Vor 25 Jahren rollte die letzte Ente vom Band

Das Kult-Auto von Citroën

Modell 2CV – auch besser bekannt als Ente. Am Montag vor genau 25 Jahren fertigte der Automobilhersteller Citroën den letzten Wagen dieser Sorte. Früher war das Modell Kult, heute ist es ein Sammlerstück.

Dortmund

, 27.07.2015, 07:06 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Kultobjekt auf vier Rädern: Vor 25 Jahren lief zum letzten Mal eine Ente vom Band.

Ein Kultobjekt auf vier Rädern: Vor 25 Jahren lief zum letzten Mal eine Ente vom Band.

Das kleine Städtchen Mangualde im Norden Portugals am 27. Juli 1990. Es ist etwa 16 Uhr. Der letzte, wirklich allerletzte 2CV verlässt im Werk von Citroën die Montagehallen. Es handelt sich um einen grauen 2CV6 Charleston – das 5 114 966. Stück, das der französische Automobilhersteller hat anfertigen lassen. Das Modell blickt auf eine 41-jährige Erfolgsgeschichte zurück.

Erste Abnehmer: Landwirte

1949 hatte die erste ausgelieferte Ente 375 Kubikmeter Hubraum, neun PS, 65 km/h Höchstgeschwindigkeit, nur ein Rücklicht und Scheibenwischer mit Tachowellenantrieb. Ein Jahr zuvor enthüllte Citroën das Modell bereits auf dem Pariser Autosalon.

Kommentar der satirischen Wochenzeitung „Le Canard enchaîné“: „Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen.“ Doch davon ließ sich der französische Automobilhersteller nicht beirren. Das Fahrzeug ging in Produktion. Erste Abnehmer waren vorrangig Landwirte und Gewerbetreibende.

Idee des Citroën-Direktors

Im Oktober 1980 kam das Sondermodell Charleston auf den Markt. Der Erfolg war so groß, dass Citroën die Charleston-Ente als drittes Serienmodell anlaufen ließ. 1985 folgte die Dolly-Ente. Die eigentliche Idee, die hinter der Ente steckte, kam bereits 1934 von Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger.

Er wollte einen Kleinwagen entwickelt bekommen, der angeblich Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht. Außerdem sollte der Wagen selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Das Auto sollte ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt

Niedrige Unterhaltskosten

über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Und schließlich sollte das Fahrzeug wesentlich billiger sein als das Modell Traction Avant. Auf das Aussehen des Wagens soll es Pierre-Jules Boulange dabei nicht angekommen sein. Bei deutschen Studenten wurde die Ente später beliebt, weil der Anschaffungspreis und die Unterhaltskosten – besonders wegen der einfachen Technik – sowie die Kraftfahrzeugsteuern so niedrig waren.

Doch Ende der 80er-Jahre war Schluss – jedenfalls in Frankreich. Citroën stellte im Werk Levallois die Produktion ein. Und am 27. Juli 1990 schließlich auch in Portugal, wo das letzte Modell vom Band lief. Der Hauptgrund soll die sinkende Nachfrage gewesen sein: Während Citroën in den 60er-Jahren noch 150 000 Fahrzeuge im Jahr verkaufte, waren es zum Schluss weltweit nur noch 20 000 Enten.

Ente in schwarzgelb

„Die Ente ist ein Freiheitsgefühl. Wenn ich damit durch die Gegend fahre, erkennen mich die Leute sofort wieder“, sagt Monika Scheckel, die seit 18 Jahren Besitzerin einer Ente ist. Das erste Modell, das das Mitglied einer Citroën-Oldtimer-Interessengemeinschaft besaß, war eine weiße Ente, die Monika Scheckel mit Kuhfellen ausgelegt hatte. Seit 14 Jahren fährt auch ihr Sohn voll auf das Modell 2CV ab. „Eine Ente ist weiterhin einfach Kult. Da winken uns die Leute sogar zu“, erzählt Monika Scheckel.

Auch der berühmte Kabarettist und ehemalige Stadionsprecher von Borussia Dortmund, Bruno „Günna“ Knust, besitzt heute noch eine Ente. Wie es sich für den Dortmunder und BVB-Fan gehört: in schwarzgelb. „Die habe ich mir mal von einem befreundeten Händler so umbauen lassen“, sagt Knust. Alles wurde neu gemacht – bis auf die Zündspule. „Mit dem Wagen war ich mal vier Wochen auf Sylt. Irgendwann lief er nicht mehr, ich bin immer wieder stehengeblieben, die Leute lachten nur.“

Satte 22 000 Euro

Seit einer Reparatur für sieben Euro „läuft das Ding wie geschmiert“, erzählt Knust, für den die Ente „Retro pur“ ist: „Das war das preiswerteste Fortbewegungsmittel mit Motor damals. Beim Bremsen verbeult sich die Karre und die Tanknadel geht hin und her. Wie Ikea-Möbel – irgendwann hatte sie jeder.“

Vom Kultobjekt zum Sammlerstück: Ein Blick in Internet-Autoportale verrät, wie viel den Enten-Liebhabern die Fahrzeuge noch wert sind. Beispiel: Ein Privatanbieter aus einer niedersächsischen Gemeinde hat seinen Citroën – kurioserweise den 2CV6 Charleston in grau, wie das allerletzte hergestellte Modell – für satte 22 000 Euro angeboten. Für einen Wagen, der seine Erstzulassung bereits vor 25 Jahren hatte, 597 Kubikmeter Hubraum und 27 PS aufweist. Eben aus Liebe zur Tradition.