Was Max Giesinger mit dem BVB verbindet

Pop-Sänger im FZW

Er ist vor zwei Wochen im Westfalenpark aufgetreten, er liebt den BVB und jetzt kommt er ins FZW: Max Giesinger spielt am Dienstag (27.9.) mit seiner Band in Dortmund. Im Interview verrät der Musiker, warum die TV-Show "The Voice" für seine Karriere ein wichtiger Schritt war.

DORTMUND

, 26.09.2016, 00:46 Uhr / Lesedauer: 5 min
Max Giesinger.

Max Giesinger.

Sie waren erst vor knapp zwei Wochen in Dortmund – mit Rea Garvey im Westfalenpark. Wie hat es Ihnen gefallen?

Es war fantastisch. Mit eines unserer geilsten Konzerte dieses Jahr. Die Leute waren unfassbar am Start – und das weiß man ja nie, wenn man Vorgruppe ist. Die Stimmung war großartig. Ich bin sehr dankbar, dass Rae Garvey mich mitgenommen hat.

Und jetzt kommen Sie alleine noch einmal nach Dortmund. Warum sollte man zu Ihrem Solokonzert kommen?

Wir spielen die zweite Platte und Perlen vom ersten Album. Wir versuchen gerade, das noch ein paar Prozentchen knackiger hinzubekommen. Noch überraschender von den Arrangements. Ich und meine Jungs (die Band, Anm. d. Red.) sind jetzt schon seit fünf Jahren auf Tour und es macht echt Spaß. Ich glaube, da können die Leute ihren Abend gut verbringen. Also viel Humor, Spielfreude und Action sind angesagt.

Zu Dortmund haben Sie ohnehin eine Verbindung: Sie sind BVB-Fan, richtig?

Das ist korrekt. Es ist für mich schwierig, ins Stadion zu gehen, weil ich ja auch weiter weg wohne. Aber ich bin schon Fan. Deswegen ist es für mich auch so etwas Besonderes, hier in Dortmund zu spielen. Das Konzert hat eine doppelte Bedeutung für mich. Ich freue mich eh schon, weil ich ja jetzt weiß, wie die Leute auf den Konzerten ticken. Und dann bin ich auch noch Fußballfan. Vielleicht kommt ja ein Spieler vorbei? Das wäre natürlich geil.

Waren Sie denn schon mal im Signal Iduna Park?

Nein, war ich noch nicht. Das ist ein bisschen peinlich. Ich bin ein Fern-Fan. Ich beobachte das ganze von außen – und jubel zu.

Spielen Sie denn hier, in der selbsternannten Fußballhauptstadt Ihre Fußballhymne?

Das ist der Plan. Ich weiß noch nicht, ob ich die EM-Version spiele. Aber auf „80 Millionen“ kann sich jeder gefasst machen.

Mögen Sie eine der Versionen lieber?

Das hängt von der Zeit ab. Während der EM war es voll geil, die Fußballversion zu spielen. Aber ich mag auch die Ursprungsversion total. Die hat ja alles erst ermöglicht.

In dem Song geht es um Zufälle. Glauben Sie ans Schicksal?

Wenn ich mir mal so die letzten sechs, sieben Jahre in meinem Leben anschaue und überlege, wie und wann ich mich für was entschieden habe und was sich nicht ergeben hätte, wenn ich die ein oder andere kleine Abzweigung nicht genommen hätte, dann bin ich echt drauf und dran, ans Schicksal zu glauben. Es gab Phasen, da lief es echt nicht gut, aber ich bin immer dran geblieben. Und wenn ich schaue, wie dieser Song entstanden ist: Wäre ich an dem Tag nicht nach Berlin gefahren, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen.

Wie ist der Song denn entstanden?

Ich saß in Berlin im Studio und hab mir überlegt, was ich noch so schreiben könnte, denn ich hatte schon 35 Lieder. Ich wollte einen Song schreiben, der das Thema Liebe nicht so 08/15 aufgreift. Sondern mal über die Ecken: Was wäre eigentlich passiert, wenn das und das nicht gekommen wäre? Was ist das eigentlich für ein Zufall, dass wir beide uns gefunden haben? Hätte ich mich einen Monat vorher entschieden, keine Songs mehr zu schreiben, dann wäre das alles nicht so gekommen.

Im Video zum Song ist das Model Stefanie Giesinger, die Gewinnerin der neunten Staffel von Germany’s Next Topmodel, zu sehen. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden?

Viele haben mich darauf angesprochen: Ey Max, ist das deine Schwester oder deinen Cousine? Und ich wusste nie, was sie meinen, weil ich auch kein Fernsehen gucke. Da habe ich sie mir mal bei Instagram angesehen. Und als der Song stand, habe ich mir überlegt, wer die perfekte Hauptrolle spielen könnte. Und da fand ich es einfach witzig, dass der Song über die Zufälle des Lebens geht und es ist ja auch ein Riesen-Zufall, dass wir beide in der Öffentlichkeit stehen und den gleichen Nachnamen haben. Und da habe ich sie einfach gefragt – und sie hat direkt zugesagt.

Sie haben 2011 bei The Voice of Germany mitgemacht. Würden Sie das noch mal machen?

Ja. es ist ja alles gut geworden. Man sagt oft, eine Castingshow hängt einem lange nach und man hört nie wieder etwas von den Leuten. Aber ich hab’ da nicht dran geglaubt an diesen Fluch. Ich hab’ mitgemacht, das war eine gute Erfahrung, aber auch nicht so, dass mir die Plattenfirmen danach die Tür eingerannt haben. Ich bin einfach kurz über die TV-Bühne gesprungen, habe ein paar mehr Leute kennengelernt. Aber ich wusste, dass es einfach darum geht, gute Songs zu schreiben und sich als Musiker zu etablieren. Deswegen war es mir wichtig, direkt auf Tour zu gehen und die Leute live abzuholen, sodass sie wissen, dass wirklich etwas dahintersteckt. Das hat ja auch vier, fünf Jahre gedauert, bis es richtig angezogen ist.

Aber The Voice hat Ihnen etwas gebracht?

Ich konnte viel lernen, was den Umgang mit Medien betrifft. Das war spannend und lehrreich.

Was muss man denn heute mitbringen, um als Musiker erfolgreich zu sein?

In erster Linie gute Songs. Das ist das Grundfundament. Wenn du gute Lieder hast, dann kannst du Leute davon überzeugen, mit dir zu arbeiten. Wenn man etwas zu sagen hat, dann packt man die Leute auch. Und dann braucht man Ausdauer. Erfolgreich zu werden geht nicht in einem Jahr, das kann auch gut und gerne ein Jahrzehnt dauern. Und: Auch wenn man Erfolg hat, muss man dankbar und nett bleiben. Musiker zu sein ist ein Job wie jeder andere auch.

Sie waren in Australien und Neuseeland als Straßenmusiker unterwegs. Was haben Sie von dort mitgenommen?

Ich hab gelernt, nur mit meiner Gitarre und meiner Stimme zu überzeugen. Niemand kennt dich. Man muss die richtigen Songs wählen. Was muss ich sagen, damit die Leute stehen bleiben? Ich habe gelernt, wie ich die Leute abhole.

Wann haben Sie gemerkt, dass Musiker zu werden für Sie der einzige Weg ist?

Das war schon so mit 13, 14, als sich immer mehr herauskristallisiert hat, dass ich wenig andere Talente habe. Die Musik ist mir leicht gefallen. Aber trotzdem hat man sich immer gesagt: Davon wirst du eh nie leben können. Das hat mich ein wenig gebremst. Aber eigentlich gab es nie eine andere Option. Ich wusste, wenn ich das lange genug mache und dran bleibe, dann wird es schon irgendwie funktionieren.

Trotzdem haben Sie eine Ausbildung angefangen?

Ich habe erst nach dem Abi drei Jahre als Musiker gelebt und dann habe ich einen kleinen Abstecher zu einer Bank gemacht. Man kennt das ja, wenn die Eltern sagen: Lern mal was Ordentliches, du musst ja irgendwas in der Hinterhand haben. Ich hab’s genau zwei Wochen ausprobiert und gemerkt: Okay, das funktioniert für mich nicht so. Da werde ich unglücklich mit. Ich brauche meinen Schlaf, ich brauche meine Gitarre. Und dann habe ich die Ausbildung abgebrochen.

Sie sind sich also sicher, dass Sie dauerhaft von der Musik leben können?

Ja, definitiv. Wenn man da keinen tiefen Glauben dran hat, dass es funktioniert, kann man es auch nicht machen. Selbst wenn der Erfolg irgendwann wieder abebbt, kann man immer davon leben. Ob man Songs für andere Leute schreibt oder kleinere Konzerte gibt. Wenn man Freude an der Musik hat, erfreuen sich auch immer andere daran – und dann wird das auch funktionieren.

Ihr erstes Album haben Sie mit Crowdfunding finanziert und nicht von einem Label. Wieso haben Sie diesen Weg gewählt?

Ich hab versucht, Plattenfirmen zu finden. Aber die hatten schlichtweg keine Lust dadrauf, sie haben nicht dran geglaubt. Also habe ich einen anderen Weg gesucht und gedacht: Hauste mal deine Fans an. Sie haben natürlich etwas zurückbekommen in Form von Wohnzimmerkonzerten und anderen schönen Dingen. Aber das war für mich der Punkt, wo ich wusste: Es gibt Leute, die auf deine Musik abgehen und denen sie etwas bedeutet. Diese Bestätigung war ganz wichtig für mich. Und ab da ging es immer bergauf.

Ihre Fans haben Sie also nicht im Stich gelassen.

Nee, haben sie nicht. Da bin ich sehr stolz drauf. Wenn ich die Fans nicht gehabt hätte, wäre alles ganz anders gekommen. Dann hätte ich die Platte nicht gemacht, die Erfahrungen nicht gesammelt, hätte viele Dinge nicht gelernt.

Also wieder Schicksal.

Wahrscheinlich. Ja.

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