht. Da darf es nicht utopisch sein.“

Bis September spielt sie aber erstmal regelmäßig vor 1600 bis 1800 Zuschauern in Tecklenburg ganz verschiedene Rollen, danach ist Urlaub angesagt. Und was dann kommt, bleibt abzuwarten.