VW stoppt ab Montag die Golf-Produktion

Streit mit Zulieferern

Der Golf ist für Volkswagen das Brot-und-Butter-Geschäft. Doch eine Auseinandersetzung mit zwei Partnern legt die Produktionslinien des wichtigsten Modells lahm. Ein Aufsichtsrat will vermitteln - und warnt vor den möglichen Folgen des Konflikts.

Wolfsburg

20.08.2016, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Firma CarTrim GmbH in Plauen: Der Teilezulieferer und Volkswagen schieben sich gegenseitig die Schuld am Konflikt zu. Foto: Bodo Schackow

Die Firma CarTrim GmbH in Plauen: Der Teilezulieferer und Volkswagen schieben sich gegenseitig die Schuld am Konflikt zu. Foto: Bodo Schackow

Ein Streit mit zwei Zulieferern für Getriebeteile und Sitzbezüge hat Volkswagen zum Stopp der Produktion bei seinem wichtigsten Modell Golf gezwungen. Im Wolfsburger Stammwerk seien Bereiche zur Vorbereitung der Fertigung ausgesetzt worden, die entsprechende Logistik ruhe bereits.

Ab Montag fallen Schichten im Stammwerk weg

Das berichtete ein Konzernsprecher. «Schichten fallen dann ab Montag weg.» In Zwickau wird die Montage des Golf und Passat zum Wochenbeginn ebenfalls heruntergefahren.

In einer Bekanntmachung an die Mitarbeiter in Wolfsburg hieß es, für betroffene Beschäftigte unter anderem in Montage, Karosseriebau, Lackiererei und Presswerk werde im Einvernehmen mit dem Betriebsrat Kurzarbeit geprüft. VW erwägt dies auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau und Kassel. Im Passat-Werk Emden wurde schon für 7500 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Die Bänder der in Wolfsburg hergestellten Modelle Tiguan und Touran laufen dagegen weiter.

Streit um gekündigte Verträge

Grund für die Zwangspause ist ein Lieferstopp der Partnerfirmen ES Automobilguss und Car Trim aus Sachsen. «Wir arbeiten nach wie vor an einer Einigung», erklärte VW. Das Unternehmen hatte angekündigt, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die nötigen Teile zu erhalten. Die Zulieferer wiesen eine Verantwortung zurück, sie gaben VW die Schuld an der Entwicklung. Es soll um gekündigte Verträge gehen.

Der Produktionsstopp beim Golf soll laut VW zunächst bis einschließlich kommenden Samstag (27. August) gelten. Ob möglicherweise auch darüber hinaus Schichten gestrichen werden müssten, sei noch nicht abzusehen und hänge vom Verlauf der Gespräche mit den Zulieferern ab.

Niedersachsens Wirtschaftsminister will vermitteln

Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies will in dem Streit vermitteln. Er werde mit seinem sächsischen Amts- und Parteikollegen Martin Dulig darüber sprechen, sagte der SPD-Politiker dem Radiosender NDR Info. «Diese Auseinandersetzung ist auch für das mittelständische Unternehmen in Sachsen nichts, wo man so einfach sagen kann, das geht so weiter», meinte Lies. Aber auch im Interesse der VW-Mitarbeiter müsse der Konflikt rasch gelöst werden: «Wenn sich das lange hinzieht, mag ich über die Auswirkungen (...) noch gar nicht nachdenken.» Beide Seiten sollten sich an einen Tisch setzen.

Das Landgericht Braunschweig hatte am Freitag mitgeteilt, VW habe bereits alle nötigen Voraussetzungen für die Herausgabe der fehlenden Teile erwirkt. Es gebe einstweilige Verfügungen hierzu. ES-Chef Alexander Gerstung betonte laut Mitteilung: «Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich.»

Der Schaden vergrößere sich mit jedem Tag, so Ministerpräsident Weil

Die genauen Hintergründe für den Streit sind ungeklärt. Aus Sicht von ES und Car Trim ist die schwierige Lage Folge einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen seitens VW. Volkswagen habe keinen Ausgleich dafür gewährt. Deswegen «sahen sich Car Trim und ES Automobilguss letztlich zum Lieferstopp gezwungen», hieß es.

Harsche Töne kamen vom Land Niedersachsen, dem zweitgrößten Aktionär von VW. Der schon jetzt beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, warnte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werden: «Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen.»

Auslastung über das Gesamtjahr sei entscheidend

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. «Hier läuft ein ganz mieses Spiel», sagte er der «Bild»-Zeitung. Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Golf-Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun.

VW betonte, es handle sich um ein Ergebnis der üblichen Produktionsplanung für das vierte Quartal - die Tage lägen überdies in den Herbstferien und kurz vor Weihnachten. Entscheidend sei stets die Auslastung über das Gesamtjahr. So habe man etwa in den Sommer-Werksferien wegen der guten Nachfrage «durchproduziert».

Von dpa

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