Wall in einem Wald in der Bauerschaft Dörholt entdeckt

Wall

Es ist eine wahre Detektivarbeit. Johannes Messing und Florian Jüngerich wollen herausfinden, was es mit dem Wall in einem Wäldchen in der Bauerschaft Dörholt auf sich hat.

Billerbeck

von Stephanie Sieme

, 18.08.2020, 14:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wollen wissen, was es mit dem Wall in dem Dörholter Wäldchen auf sich hat: Johannes Messing (l.) und Florian Jüngerich.

Wollen wissen, was es mit dem Wall in dem Dörholter Wäldchen auf sich hat: Johannes Messing (l.) und Florian Jüngerich. © Stephanie Sieme

Johannes Messing und Florian Jüngerich vermuten, dass der Wall in der Bauerschaft Dörholt aus der Zeit um 1000 vor Christus stammen könnte. Aus der frühzeitlichen Geschichte Billerbecks.

„Wir brauchen am besten Fundstücke wie Keramik oder Waffen“, sagt Florian Jüngerich, der Geschichte studiert hat, seinen Master in Archäologie machen möchte und bei der Altertumskommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe tätig ist. Denn mithilfe von Fundstücken könne auf das Alter des Walls geschlossen, eine Datierung vorgenommen werden.

Im Corona-Homeoffice ist er bei der Bearbeitung von Akten, die er transkribiert hat, auf ein Dokument über den Wall in Billerbeck gestoßen. Ein Schriftstück von 1863. Darin beschreibt Casper Növer-Vehoff, ein an Archäologie interessierter Laie, den runden Wall, den Ort und hat sogar eine Zeichnung angefertigt. Daraufhin hat Jüngerich seinen Kumpel, den Billerbecker Johannes Messing, kontaktiert. Auch er studiert Geschichte. „Ich kannte den Wall nicht“, erzählt er. Und aus privater Neugier ist nun eine Forschung geworden.

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Zusammen haben sie sich auf den Weg gemacht, den Wall aufgesucht und sie waren erstaunt, wie gut er erhalten ist. Er ist kreisförmig und hat eine Öffnung. „Ob es eine Eingangssituation ist, ist Spekulation. Sie kann auch durch einen Trecker entstanden sein, der Holz aus dem Wald gezogen hat“, so Jüngerich.

Auch was es mit diesem Wall auf sich hat, ob er vielleicht als Schutz oder Versammlungsort diente, sei reine Spekulation. Fest stehe aber, dass dieser Wall nicht auf natürlichem Wege entstanden sei. „Wir haben hier einen Kreis“, betont Johannes Messing. Niemand schütte Erde kreisrund auf.

Keine Infos im Stadtarchiv

Es gebe nur wenige Schriftstücke zu diesem Wall. Auch im Stadtarchiv sind die beiden Männer nicht fündig geworden. Quasi aus dritter Hand haben sie herausgefunden, dass mal eine Axt gefunden worden sein soll, die in einem Museum in Dortmund vermutet werde. „Wir haben schon Kontakt mit dem Museum aufgenommen. Da besteht aber die Frage, ob man im Museum weiß, woher die Axt stammt“, berichtet Jüngerich.

Einfach Grabungen durchzuführen, gehe nicht. Das werde nur gemacht, wenn eine solche Anlage bedroht sei. Sprich: Wenn beispielsweise der Wald abgeholzt werden würde. Das sei hier aber nicht der Fall. Es gebe andere Möglichkeiten. Das sei dann aber eine finanzielle Frage und müsste gerechtfertigt sein. Es komme darauf an, was und wie viel sie herausfinden.

Flurnamen unter die Lupe nehmen

In Verbindung setzen wollen sich die beiden noch mit dem Institut für Namensforschung. Den Flurnamen wollen sie unter die Lupe nehmen. „Der Hain, in dem sich der Wall befindet, hieß Greven Sunne“, so Messing, der auch Germanistik studiert. Greven könnte so viel wie Graben bedeuten. Sonne hieß im Althochdeutschen Sunna – aus dem im mittelhochdeutschen dann Sunne wurde. Ob das die richtige Bedeutung sei, das sei ebenfalls nicht sicher. In einer anderen Akte sei auch der Name Greifensunde aufgetaucht.

Florian Jüngerich und Johannes Messing hoffen, dass sie das Rätsel um den Wall in dem Wäldchen bei Dörholt noch lösen werden. Viel haben sie bislang nicht herausgefunden, auch Anlieger konnten ihnen nicht weiterhelfen. Wer etwas über diesen Wall weiß, kann sich mit den beiden in Verbindung setzen (Tel. 0251/5918992, E-Mail: florian.juengerich@lwl.org). Jüngerich: „Es wäre schön, wenn wir was herausbekommen. Wir bleiben dran.“

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