Vor der Wahl: Machtwechsel beim DTB deutet sich an

Kurz vor der Präsidentenkür beim Deutschen Tennis Bund (DTB) deutet sich eine überraschende Wende an. Der amtierende Georg von Waldenfels, dessen Wunschkandidat Michael Stich nicht zur Verfügung steht, hat seine erneute Bewerbung an Bedingungen geknüpft.

Berlin (dpa)

11.11.2011, 15:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

DTB-Präsident Georg Freiherr von Waldenfels knüpft seine Kandidatur an Bedingungen. Foto: David Ebener

DTB-Präsident Georg Freiherr von Waldenfels knüpft seine Kandidatur an Bedingungen. Foto: David Ebener

Der Amtsinhaber hat selbst einen Rückzug nicht ausgeschlossen. «Meine Kandidatur hängt an inhaltlichen Voraussetzungen», sagte der seit 1999 amtierende DTB-Chef der Nachrichtenagentur dpa.

Wichtig seien ihm eine Reform des Präsidenten-Wahlrechts, die Beibehaltung des Ehrenamts an der Verbandsspitze und eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge um jährlich 20 Cent. Sollten diese Punkte und das von ihm vorgeschlagene «Kompetenzteam» vor der richtungsweisenden Präsidentenwahl am Sonntag in Berlin nicht die notwendige Unterstützung der 18 Landesverbände finden, will von Waldenfels seine erneute Kandidatur überdenken: «Dann muss ich mir überlegen, was ich mache.» Es gehe ihm nicht um das Amt, sondern um Inhalte, betonte er und erklärte, «persönliche Animositäten» zurückstellen zu wollen.

Mit seinem Vorstoß dürfte der frühere bayerische Finanzminister auch seinen Gegenspieler Karl Georg Altenburg, der am Freitag zunächst nicht zu erreichen war, verblüfft haben. Denn von Waldenfels hatte in den vergangenen Wochen und Monaten vieles versucht, um den Bank-Manager aus Frankfurt/Main als Nachfolger zu verhindern. Nicht zuletzt in der Personalie Stich, für den sich von Waldenfels auf der Zielgeraden des teils erbittert geführten Wahlkampfes stark gemacht hatte, sehen seine Gegner eine «verzweifelte Aktion», wie es sein Chef-Kritiker Dirk Hordorff im dpa-Gespräch ausdrückte.

Zumal Stich, der die ganze Causa unkommentiert ließ, überhaupt «kein Kandidat» sei und nicht zur Wahl stehe. «Es ist völlig außerhalb der Diskussion über jemanden zu diskutieren, der gar nicht bereit ist, zu kandidieren», sagte Hordorff.

Der Trainer von Tennisprofi Rainer Schüttler ist überzeugt, dass es zu einem Machtwechsel kommt: «Es gibt eine ganz klare Mehrheit, dass Herr von Waldenfels auf gar keinen Fall mehr Präsident des DTB sein soll.» Bei einer Testabstimmung im Sommer hatten sich sieben Landesverbände, die über 66 der 111 Gesamtstimmen verfügen, für Altenburg und dessen Team um den früheren Davis-Cup-Kapitän Carl-Uwe Steeb ausgesprochen. Altenburg sei ein «Top-Wirtschaftsmann» und liebe Tennis, führte Hordorff als Argumente für den Deutschland-Chef der amerikanischen Investment-Bank JP Morgan an.

Die 18 Landesverbände mit ihren einflussreichen Regionalfürsten an der Spitze treffen im Berliner Maritim-Hotel wegweisende Entscheidungen. Wollen sie die Beibehaltung der ehrenamtlich geprägten Strukturen, müssen sie für von Waldenfels stimmen. Altenburg hingegen wirbt für eine Professionalisierung mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer an der Spitze. Einen «Richtungswechsel schwarz-weiß» kann von Waldenfels aber nicht erkennen. Der 67-Jährige bedauert indes die aktuelle «Spannungslage» und meinte: «Michael Stich hätte das Zeug dazu gehabt, den DTB zu einen.»

Doch daraus wird nichts. Und so basteln Altenburgs Gegner hinter den Kulissen daran, das bisherige Stimmenverhältnis zu verändern. So soll künftig jeder Verband über mindestens fünf Stimmen verfügen, zudem solle ein Kandidat von mindestens acht Landesverbänden unterstützt werden. Hordorff vermutet, dass sein Intimfeind von Waldenfels hinter diesen Anträgen steckt. «Das ist das Ränkespiel eines gescheiterten Politikers», sagte der hessische Verbandschef.

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