„Vorsprung auf magische Weise verschwunden“: Trump wütet gegen laufende Auszählung

Wahlen in den USA

Auf Twitter schimpft US-Präsident Donald Trump über die laufende Stimmenauszählung. Er sät dort weiter Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl. Tom Wolf, Gouverneur im umkämpften Staat Pennsylvania, spricht von einem „Stresstest für die Demokratie“.

Washington

04.11.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf Twitter wütet US-Präsident Donald Trump über die noch laufende Stimmenauszählung und versucht, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl zu sähen.

Auf Twitter wütet US-Präsident Donald Trump über die noch laufende Stimmenauszählung und versucht, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl zu sähen. © dpa

Washington. Bei der Stimmenauszählung zur US-Präsidentschaftswahl haben sich am Mittwoch leichte Vorteile für den Herausforderer Joe Biden abgezeichnet. In Wisconsin, Michigan und Nevada hatte der Kandidat der Demokraten jeweils die Nase vorn.

Amtsinhaber Donald Trump zeigte sich darüber empört - sein am Dienstagabend noch bestehender Vorsprung sei in einem Bundesstaat nach dem anderen „auf magische Weise verschwunden“, schrieb der Präsident auf Twitter und zweifelt damit erneut die Legitimation der Briefwahl an. Der Internetdienst versah den Tweet erneut mit einem Warnhinweis wegen „möglicherweise irreführender“ Aussagen.

Biden: „Wir ruhen nicht, ehe nicht jede Stimme gezählt ist.“

In der Nacht zum Mittwoch hatte sich Trump im Weißen Haus während der laufenden Auszählung zum Sieger erklärt und angekündigt, seinen Anspruch vor das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten zu bringen.

„Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen“, sagte der Präsident und fügte hinzu: „Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen.“ Bidens Wahlkampfteam warf Trump vor, die Auszählung rechtmäßig abgegebener Stimmen stoppen zu wollen. Das sei „empörend, beispiellos und falsch“.

Trump hatte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Briefwahl gemacht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit geschürt - obwohl die Abstimmung per Post eine etablierte Form der Stimmabgabe ist. Er warnte ohne stichhaltige Beweise vor massiven Fälschungen. Hinweise auf nennenswerten Wahlbetrug gab es nicht.

Der Gouverneur im US-Staat Pennsylvania, Tom Wolf, sprach von einem „Stresstest für die Demokratie“. Er werde alles tun, um sicherzustellen, dass jede Stimme in seinem Bundesstaat gezählt werde, sagte der Politiker der Demokratischen Partei in Harrisburg.

An die Bürgerinnen und Bürger gerichtet sagte Wolf: „Eure Stimme macht bei dieser Wahl einen Unterschied aus.“ Er werde sich gegen jeden Versuch stellen, die Wahl in Pennsylvania anzugreifen.

„Unregelmäßigkeiten“: Republikaner erwägen Neuauszählung in Wisconsin

Das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump will möglicherweise eine Neuauszählung der Stimmen im hart umkämpften US-Staat Wisconsin beantragen. Wahlkampfmanager Bill Stepien kritisierte in einer schriftlichen Erklärung am Mittwoch, in mehreren Bezirken in Wisconsin sei es zu „Unregelmäßigkeiten“ gekommen, „die ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Ergebnisse wecken“.

Trotz einer weitgehenden Auszählung der Stimmen zur Präsidentschaftswahl verzögerte sich am Mittwoch die Bekanntgabe des Ergebnisses in Wisconsin. Es gebe nur zwei kleine Ortschaften mit zusammen 600 Einwohnern, deren Stimmen noch nicht erfasst seien, teilte die Wahlkommission von Wisconsin mit.

Eine Mitarbeiterin der Kommission sagte dem Fernsehsender CNN, die Stimmen würden auf Bezirksebene und im ganzen Staat doppelt geprüft, um Fehler auszuschließen.

Auch Fernsehsender und die Nachrichtenagentur AP verzichteten zunächst darauf, einen Wahlsieger für Wisconsin bekanntzugeben. Die bisherige Auszählung zeigt ein so knappes Ergebnis, dass wenige Stimmen noch für eine Veränderung sorgen könnten.

Knappe Führung

Nach Auszählung von etwa 97 Prozent der Stimmen führte der demokratische Kandidat Joe Biden demnach mit 49,4 Prozent vor dem republikanischen Amtsinhaber Trump mit 48,8 Prozent.

Der Bundesstaat im Nordosten der USA hat zehn Wahlleute zu vergeben. 2016 konnte Trump in Wisconsin eine knappe Mehrheit von 0,7 Prozentpunkte erringen.

RND/dpa

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