Von Untertanen, Einfaltspinseln und Bürokraten

Westfälisches Landestheater

Grober Fall von Majestäts-Beleidigung: Jemand hat dem Denkmal des Landesherrn einen Maulkorb verpasst. Sicher ein Querulant, der der Obrigkeit eins auswischen will. Der Staatsanwalt ermittelt.

CASTROP-RAUXEL

, 31.01.2016 / Lesedauer: 2 min
Von Untertanen, Einfaltspinseln und Bürokraten

Guido Thurk spielt den Staatsanwalt von Treskow.

Mit seinem satirischen Roman "Der Maulkorb" (1936) malte Heinrich Spoerl ein Sittenbild des wilhelminischen Deutschland. Ein Klassenstaat, geprägt von Bürokratie und preußischem Untertanengeist. Ein Klima, das Lothar Maningers Inszenierung am Westfälischen Landestheater (WLT) in Castrop-Rauxel ganz illuster einfängt.

Prima Unterhaltung

Guido Thurk spielt den Staatsanwalt von Treskow, der die "Maulkorb-Sache" als Chance für seine Karriere begreift. Ein Gernegroß, der mit der Gravität von Amt und Bedeutung auftrumpft. Was der Einfaltspinsel nicht weiß: Er selbst ist der Übeltäter, der im Vollrausch das Denkmal schändete.

Diese Konstellation ist das Schwungrad der Komik. Von Treskows Frau (Vesna Buljevic) und Tochter (Pia Seiferth) sind bald im Bilde. Ein Zeuge (Thomas Zimmer) hat den Täter beobachtet, hält aber dicht, weil er ein Auge auf dessen Tochter geworfen hat. Auch der Oberstaatsanwalt (Burghard Braun) weiß am Ende Bescheid, während von Treskow im Trüben fischt.

Bestens aufgelegte Darsteller

3000 Mark Kopfgeld sind ausgelobt, Geschäftemacher treten auf den Plan. So nimmt eine Farce ihren Lauf, die mit akkuratem Timing, Slapstick-Ideen und bestens aufgelegten Darstellern prima unterhält.

Das Ensemble spielt sehr nuanciert, jeder Bückling, jede Geste sitzt. Immer ist der Habitus einer Figur Abbild ihres sozialen Status', der sich auch in den historischen Kostümen von Anna Kirschstein spiegelt.

Bülent Özdils Kommissar sieht aus wie Sherlock Holmes, Hunde bellen die Melodie von "Die Gedanken sind frei" - ein amüsanter Abend am WLT.