Warren Beatty verzettelt sich total

Im Kino

Seine letzte Regiearbeit "Bulworth" datiert von 1998, im Kino sah man ihn ewig nicht, aber der alte Holzmichel Warren Beatty (80) lebt noch und wartet mit einem neuen Film auf: Die Idee für "Regeln spielen keine Rolle" (ein Liebes-Komödien-Melodram rund um den Milliardär Howard Hughes) trägt Beatty seit den 70ern mit sich herum.

04.05.2017 / Lesedauer: 2 min
Warren Beatty verzettelt sich total

Vielsagende Blicke: Lily Collins spielt Marla Mabrey, Alden Ehrenreich ihren Chauffeur Frank Forbes.Foto: 20th Century Fox

Gut Ding braucht Weile? Mitnichten. Der Film ist lang und langatmig, plätschert in diese und in jene Richtung, entwickelt aber weder als Romanze noch als Drama, Posse oder Biografiestück nennenswertes Feuer.

Er glimmt so vor sich hin, verheizt eine Riege namhafter Darsteller, die in Kleinrollen zu sehen sind: Beattys Frau Annette Bening ist dabei, auch Martin Sheen, Alec Baldwin, Candice Bergen und Matthew Broderick. Die letzten Vier spielen Angestellte des legendär exzentrischen Howard Hughes, den Beatty selber verkörpert.

Menschenscheues Nachtschattengewächs

In Scorseses "Aviator" wurde Hughes als Macher und Kraftkerl porträtiert, bei Beatty ist er schon das menschenscheue, halbirre Nachtschattengewächs der späten Jahre. Sein Personal bekommt "den Boss" nicht zu Gesicht, der Kinogänger wartet eine halbe Stunde, bis Hughes ein abgedunkeltes Zimmer betritt.

Er will eine Schauspielerin aus seinem Talentschuppen sehen: Marla, die Unschuld vom Lande, gespielt von Lily Collins. Marla flirtet mit ihrem Fahrer (Alden Ehrenreich als Frank), macht einen Rückzieher, trifft Howard erneut. Sie merkt, dass es bei ihm drunter und drüber geht und meidet Hughes und sein Chaos.

Was will der Film? Er zeigt schöne Autos, nobles Retro-Dekor, einen alten Kauz und zwei Turteltauben, versucht sich als Chronik und Sittenbild, hat aber keinen Fokus, kein Anliegen, kaum Spannung. Völlig verzettelt.