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Was damals vor der eigenen Haustür geschah

APLERBECK Einem wie Wolfgang Noczynski kann man so schnell nichts vormachen - schon gar nicht, wenn es um das Thema Juden in Aplerbeck und den Nationalsozialismus geht. Der 79-Jährige ist noch einer der wenigen Zeitzeugen. Einer, der aus den Verbrechen Nazideutschlands seine Lehre gezogen und sich mit dem Thema Judenverfolgung auseinander gesetzt hat. In Aplerbeck, sozusagen vor der eigene Haustür.

von Von Jörg Bauerfeld

, 14.11.2007
Was damals vor der eigenen Haustür geschah

Wolfgang Noczynski im Kreise der Schüler. Die waren beeindruckt vom etwas anderen Geschichtsunterricht.

Gestern war Wolfgang Noczynski zu Gast in der Albrecht-Dürer-Realschule. Mit zahlreichen schwarz-weiß Fotos, Original-Schriftstücken und einer Abschrift der Nürnberger Gesetze bepackt, ging es für zwei Schulstunden in die Klasse 10 e.

Geschichtsunterricht zum Anfassen. Und er konfrontierte die Schüler mit Ereignissen, die an bekannten Orten im Stadtbezirk geschehen sind - gab der Geschichte ein Gesicht. Wie die jüdische Schneiderei an der Köln-Berliner-Straße, die plötzlich nichts mehr verkaufen durfte. Oder die Metzgerei Löwenstein an der Märtmannstraße. "Den Besitzer, den Walter, den kannte jeder", erzählte Noczynski. Und dann haben sie ihn doch abgeholt, zur Zwangsarbeit: Steinelegen am Stoppelmannsweg.Die Schüler lauschten andächtig. Märtmannstraße, Stoppelmannsweg? Das kennt man doch.

Schlucken mussten viele, als der Mitbegründer des Aplerbecker Geschichtsvereins mit alten Bilddokumenten belegte, wie 1941 ein jüdisches Gemeindemitglied mit Musikbegleitung aus dem Ort geschafft wurde. "Auszug der Juden aus Aplerbeck" war auf dem Wagen zu lesen. "Es ist ziemlich heftig, wenn man sich vorstellt, dass man täglich an Orten vorbeifährst und man vorher gar nicht wusste, was hier alles passiert ist", sagte Frederik (16), und Ana (16) fand "es unvorstellbar, dass sich so etwas vor der eigenen Haustür abgespielt hat."

  • 1815 gab es in Aplerbeck lediglich einen jüdischen Mitbürger. 1933 waren es über 130. Davon wurde die Hälfte von den Nazis ermordet.
  • An der Albrecht-Dürer-Realschule gibt es seit zwei Jahren ein Wahlpflichtfach, das sich mit dem jüdischen Leben in Deutschland auseinandersetzt.