Warum der nächste Dortmund-Tatort nicht "Dorstfeld" heißt

Interview mit Regisseurin

Der neue Tatort aus Dortmund ist ein Fall mit politischer Brisanz: Das Ermittler-Team hat es mit Neonazis zu tun. Es soll ein atmosphärisch düsterer Film werden. Im Interview erklärt Regisseurin Nicole Weegmann, weshalb sie sich für menschliche Abgründe interessiert - und erklärt den Titel "Hydra".

DORTMUND

von Von Jürgen Overkott

, 22.04.2014, 15:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Grau die Wolken, braun das Stahlwerk, düster die Szene. Es sah so aus, als habe Nicole Weegmann genau auf dieses Wetter für den Dreh der Leichenfund-Szene gewartet. Die Grimme-dekorierte Regisseurin hat den kommenden Dortmunder "Tatort" mit dem Titel "Hydra" inszeniert. Ein Fall mit politischer Brisanz: Kommissar Faber (Jörg Hartmann) und sein Team haben es mit Neonazis zu tun. Die 48-jährige Film-Frau traf sich, bei Bratkartoffeln und Heringstipp, am Rand der gerade beendeten Dreharbeiten mit Jürgen Overkott.

Den Fundort der Leiche. Hier ist der eigentliche Tatort. Hier werden Zeugen befragt. Der Tatort wird untersucht. Die Kommissare begehen ihn noch einmal, um weitere Erkenntnisse über den Tathergang zu gewinnen.

Ja, das macht sicherlich atmosphärisch etwas aus.

Mich interessieren in der Tat die harten Themen. Mich interessieren menschliche Abgründe und starke Konflikte. Das kann man wohl als Gemeinsamkeit sehen bei den drei Filmen.

Die Figuren. Die Psychologie der Figuren, die eine starke Ambivalenz aufzeigen. Schwarz-weiß interessiert mich nicht, mir geht es um die Zwischentöne.

Ja, zumal das Drehbuch hochspannend ist.

Nein.

Ich habe sehr viel Material angeschaut, und ich habe mit einem Vertreter des Verfassungsschutzes gesprochen; er hat das Drehbuch auch auf Richtigkeit und Authenzität hin überprüft. Es ging auch um Aspekte der Rechtsradikalen hier vor Ort; da wurden alle Details recherchiert.

Nein. Das ist mir diesmal nicht gelungen. Da muss ich mich auf dokumentarisches Material verlassen.

Mir ist wichtig, Authentizität zu zeigen, sehr genau zu sein bei der Milieu-Schilderung. Rechtsradikale treten heute anders auf, als sie man bisher gemeinhin kannte. Die klassischen Skinheads machen nur noch zehn Prozent aus.

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Der Tatort-Dreh auf Phoenix-West

Tatort-Dreh am alten Hochofen. Auf Phoenix-West filmte das Team des Dortmund-Tatorts den fünften Fall - der Krimi wird Hydra heißen.
18.03.2014
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Die Filmcrew macht Mittagspause. Es gibt unter anderem Bratwurst, Backkartoffel mit Quark und Salat.© Foto: Stephan Schütze
Schauspielerin Aylin Tezel (r.) isst zusammen mit Filmpartner Stefan Konarske im Wohnwagen am Set.© Foto: Stephan Schütze
Anderen Crew-Mitgliedern dient ein alter Bus als Speisesaal.© Foto: Stephan Schütze
Peter Fabers Saab unter dem Hochofen. Der Schriftzug HARDCORE wurde eigens für den Tatort auf den Sockel gesprüht.© Foto: Stephan Schütze
Alyn Tezel (Nora Dalay) und Stefan Konarske (Daniel Kossik) bei der Mittagspause.© Foto: Stephan Schütze
Anja Schudt (Martina Bönisch), Aylin Tezel (Nora Dalay) und Stefan Konarske (Daniel Kossik) auf dem Weg zurück zum Set unterm Hochofen. © Foto: Stephan Schütze
Bild vor der Industriekulisse - und am Tatort.© Foto: Stephan Schütze
Posieren für die Fotografen.© Foto: Stephan Schütze
Anna Schudt (Martina Bönisch) und Jörg Hartmann (Peter Faber).© Foto: Stephan Schütze
Die Beziehung von Daniel Kossik (Stefan Konarske) und Nora Dalay (Aylin Tezel) bekommt eine neue Farbe.© Foto: Stephan Schütze
Posieren für die Fotografen.© Foto: Stephan Schütze
Mit der hellen Platte wird für die Fotos das Restlicht eingefangen.© Foto: Stephan Schütze
Das Ermittlerteam zusammen mit Kommissar Krüger (Robert Schupp). Er kam schon in der vierten Folge vor, hat den Callboy von Martina Bönisch verhört.© Foto: Stephan Schütze
Kurz vor der Fortsetzung der Dreharbeiten: Jörg Hartmann mit Anna Schudt.© Foto: Stephan Schütze
Jörg Hartmann und Anna Schudt.© Foto: Stephan Schütze
Aylin Tezel (Nora Dalay): Am Ende der vierten Folge war offen geblieben, ob sie das Kind von Daniel Kossik (Stefan Konarske) tatsächlich abtreiben lässt. In der fünften Folge sieht sie nicht schwanger aus . . .© Foto: Stephan Schütze

Viele andere Rechtextreme kann man (optisch, Red.) kaum noch unterscheiden von Linksradikalen, von Autonomen. Mir ist auch wichtig, die Allgegenwärtigkeit der Szene und ihres Gedankengutes zu zeigen. Es gibt eine große Schnittmenge zu Teilen der übrigen Gesellschaft.

Wir haben bei den beiden eine Geschichte, die aus der vorhergehenden Folge fortgeführt wird: nämlich die Trennung. Obendrein ist die jüngere Kommissarin türkischer Abstammung, und deshalb hat sich die Verknüpfung in vielerlei Hinsicht angeboten. Dass die Beziehungen der Kommissare sich von Folge zu Folge, jenseits der eigentlichen Krimi-Handlungen, verändern, ist das Hochinteressante am Dortmunder "Tatort".

Ich habe in Dortmund schon einmal einen Film gedreht: "Rabenkinder". Das war vor zehn Jahren. Mit dem Film habe ich mein Debüt als Regisseurin gegeben. Ich habe damals lange Zeit nach Motiven gesucht, und deshalb habe ich mir die Stadt sehr genau angesehen.

Und außerdem hatte ich mal einen Freund aus Dortmund. Insofern kenne ich die Stadt ganz gut.

Das war ein Arbeitstitel. Wir haben ihn geändert, weil man überregional mit dem Titel "Dorstfeld" nichts anfangen kann. Der Titel hätte eher einen regionalen Bezug gehabt und hätte außerhalb der Stadt eher für Irritationen gesorgt.

Ach, nein. Nicht wirklich. Aber: Es gibt auch kein Happy-Ending. Der "Tatort" spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung und wirft Fragen auf, mit denen sich die Verantwortlichen auseinander setzen sollten.

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