Waldbrandgefahr durch Hitzewelle stark angestiegen

Forstämter in Alarmbereitschaft

Die Hitze sorgt für volle Freibäder. Aber auch für Gefahr in den Wäldern. In vielen Gebieten Deutschlands ist die höchste Warnstufe erreicht. So auch in weiten Teilen von NRW. Abkühlung ist nicht in Sicht, es drohen Unwetter und Hagelschlag im weiteren Verlauf der Woche.

BERLIN

20.06.2017, 18:19 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Schild mit der Aufschrift "Grillen nicht im Wald! Notruf 112" ist am 20. Juni in einem Waldgebiet südlich von Lübbenau (Brandenburg) zu sehen. Die Waldbrandgefahr ist wegen der hohen Temperaturen der vergangenen Tage in mehreren Regionen Deutschlands hoch.

Ein Schild mit der Aufschrift "Grillen nicht im Wald! Notruf 112" ist am 20. Juni in einem Waldgebiet südlich von Lübbenau (Brandenburg) zu sehen. Die Waldbrandgefahr ist wegen der hohen Temperaturen der vergangenen Tage in mehreren Regionen Deutschlands hoch.

Bereits zum kalendarischen Sommerbeginn am Mittwoch gibt es Sonne satt, allerdings steigt damit auch die Gefahr für Waldbrände. „Momentan wächst die Gefahr mit jedem Tag“, sagte der Waldbrandexperte der Bremer Feuerwehr, Karl-Heinz Knorr, am Dienstag. „Wenn wir keine ergiebigen Regenfälle bekommen, wird die Gefahr weiter zunehmen.“ Vereinzelte Schauer würden kaum helfen. Und Abkühlung ist nicht in Sicht: In den kommenden Tagen steigen die Temperaturen teils auf weit über 30 Grad. Die Hitze birgt außerdem Gewitter- und Unwetterpotenzial, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Für Donnerstag sind im Süden und Südwesten Spitzenwerte von bis zu 38 Grad möglich.

Zahlreiche Waldgebiete in Deutschland stark gefährdet

Dem DWD zufolge gibt es zwischen dem Südwesten bis zum Nordosten in Brandenburg zahlreiche Gebiete mit der höchsten Waldbrandwarnstufe. Zu einem verheerenden Waldbrand wie in Portugal würde es dem Experten Knorr zufolge in Deutschland aber nicht kommen: Erstens gebe es hierzulande keine so großen zusammenhängenden Waldgebiete wie in Portugal und anderen südeuropäischen Ländern.

Zudem seien die Wälder in Deutschland für die Feuerwehr besser zugänglich, weil sie intensiver bewirtschaftet würden. Auch sei wegen der Freiwilligen Feuerwehren die Einsatzkräfte-Dichte höher: „Wir sind in den Waldbrandgebieten schneller am Feuer dran“, sagte Knorr.

Brandenburg zählt aufgrund seiner ausgedehnten Kiefernwälder zu den gefährdetsten Regionen Deutschlands. Dort gelten sogar fast flächendeckend die beiden höchsten Warnstufen. Unter anderem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, im südlichen Niedersachsen und in Sachsen gab es ebenfalls Gebiete mit der höchsten Warnstufe. Im Saarland und Rheinland-Pfalz sollte am Donnerstag in einigen Gebieten die höchste Warnstufe erreicht werden.

Waldbrandgefahr auch für NRW hoch

Für weite Teile Nordrhein-Westfalens gilt die Gefahrenstufe vier von fünf. Michael Börth vom Regionalforstamt Ruhrgebiet erwartet, dass der Index in den nächsten Tagen die höchste Stufe erreichen wird. Die Forstämter sind bereits in Alarmbereitschaft. „Die Forstämter stehen den Feuerwehren auch außerhalb der Dienstzeiten für mögliche Waldbrandeinsätze zur Verfügung“, erklärte Börth.

Wenn nötig könnten dann zwar auch Wälder gesperrt werden, doch Börth sieht sein Revier gut aufgestellt: „Die soziale Kontrolle ist erfahrungsgemäß so groß, dass kleine Rauchsäulen sofort übers Handy gemeldet werden.“ Wichtig sei, dass Waldbesucher sofort die Notrufnummer 112 wählten und nicht erst versuchten, den Förster zu informieren.

Die derzeit betroffenen Regionen sind laut dem Waldbrandexperte Knorr regelmäßig gefährdet. Dort gebe es vor allem Nadelbäume, die deutlich schneller brennen würden als Laubbäume. Etwa an Fichten bilde sich viel trockenes Unterholz. Derzeit seien auch die lauen Nächte ein Problem, weil sich kein kühlender Tau bilde. „Es gibt ein immer weiteres Austrocknen der Vegetation“, sagte Knorr.

Heiße Katalysatoren von Autos können Gras entflammen

Ausgelöst wird ein Waldbrand oft schon durch Kleinigkeiten: Beispielsweise kann eine weggeworfene Flasche durch den Brennglas-Effekt zum Feuer führen. Der DWD warnte in Bayern auch vor stark erhitzen Katalysatoren an Autos: Fahrzeuge solle man nicht auf trockenem Gras am Waldrand abstellen, hieß es.

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Im Südwesten Deutschlands wurden indes wegen der Hitze Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Um Unfälle wegen aufgeplatzter Fahrbahnen zu vermeiden, sprach das Regierungspräsidium Karlsruhe Tempolimits für Autobahnen aus. Auf der A5 und der A6 durften Autofahrer seit Dienstag in Abschnitten um das Autobahnkreuz Walldorf nur mit 80 Kilometern pro Stunde fahren. Die Tempolimits werden aufgehoben, sobald die Tageshöchstwerte der Temperaturen unter 30 Grad liegen.

Weltweit wurden im Juni Temperaturrekorde gebrochen

Der Donnerstag wird nach Einschätzung des DWD nicht nur ein sehr heißer, sondern auch gewitteranfälliger Tag mit hohem Unwetterpotenzial. DWD-Meteorologe Helge Tuschy sagte: „Besonders die Menschen im Norden und Osten Deutschlands werden sich auf heftige Unwetter mit Starkregen, großem Hagel und teils schweren Sturmböen einstellen müssen.“

Nicht nur hierzulande, sondern auch weltweit ist es momentan vielfach sehr warm: Die Weltwetterorganisation (WMO) warnte in Genf vor einer anhaltenden Hitzewelle in weiten Teilen der Welt. In Spanien seien im Juni zahlreiche Temperaturrekorde gebrochen worden, darunter in Granada mit 41,5 Grad und in Madrid mit 40,1 Grad. Pakistan meldete 54 Grad in der Stadt Turbat.

von dpa