Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky

Immer, wenn Selma nachts von einem Okapi träumt, stirbt in ihrem Dorf innerhalb von 24 Stunden ein Mensch. Diese Grundidee, die sich verrückt und auch etwas erzwungen kurios liest, entwickelt Mariana Leky zu einem absolut lesenswerten Roman über das Leben, die Liebe und den Tod.

06.10.2017, 13:04 Uhr / Lesedauer: 1 min

Aus der Sicht von Selmas Enkelin Luise erfährt man, welche ungewöhnlichen Geheimnisse, skurrilen Rituale und absurden Marotten die Dorfbewohner umtreiben. Da ist der Optiker, dessen Namen Mariana Leky nicht nennt: Er ist seit Jahrzehnten in Selma verliebt, ohne es ihr zu sagen. Immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, steigt für ihn der Druck, sich doch zu offenbaren.

Oder Elsbeth, die zu jeder Lebenslage einen Aberglauben parat hat – auch im Angesicht des Todes. Oder Marlies, die immer schlechte Laune hat, die man aber einfach ins Herz schließen muss. Und das gilt für alle Charaktere, die Leky sprachlich grandios zum Leben erweckt.

Das skurrile Porträt der Dorfgemeinschaft lässt einen nicht mehr los. Ein kluger Roman, bei dem man lachen und weinen kann.

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, 320 S., Dumont, 20 Euro, ISBN 978-3-8321-9839-8.