Warum die Traditionsgaststätte Haus Windau schließt

Provinzial-Straße

Die Traditionsgaststätte Haus Windau an der Provinzial-Straße macht Ende Mai dicht. Grund ist das Alter des Wirtes: Willi Böhmer ist 69 Jahre alt. Für den Zeitpunkt der Schließung hat er allerdings eine besondere Erklärung.

BÖVINGHAUSEN

, 13.01.2017, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele schöne Erinnerungen verbindet Willi Böhmer mit dem Tresen in Haus Windau.

Viele schöne Erinnerungen verbindet Willi Böhmer mit dem Tresen in Haus Windau.

Wilhelm „Willi“ Böhmer (69) hat einen Lieblingsspruch: „Ich habe 50 Jahre Thekenerfahrung – 30 Jahre davor, 20 Jahre dahinter.“ Mittlerweile hat er 22 Jahre Erfahrung hinter der Theke. Aber es wird kein weiteres Jahr dazu kommen. Der Wirt der Gaststätte „Haus Windau“ hört auf.

Das Rentenalter hat Willi Böhmer längst erreicht, der Spaß an seiner Arbeit hat ihn aber immer vom Aufhören abgehalten. Doch sein Geschäft wird immer schwieriger. „Eine Kneipe ist kein Zuckerschlecken“, so der Gastwirt. Soll heißen, Geld verdienen ist nicht leicht in der Branche. Bei großen Ereignissen, Familienfeiern, Vereinstreffen oder Fußballübertragungen freut er sich immer noch über ein volles Haus.

Gespräche am Tresen

Doch was seine Kneipe braucht, sind die Stammkunden, die Gäste, die auf einen Frühschoppen reinkommen, Tag für Tag, die Menschen, mit denen er seine geliebten Tresengespräche führen kann. Und die werden immer weniger.

Deshalb ist im Mai Schluss. Warum im Mai? Weil dann die Bundesliga-Saison zu Ende geht. Die Spiele dieser Saison will Böhmer seinen Gästen noch zeigen. Wenn alles gut läuft, verlängert er sogar noch bis zum 3. Juni, dann ist das Champion-League-Finale, das letzte Spiel vor der Sommerpause. „Ich mache aber nur auf, wenn der BVB ins Endspiel kommt.“

Kneipenbesuche gehörten immer zu seinem Leben. „Ich konnte mir aber nie vorstellen, selber zu zapfen“, so Böhmer. Doch dann ergaben sich „Sachzwänge“ wie er es heute nennt. Jahrelang hatte Böhmer einen Tapetenfachhandel in Bövinghausen, „aber die Baumärkte haben das Geschäft kaputt gemacht“. Als er sich entschloss, sein Geschäft aufzugeben, hatte er bereits ein Alter, mit dem er sich dem Arbeitsmarkt nicht mehr stellen wollte.

Unter seiner Führung zweimal abgestiegen

So besann er sich der einfachen Tatsache, dass er in Bövinghausen ein bekannter Mann war, auch wenn der TuS Bövinghausen in seiner Zeit als Vorsitzender zweimal absteigen musste. Außerdem hatte er jahrelang die „Beats unterm Förderturm“ auf der Zeche Zollern organisiert und hatte Beziehungen zur Musik-Szene. Auf Basis dieser

Überlegungen wurde er Wirt im Haus Windau und entdeckte, dass ihm der Rollentausch hinter die Theke gefiel. 22 Jahre lang half ihm seine Ehefrau Christiane (63), die Kneipe am Laufen zu halten. Im Laufe der Zeit wurde er ein „Wirt mit Leib und Seele“. Haus Windau wurde unter Böhmers Leitung bekannt für seine Oldie-Partys.

Eine dieser Oldie-Partys wird es bis zum Ende noch geben. Doch weder Band noch Termin stehen fest.  Und was macht Willi Böhmer in seinem Ruhestand? Da gibt es keine konkreten Pläne. „Weiß nicht, vielleicht Spazieren gehen.“