Von der islamischen zur zeitgenössischen Kunst

Ausstellung im Kunstmuseum

BOCHUM Islamische Kunst - da stößt man im Westen oft noch auf Vorurteile und Klischees. "Unerwartet /Unexpected" kommt da die neue Ausstellung des Kunstmuseums, die am Freitag um 18 Uhr eröffnet wird.

von Von Ronny von Wangenheim

, 17.06.2010, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Mischung aus historischen Objekten und zeitgenössischer Kunst bietet viele Ansatzpunkte, um darüber nachzudenken, wie sich Religion und Kunst wechselseitig beeinflussen, wie Künstler auf eine Tradition reagieren, die tendenziell zu einem Bilderverbot neigt.

Viele Fettnäpfchen "Lasst die Finger davon", hat Museumsdirektor Hans Günter Golinski zu hören bekommen. Fettnäpfchen würden auf dem Weg zu einer Ausstellung lauern. Doch beharrlich wurde seit drei Jahren am Thema Islam gearbeitet. Symposien mit Fachkollegen zum Thema Visualisierung im Islam ebneten den Weg. Museen wie das Pergamon Museum Berlin und das Hetjes-Museum Düsseldorf sagten historische Leihgaben zu. Inzwischen gibt es auch eine Kooperation mit der Ruhrtriennale.

Gruppenportraits

Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bildete dann aber die Arbeit von Tuomo Manninen. Der finnische Fotograf widmet sich seit vielen Jahren dem Gruppenportrait und damit dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Identität und Rolle. Für das Kunstmuseum hat er sich auf die Spur von Familien gesetzt, die sich als Ruhrgebietler fühlen, ihre Wurzeln aber in einem islamisch geprägten Kulturraum haben. "Islamische Kultur ist Bestandteil unserer Region", sieht Golinski durchaus auch eine gesellschaftspolitische Aussage in diesem Projekt und lobt die "intimen, respektvollen, offenen Darstellungen" des Finnen.

Teppiche, Keramiken, Kalligrafien Diese zehn großformatigen Portraits ziehen sich durch die Ausstellung, haben Beziehungen sowohl zu den historischen Leihgaben wie Teppiche, Keramiken oder Kalligrafien aus dem 6. bis 19. Jahrhundert, als auch zu den Positionen zeitgenössischer Künstler. Die beziehen sich ihrerseits auf ihre Geschichte. Shady El Noshokaty aus Ägypten kritisiert in einer Videoinstallation den Kunstbetrieb in seiner Heimat. Lara Baladi nimmt Bezug auf die Kaffeekultur im Nahem Osten mitsamt Kaffeesatzlesen. Ihre Collage "Rose", die mit ihren ornamentalen Strukturen ganz klar auf die islamische Tradition verweist, entsteht aus der Form "gelesener" Mokkatassen.Die Ausstellung, Bochums Beitrag zum Ruhr.2010-Projekt der RuhrKunstMuseen „Mapping the Region“, wird am Freitag (18.) um 18 Uhr im Museum eröffnet. Dazu wird Shady El Noshokaty eine Performance zeigen, die als Film dann Teil der Ausstellung wird. Der finnische Künstler Tuomo Manninen, der sich auch erfolgreich als Discjockey betätigt, hat speziell für Bochum einen Musik-Mix mit Klängen aus islamischen Kulturräumen geschaffen und wird damit der Eröffnung eine besondere Note geben. Musik kommt auch von den James Brothers.