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Rot, Gelb oder Grün sehen

Vreden Grün, Gelb oder Rot - heute sind die Klassensprecher Lukas und Jana an der Reihe, um die "Ampelfarben" bei den Schülern der 6b abzufragen. Geben sie sich ein "Grün", weil sie heute überhaupt kein Problem hatten, oder etwa ein "Rot", weil sie jemanden beleidigt oder geschubst haben?

28.11.2007

Immer am Ende eines Schultages ist "Friedensliste"-Zeit in den meisten Klassen des fünften bis siebten Jahrgangs der St. Georg-Hauptschule. Wie in der Klasse 6b, in der Lukas und Jana an diesem Tag jede Schülerin, jeden Schüler der Reihe nach um ihre eigene Einschätzung ihres Verhaltens bitten. Ein Schüler schätzt sich auf "Grün" ein, ein Mitschüler widerspricht: "Nein, Gelb, weil Du auf der Treppe jemanden geschubst hast." Einsicht ist vorhanden, Lukas macht ein gelbes Kreuz auf die Liste hinter dem Namen des Schülers.

Festes Ritual

"Wenn es unterschiedliche Ansichten gibt, kann es sein, dass der nächste Schritt der Besuch bei den Streitschlichtern ist", erzählt Gudrun Held, Lehrerin an der St. Georgschule. Das komme vor, sei aber eher die Ausnahme. Die tägliche Beschäftigung mit dem eigenen Verhalten und mit dem der Mitschüler sei zu einem wichtigen Ritual geworden, betont Held: "Oft erinnern die Schüler schon um 12.40 daran, dass noch die Friedensliste ansteht."

Für die "Friedensliste" gelten feste Regeln, was den Sprachgebrauch angeht. "Solche Gespräche muss man üben. Dabei haben wir auf Bausteine aus dem Lions Quest-Programm zurückgegriffen", erläutert die Lehrerin. "Ich kritisiere, dass...", "Mich stört, dass Du..." oder auch "Mir gefällt, das..." - mit diesen Formulierungshilfen drücken die Schüler aus, was sie anbringen möchten. "Nicht nachäffen, sachlich formulieren"

- auch das wird weitgehendst beherzigt.

Sprachregeln

"Das ist toll, wie die Schüler formulieren", ist Schulleiterin Gisela Huning ganz begeistert. Sie findet einen Aspekt der "Friedensliste" besonders wichtig: "Wenn man drüber spricht, ist die Luft ja schon fast raus." Gudrun Held ergänzt: "Die Schüler sollen nicht mit Frust aus der Schule gehen sondern mit dem Gefühl: `,Ich habe gesagt, was mich gestört hat'".

Am Ende jeden Monats wird in der Klasse Bilanz gezogen. Die Farben werden zur Kenntnis genommen, für den einen oder anderen gibt sie dann schon mal Anreiz zum Nachdenken. ewa

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