Warum man Urbanatix gesehen haben muss

Show in der Jahrhunderthalle

Elektrisierend, witzig, atemberaubend, fett. Urbanatix Nummer sechs läuft seit diesem Wochenende in der Bochumer Jahrhunderthalle. Street-Art (Straßenkunst) trifft auf hochklassige Akrobatik- und Varietéeinlagen. Dazu fette Beats – aus der Box oder der „Human Beatbox“. Fünf Gründe, warum Sie diese Show nicht verpassen sollten.

BOCHUM

, 14.11.2015, 23:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist der Tag nach den dramatischen Terroranschlägen in Paris. Der Wasserturm der Jahrhunderthalle leuchtet in den Farben der französischen Flagge. Das blau-weiß-rote Licht scheint durch das Glasdach der Halle. Auf der Bühne eine Kerze. Das mehr als 50 Personen umfassende Ensemble tritt schweigend ins Scheinwerferlicht. Der Applaus ebbt schnell wieder ab. Ein kurzer Moment der Ruhe. „Urbantix steht für ein kulturelles Miteinander“, sagt Christian Eggert, Mastermind und Regisseur der Show. Künstler und Jugendliche verschiedenster Nationen, unterschiedlichster Religionen seien hier vereint. Darum darf – nein muss – diese Show stattfinden. Und wie passend ist da das Motto: Wann, wenn nicht jetzt. Wo wenn nicht hier. Wie, wenn ohne Liebe. Wer, wenn nicht wir (Rio Reiser). 

Darum sollte Sie diese Show sehen

1. Urbanatix ist schnell. Gut 100 Minuten ist auf der Bühne ständig Bewegung – oft an mehreren Ecken gleichzeitig. Dort fliegen die Jungs mittels Trampolin scheinbar schwerelos die Wände hinauf, drüben fliegen die BMXler mit ihren Rädern durch die Halfpipe. Mit viel Köperspannung stemmen sich die Tricker über die Bühne, begleitet vom Breakdance und Vogue-Tanz. Auf dem Treeterboard, einer Art Wippe, schleudern sich Anton Graff und Einar Kling-Odencrants aus Schweden gegenseitig in die Höhe – wie sie es dieses Jahr auch schon bei der RTL-Show Supertalent gezeigt haben. Genug fürs Auge und zum Atem anhalten.

2. Urbanatix ist hochklassig. Christian Eggert hat ein Händchen dafür, internationale Top-Akrobaten zu gewinnen. Sie kommen aus Uruquay, Kolumbien, Kanada, Frankreich, der Schweiz, Deutschland und eben Schweden. Sie haben alle zahlreiche Preise abgeräumt. Und sie sorgen für die Gänsehaut-Momente bei Urbanatix. Das mittelamerikanische „Kiebre Duo“ mit seiner Nummer an den Seilen. Fesselnd. Innig. Gefährlich. Welches Vertrauen müssen die beiden Artisten Oscar Mauicio Rojas Guascan und Soledad Gomesz Acevedo ineinander haben, um sich hoch über der Bühne ganz vom anderen halten zu lassen – teils nur mit den Zähnen. Wenn Rémi Martin und Mario Espanol am „Double Pole“ sich erst Zentimeter über dem Boden auffangen, ist das bei Urbantix zwar nichts gänzliche Neues, doch immer aufs Neue atemberaubend. Fazit: Urbanatix strotzt nur so vor erstklassiger Akrobatik. 

Robeat ist Lachgarant

3. Urbanatix ist laut. Die Show kann es mit einem guten Hip-Hop-Konzert aufnehmen. Die Musik ist modern und jung. Und sie passt perfekt zur Show. Der Drummer spielt live. Manches kommt vom Band. Vieles aus dem Mund der drei „Human Beatbox“, die mit Mikrofon, Lippen und Zunge eine Geräusch- und Beatvielfalt hervorzaubern. Zwischendurch ist es die Musik, die für ruhigere Momente in der Show sorgt und vor Reizüberflutung schützt. Der Mix zwischen laut und leiser, schnell und langsamer passt.

4. Urbanatix ist witzig. Daran hat Robeat einen großen Anteil. Zusammen mit den Urbantix-eigenen Vocal-Percussionisten Carlos Howard und Philipp aus dem Spiepen sorgt Robeat für fette Sounds. Zudem ist der Beatboxer aus Stuttgart seine eigene Band und es gibt scheinbar kein Geräusch, das er nicht aus sich rauskitzeln kann. In Kombination mit den Artisten und Trickern ist das mehr als komisch. Die sechste Show von Urbanatix ist zugleich die bisher amüsanteste. 

5. Urbanatix ist eine Einheit. Das einst als von Kulturhauptstadt Ruhr2010 abgelehnt und dann – nach ersten Erfolgen - doch nachnominierte Projekt „Urbanatix“ ist über die Jahre gewachsen und stetig reifer geworden. Die ursprünglich noch sehr klaren Grenzen zwischen Profi-Artisten und Street-Artisten aus dem Ruhrgebiet haben sich fast gänzlich aufgelöst. In dieser Show rücken Profis und Nachwuchs noch enger zusammen. Gut so. Die Show wird so noch kurzweiliger.

Noch Fragen? Hier die Antworten.

Urbanatix „NOW!“ (so der Titel der Show) läuft noch bis zum 24. November in der Bochumer Jahrhunderthalle. Täglich, teilweise zwei Mal am Tag. Dienstag beginnen die Vorstellungen familienfreundlich bereits um 18 Uhr. Am Wochenende gibt es zudem frühere Shows. Alle Termine und Tickets finden Sie auf der Seite www.urbanatix.de