Warum ein Emsdettener rückwärts Marathon läuft

Rekordhalter im Interview

Markus Jürgens liebt Extreme. Beim Hannover-Marathon lief der Mann aus Emsdetten vergangenes Wochenende eine neue Bestzeit von 03:38:27 Stunden - alles rückwärts. Wie er auf die Idee kam, rückwärts zu joggen, und wie er es schafft, sich nicht zu verlaufen, erzählt er im Interview.

EMSDETTEN

11.04.2017, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rückwärts voran: Markus Jürgens stellte beim Hannover-Marathon am vergangenen Sonntag mit einem neuen inoffiziellen Weltrekord von 03:38:27 Stunden seinen Mentor Achim Aretz in den Schatten - im Rückwärtslauf. Nach nur drei Monaten Training hatte er sich 2014 schon gegen 120 Teilnehmer als inoffizieller Weltmeister im Halbmarathon durchgesetzt. Der 29-Jährige aus Emsdetten im Münsterland liebt Extremes, erzählt er im Interview.

Was macht den Reiz aus, einen Marathon rückwärts zu laufen?

Man nimmt ganz andere Dinge wahr, alles ist viel intensiver. Ich selbst habe Achim Aretz, mein Vorbild im Rückwärtslaufen, früher auch deswegen belächelt; aber mittlerweile sehe ich das anders. Es macht großen Spaß. Man schaut beim Laufen in die Gesichter der Mitläufer und sieht sehr deutlich, was sie empfinden.

Wie erkennt man als „Rückwärtsläufer“ den Streckenverlauf?

Ich orientiere mich meist an der Straße und kann an den Bordsteinen erkennen, wann eine Kurve kommt. Man sieht aber auch die Bewegungen der anderen Läufer, denen ich beim Rennen ja ins Gesicht schaue. Beim Hannover Marathon hatte ich zudem eine Begleitläuferin, die lief vorwärts und hat mir Signale gegeben. Zudem ist aber auch beim Rückwärtslaufen das Gehör geschärfter: Man kann auch am Klatschen der Zuschauer den Straßenverlauf erahnen.

Unfälle beim Rückwärtslaufen blieben bisher also aus?

Nein, ich bin beispielsweise mal gegen einen Laternenpfahl geprallt. Der stand mitten auf dem Pflaster. Warum ausgerechnet an dieser Stelle, hat sich mir nicht so richtig erschlossen. Es ist aber nicht viel passiert dabei.

Laufen Sie nur rückwärts?

Nein, das war jetzt in Hannover mein 36. Marathon. Die laufe ich aber meist vorwärts. Nur drei davon bin ich rückwärts gelaufen.

Wie reagiert ihr Umfeld auf Ihre ungewöhnliche Lauftechnik?

Meine Eltern fanden es erst komisch, sind jetzt aber stolz. Das Laufen liegt eh in der Familie: Meine Eltern laufen, und meine beiden Geschwister ebenfalls. Die laufen alle nur vorwärts - ich habe sie noch nicht überzeugen können, es auch mal rückwärts zu versuchen.

Markus Jürgens kommt aus der Stadt Emsdetten im Kreis Steinfurt. Der 29-Jährige ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und begeistert sich für Extrem-Sportarten. Sie nutzen ihm auch beruflich: Er ist an der Universität im Arbeitsbereich Bildung und Unterricht im Sport tätig. 

von dpa

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