Was wäre aus Abraham ohne seine „Hagar“ geworden?

Bochumer Kammerspiele

Vom Stammvater Abraham hat jeder schon einmal gehört, der auch nur ansatzweise christlich, jüdisch oder muslimisch erzogen wurde. Auf ihn führen alle drei Religionen ihren Ursprung zurück. Die Mutter seines Erstgeborenen, Hagar, kennt hingegen kaum jemand. Das "kainkollektiv" widmet ihr nun eine "Globe Opera Performance" in den Bochumer Kammerspielen.

BOCHUM

, 30.06.2017, 15:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Was wäre aus Abraham ohne seine „Hagar“ geworden?

Während ihrer "Hagar"-Performance: (v.l.) Kerstin Pohle, Kristina Peters, Edith Voges Nana Tchuinang und Simin Soraya; im Video: (v.l.) Florian Lauss und David Guy Kono

Dabei wäre ohne Hagar, zu Deutsch: "die Fremde", Abraham niemals Vater geworden. 

Eine echte Oper ist diese Performance nicht, aber sie bietet doch wesentlich mehr davon, als eine Schauspielproduktion vermuten ließe. Sopranistin Kerstin Pohle und Countertenor Florian Lauss streuen in die Handlung barocke Opernduette und -arien auf beachtlichem Niveau ein.

Vier Chöre sind an der Aufführung beteiligt

Ohnehin spielt der Gesang eine große Rolle: Vier Chöre aus Bochum und Essen, davon ein Kinder- und ein jüdischer Sakralchor, sowie ein Muezzin sind an der Aufführung beteiligt, begleitet von einem Streichquartett und sowie Gitarre und Elektronik.

Inhaltlich macht sich das neunköpfige Schauspielensemble daran, dem Nomaden Abraham in seiner mesopotamischen Heimat nachzuspüren - heute eine Krisen- oder Kriegsregion.

Performance bietet spannende Szenencollage

So wird der Bezug zu aktuellen Flüchtlingen hergestellt. Denn auch Hagar wurde zur Vertriebenen, nachdem Abrahams Frau Sarah doch noch in hohem Alter einen eigenen Sohn gebar und Hagar mit deren Sohn Ismael im Wortsinn in die Wüste schicken ließ.

Die Performance bietet eine spannende Szenencollage zum Thema mit einzelnen durchaus differenzierten Betrachtungen. Sie mündet allerdings in eine dann doch überraschend simple "No Border"-Botschaft: "Wir sind jetzt alle da, die gesamte Familie. Abraham, schickst du sie fort?" Das ist an überzogenem Pathos und Naivität schwer zu überbieten. Schade.

Nur noch einmal am 2.7., Karten unter Tel. (0234)3333 55 55.