Walzer der Meister - wie im Traum

ESSEN Im Jubiläumsjahr durften die Altmeister nicht fehlen. und Oleg Maisenberg bewiesen beim Klavier-Festival Ruhr, dass sie immer noch dafür gut sind, die Essener Philharmonie beachtlich zu füllen.

von Von Karsten Mark

, 28.05.2008, 16:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gidon Kremer

Gidon Kremer

Und es gab ein abwechslungsreiches Programm, dafür sind nicht nur die Solisten, sondern auch das vor knapp elf Jahren von Kremer gegründete Kammerorchester Kremerata Baltica bekannt.

Der Rahmen war "klassisch": Mozarts d-moll-Klavierkonzert und Schuberts Konzertstücke für Violine und Orchester, frühe Werke mit spürbarer Nähe zum Vorbild Mozart.

Auftakt mit Mozart

Der Auftakt mit Mozart gelang insgesamt gut: klanglich feinsinnig, schön phrasiert und von allen Beteiligten aufmerksam zusammengehalten, obwohl die Kremerata ganz ohne Dirigat agierte. Einen Wermutstropfen bildete der Schlusssatz, in dem Oleg Maisenberg merklich aus dem Konzept geriet und zu seiner ursprünglichen Souveränität nicht mehr zurückkehrte.

Beim "Valse Boston", einer Komposition des Georgiers Gija Kancheli, standen Kremer und Maisenberg zum einzigen Mal gemeinsam auf der Bühne. Sie hatten auch 2000 die Uraufführung mit der Kremerata bestritten.

Gespannte Aufmerksamkeit

Kanchelis Werk ist zeitgenössische Musik der leicht verdaulichen, aber durchaus interessanten und keineswegs leicht spielbaren Sorte. Indes ist dieser fragile, traumartig entrückte Nachhall eines Walzers mit starken Dynamikkontrasten und wirkungsvollen harmonischen Schärfungen überlang geraten. Trotzdem schufen die Musiker eine gespannte Aufmerksamkeit bis zum Ende.

Unbeschwerter Ausklang

Brittens ironisch gefärbten und unterhaltsame Variationen über ein Thema seines Kompositionslehrers Frank Bridge brachte die Kremerata allein und tadellos über die Bühne, bevor Gidon Kremer mit Schuberts Polonaise und dem Konzertstück für Violine und Orchester eine Kostprobe seiner Virtuosität gab.

Ein leichter, unbeschwerter Ausklang eines gleichsam unterhaltsamen wie interessanten Konzertabends.

 

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