Wahrscheinlichkeit im Promillebereich

rnMediziner über Narkosefehler

In einem, höchstens in zwei von Tausend Fällen wacht ein Patient während einer Vollnarkose auf. Es passiert selten, aber es kann in jedem Krankenhaus vorkommen. Ein Mediziner rät dazu, diese Fehler ernst zu nehmen – und vor allem richtig damit umzugehen.

Unna

, 08.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Phänomen, während einer Vollnarkose wache Phasen zu erleben – die Fachwelt spricht von „Awareness“ – ist selten. Im Schnitt passiert es bei einer oder zwei von 1000 Vollnarkosen. Die Fallzahlen sind laut Ärzteblatt seit den 1970er-Jahren um nahezu das Zehnfache gesunken.

Jeder Fall aber sei für den Betroffenen schlimm, sagt Dr. Markus Berghoff, Ärztlicher Direktor der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis. Die Erfahrung, den Medizinern während einer OP hilflos ausgeliefert zu sein, könne traumatisch sein. „Das muss man sehr ernst nehmen.“

Die Kunst der Anästhesie bestehe darin, den Patienten in einen „steady state“, also eine stabile Narkose zu versetzen und in diesem Zustand zu halten. Die Narkose dürfe nicht zu flach sein, aber auch nicht zu tief. Prinzipiell müssten bei einer Vollnarkose zwei Formen der Betäubung gut aufeinander abgestimmt werden: das künstliche Koma, also die Bewusstlosigkeit, und die Erschlaffung der Muskeln. Die richtige Dosierung und Überwachung erfordere viel Erfahrung. Ein gründliches Vorgespräch sei wichtig, um das Risiko zu senken, dass ein Patient während der Narkose wach wird. Dabei müssten dann auch eventuelle Vorerfahrungen besprochen werden. Bei Risikopatienten könne inzwischen während der OP ein spezielles Verfahren zur Messung der Hirnströme eingesetzt werden. Berghoff betont, kein Krankenhaus sei davor gefeit, dass Fehler passieren. „Wichtig ist es, daraus zu lernen.“ Vor allem müssten Patienten nach einem solchen Vorfall Hilfe bekommen.