Vorwürfe und Briefe nach tödlichem Unfall am Bahnübergang

rnTödlicher Unfall

Am unbeschrankten Bahnübergang in Lankern hat sich am Freitag ein schwerer Unfall mit dem „Bocholter“ ereignet. Drei Menschen kamen ums Leben. Anlieger haben sich jetzt zu Wort gemeldet.

von Stefan Pingel

Hamminkeln

, 28.04.2020, 13:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner des unbeschrankten Bahnübergangs Lankernbrok, die am Freitagnachmittag den tödlichen Unfall miterleben mussten, haben sich jetzt in einem offenen Brief an Bürgermeister Bernd Romanski gewendet. Sie äußern darin ihr „Unverständnis“, dass der Übergang noch nicht mit einer vernünftigen Signalanlage gesichert sei.

TÖDLICHER UNFALL

  • An dem unbeschrankten Bahnübergang auf der Straße Lankernbrok in Dingden-Lankern stieß am Freitag gegen 14.20 Uhr aus noch ungeklärter Ursache ein Pkw mit dem Triebwagen zusammen, der in Richtung Bocholt unterwegs war.
  • Das Auto wurde rund 50 Meter mitgeschleift. Für den Fahrer des Wagens, einen 81-jährigen Mann aus Voerde, kam jede Hilfe zu spät. Auch zwei Frauen aus Voerde, eine 77-Jährige und eine 75-Jährige, waren sofort tot.

Gleichzeitig wollen sie nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen, weil der Übergang nicht schon geschlossen worden sei, schreibt Christin Hoffmann im Namen der Anwohner.

Die CDU-Ratsfrau beschreibt in dem Brief die Situation, als die Nachbarn zu Zeugen und Ersthelfern wurden, „die versuchten zu retten, was nicht mehr zu retten war“. So blieb nur, der sterbenden Frau bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Beistand zu leisten: „Es waren mit Abstand die längsten und schlimmsten Minuten, die ich und auch die anderen Beteiligten bisher erlebt haben.“ Hoffmann spricht von Bildern, „die wir nicht mehr vergessen werden“.

Es war nicht das erste Unglück am Bahnübergang

Dabei war es bekanntlich nicht das erste Unglück an einem der unbeschrankten Übergänge in Lankern. Und auch am Lankernbrok häufen sich die brenzligen Situationen. Erst eine Woche zuvor musste der Regionalzug „Bocholter“ eine Notbremsung durchführen, um die Kollision mit einem Auto zu verhindern.

Jetzt lesen

Dabei gehe es den Nachbarn nicht darum, der Stadt oder dem Bürgermeister den Unfall vorzuwerfen. Ihr seien die „Abläufe und Verantwortlichkeiten“ bekannt, mit der Deutschen Bahn hier zu einer Einigung zu kommen. Aber die Nachbarn stören sich an Presseberichten nach dem tödlichen Unfall.

Anwohner fühlen sich von Bürgermeister angegriffen

Dort wird der Bürgermeister zitiert, der feststellte, dass nach Rücksprache mit der Feuerwehr und auch den Einwänden der Anwohner der Bahnübergang nicht geschlossen wurde. „Nun wird uns daraus ein Strick gedreht? Unfassbar!“, schreibt Hoffmann. Für sie klinge es, als würde Romanski sie indirekt für den Unfall verantwortlich machen.

Der Bürgermeister ist wiederum über diesen „ungeheuerlichen Vorwurf“ verärgert. Er habe „nicht ansatzweise mit dem Finger auf die Feuerwehr gezeigt“, stellt er in seiner Antwort auf Hoffmanns Schreiben fest. 2016 sei man nach Rücksprache mit der Feuerwehr zu der „gemeinsamen Entscheidung“ gekommen, dass der Übergang geöffnet bleiben sollte. Dabei spielten auch übergeordnete Aspekte eine Rolle.

Wegen Elektrifizierung mit der Deutschen Bahn im Gespräch

Mit der Elektrifizierung der Strecke der Regionalbahn strebt die Stadt ohnehin die Sicherung aller Bahnübergänge zwischen Hamminkeln und Bocholt mit Schranken an, sagt Romanski. Dazu werde man auch wieder Kontakt zur Deutschen Bahn auf nehmen, mit der man wegen der Elektrifizierung ohnehin im Gespräch gewesen sei.

Er wolle auf jeden Fall eine konstruktive Lösung mit der Bahn erreichen. Dabei könnte aber auch wieder die Schließung von Bahnübergängen angesprochen werden, vermutete Romanski am Montag gegenüber dem BBV. Aus Sicht der Deutschen Bahn sei jeder Bahnübergang, der nicht mehr da ist, ein guter Bahnübergang.

Lesen Sie jetzt