Was langsame PCs wieder aufmöbelt

Computer

Wenn der Computer mit den Jahren immer langsamer wird, wollen Nutzerinnen und Nutzer vor allem eines: Die alte Leistungsfähigkeit zurück. Zum Glück gibt es Tricks und Kniffe.

München/Stuttgart

von Elisabeth Winkler

, 19.09.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Immer anspruchsvollere Programme: Die können den Rechner irgendwann in die Knie zwingen, wenn man nichts unternimmt.

Immer anspruchsvollere Programme: Die können den Rechner irgendwann in die Knie zwingen, wenn man nichts unternimmt. © Christin Klose/dpa-tmn/Illustration

Das Hochfahren dauert ewig, beim Laden der Programme wird man alt und grau. Zeit für einen Griff in die Trickkiste, um den Rechner wieder flott zu machen.

Tatsächlich wird mit den Jahren meist nicht der Computer selbst langsamer. Laut Jörg Geiger vom Computermagazin „Chip“ sind es Programme und Dienste, die mit der Zeit mehr Leistung fordern. Und den Rechner irgendwann in die Knie zwingen.

Gestiegene Anforderungen

Das liegt daran, dass Software und Dienste immer für aktuelle Hardware entwickelt werden: „Hat man dann ein älteres System, denkt man, der PC ist langsamer, dabei sind nur die Anforderungen gewachsen“, erklärt der Informatiker. Mit dem Effekt aber, dass Rechenprozesse tatsächlich länger dauern.

Oft sind daran auch vergessene Programme Schuld, die nie deinstalliert wurden. Diese beanspruchen Speicherplatz und damit Rechenleistung, erklärt Jörg Hähnle. Der Windows-Sachbuchautor und Betreiber von „Paules-PC-Forum.de“ weist auf ein weiteres Problem hin: „Viele Anwendungen nisten sich im Autostart des Betriebssystems ein und führen damit zu langen Startzeiten des Systems“.

Auf Unnötiges verzichten

Als ersten Schritt empfehlen die Experten, unnötige Programme zu deinstallieren. Die entsprechende Option findet sich unter „Windows-Einstellungen - Apps - Apps & Features“. Laut Redakteur Geiger sollten immer etwa 20 Prozent des Speicherplatzes auf dem Massenspeicher frei bleiben.

Sachbuchautor Hähnle rät darüber hinaus mittels Task-Manager zu kontrollieren, welche Programme beim Systemstart mitgestartet werden. Dort kann man in der Spalte „Startauswirkungen“ einsehen, wie sehr einzelne Anwendungen den PC-Start verlangsamen.

Defragmentieren nicht immer sinnvoll

Als Allheilmittel wird oft das Defragmentieren empfohlen. Dabei werden zerstückelt gespeicherte Daten umsortiert und so angeordnet, dass sie sich wieder schneller lesen lassen. Ob Defragmentieren sinnvoll ist, hänge aber vom Typ des Massenspeichers ab, warnt Sebastian Klöß vom IT-Branchenverband Bitkom.

Bei älteren Festplatten, den HDDs, sei das Zusammenfügen von Dateifragmenten aufgrund ihrer Funktionsweise hilfreich. Klöß erklärt, warum: „Ist eine Datei sehr zerstückelt gespeichert, muss sich die Festplatte häufiger drehen, und das kostet natürlich Zeit.“

Bei den heute üblichen SSDs dagegen sei das Verfahren eher schädlich, denn diese funktionieren nicht mechanisch, und ihre Speicherzellen haben nur eine bestimmte Lebensdauer. Durch ständiges Umorganisieren würde man diese verkürzen, so Klöß.

Windows 10 hat zudem eine standardmäßig aktivierte Optimierung für SSDs. In der Systemsteuerung unter dem Punkt „Speicher“ gibt es den Befehl „Laufwerke optimieren“: „Dort sieht man, welcher Speichertyp verbaut ist, wann zuletzt analysiert wurde und wie der aktuelle Status ist“, sagt Klöß. Verbraucher mit SSD können und sollten sich manuelles Defragmentieren also sparen.

Finger weg von der Registry

An der sogenannten Registry sollte man nur schrauben, wenn man sich wirklich damit auskennt. Es passiere schnell, dem System durch Löschen weiterhin benötigter Einträge zu schaden, sagt Jörg Hähnle.

Der Windows-Experte vergleicht die Registry mit einem Apothekerschrank voller Informationsschubladen. „Benötigt Windows einige dieser Infos, werden gezielt die Passenden geöffnet. Schubladen mit veralteten oder unnötigen Inhalten, werden vom System einfach nicht beachtet“. Doch braucht es Know-how, das als User einzuschätzen.

Die Arbeit könnte man Registry Cleanern überlassen, die Jörg Geiger von „Chip“ aber für weniger sinnvoll hält als Drittanbieter-Programme mit weiteren Cleaning-Funktionen. Beim Virenschutz setzt Experte Klöß dagegen auf Windows-Bordmittel: „Der Defender ist gut ins System integriert und bietet bereits verlässlichen Schutz bei niedriger Systemlast.“ Antiviren-Programme von Drittanbietern dagegen können viel Speicherplatz beanspruchen.

Geheimtipp: Staubwischen

Damit ein Windows-PC dauerhaft flüssig läuft, braucht es vor allem eines: regelmäßige Pflege. Dazu gehört, unnötige Programme zu deinstallieren, den Autostart zu bereinigen und Systemchecks zu machen. Auch den PC zu entstauben, könne hilfreich sein. Überhitzt das System, weil Lüftungsschlitze sich zusetzen, wird die Leistung gedrosselt, erklärt Klöß.

Wer noch eine Festplatte nutzt, sollte diese gegen eine SSD tauschen. Das bringt laut Geiger einen deutlichen Leistungszuwachs. Der durchschnittliche Nutzer könne sich für seine Systempflege dann auf die Windows-Boardmittel verlassen, auch weil Windows 10 und 11 bereits sehr gut optimiert seien. „Und diesen einen Geheimtipp, der den zehn Jahre alten PC zur Rennsemmel macht, gibt es eh nicht.“

dpa

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