«Waffen bringen mir nichts»

Wattenscheid Bereits eine Woche ist der 19-jährige Florian Fischer schon für die Mobilen Sozialen Dienste unterwegs.

10.07.2007, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

«Die Tage waren spannend und körperlich nicht ganz so anstrengend wie ich erst gedacht hatte», lacht er. Florian ist einer von zwölf Zivildienstleistenden, die beim DRK dieser Tage ihren Wehrersatzdienst antreten. Neun von ihnen, drei sind im Urlaub, trafen sich am vergangenen Wochenende für einen Vorbereitungskurs. Die Mitarbeiter vom DRK beantworteten ihnen alle Fragen zum Zivildienst. Und diese Gruppe habe auch viele Fragen zum DRK gehabt, freute sich der stellvertretende Vorsitzende Thorsten Junker. Denn bei Interesse können sich die «Zivis» während der Zeit weiterbilden oder später weiter als Honorarkraft arbeiten. Und: Alle neun waren freiwillig da. Denn einige von ihnen fangen den Dienst erst in den kommenden Wochen an. «Dass sie in ihrer Freizeit an dem Kurs teilnehmen, hat noch keiner in Frage gestellt», bestätigt Junker. Seit vier Jahren macht das DRK diesen Kurs. «Es ist wichtig, dass sich die jungen Männer kennenlernen. Das macht die Arbeit und Organisation in den kommenden neun Monaten leichter.»

Die jungen Männer scheinen interessiert bei der Sache zu sein. Die Stimmung im Übungsraum ist gut, flotte Sprüche fliegen umher wie Tauben draußen in der Stadt. Sie lernen viel Praktisches: Machen einen Erste-Hilfe-Kurs und lernen, wie sie Menschen in den Rollstuhl und wieder heraus befördern. Auch Medizin und Pflege lernen sie. «Sie sollen erkennen können, wenn mit dem Menschen, den sie besuchen, etwas nicht stimmt.», erklärt Junker. Das Wissen macht die jungen Leute zudem sicherer bei der Arbeit.

Pflegeeinsätze

Die DRK-Zivis fahren Essen aus, sind auch bei leichten Pflegeeinsätzen dabei. «Jedenfalls sofern sie das möchten». Sie verbringen den Abend mit einigen Patienten oder gehen für die einkaufen. Sie sind einfach da. «Manch ehemaliger Zivi von uns geht «seine Leute» bis heute regelmäßig besuchen», weiß Junker. Freundschaften können sich so auch entwickeln. Warum junge Männer heute den Wehrdienst verweigern?

Zum einen möchten viele gerne zu Hause bei ihren Freunden und ihrer Familie bleiben. «Aber ich helfe ja auch dabei, dass Menschen ein würdiges Leben führen können, obwohl sie alt oder vielleicht behindert sind», sagt Florian Fischer. «Eine Waffe auf einen anderen Menschen zu richten, das bringt mir irgendwie nichts.»

Sabine Josten