Wasserwand für die Bombe

Entschärfung im Schlosspark

Zwei Fünf-Zentner-Bomben sollten am Mittwochmorgen im Schlosspark entschärft werden, beinahe ein Routine-Einsatz für Polizei, Feuerwehr und Anwohner. Doch es kam anders. Die Chronologie eines mehr als ungewöhnlichen Kampfmittelräumeinsatzes.

BOCHUM

von Von Stefanie Platthaus

, 11.04.2012, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf 350 bis 500 Meter um den Bombenfundort im Bochumer  Schlosspark wurde der Evakuierungsradius erweitert.

Auf 350 bis 500 Meter um den Bombenfundort im Bochumer Schlosspark wurde der Evakuierungsradius erweitert.

Die zweite Bombe ist zusätzlich mit einem gefährlichen Säure-Langzeitzünder ausgestattet. Das erhöht das Risiko und der Evakuierungskreis muss erweitert werden.

Die Feuerwehr Bochum hat mit einer mobilen Einsatzleitstelle auf dem Bogestra-Gelände Position bezogen. Auch Feuerwehrsprecher Simon Heußen muss umplanen. Von 150 Metern muss der Evakuierungsbereich auf 350 bis 500 Meter erweitert werden.

Der Entschärfer beauftragt die Feuerwehr mit der Beschaffung von zehn Tausend-Liter-Wassertanks, 1,5 Tonnen Torf und Kanthölzern.

Mittlerweile sind 50 Leute der Feuerwehr vor Ort.

Vier Teams mit je vier Feuerwehrleuten informieren die 350 Anwohner über die Evakuierung.

Harald Keilmann, Leiter der Gruppe 3, wiederholt den Satz: „Bitte räumen Sie bis 13.30 Uhr Ihre Wohnung, es wurden zwei Bomben gefunden, wir wissen nicht, wie lange das dauert.“

Kioskbesitzer Ogün Yildiz verlässt seinen Laden nur ungern, er befürchtet einen Einbruch. „Aber ich gehe natürlich.“

Frisör Furmaniak an der Hattinger Straße ist nur kurz überrascht über die Feuerwehr im Salon. Dann sagt er: „Dann nehme ich die Kunden mit zu mir und wasche da die Farbe aus.“

Der LKW aus Krefeld wird in Stahlhausen von einer Polizei-Eskorte auf Motorrädern empfangen und in das Sperrgebiet begleitet. Der Entschärfer wartet nur noch auf die Wassertanks.

Die Wassertanks sind vor Ort und werden von den Feuerwehrleuten an die vom Entschärfer gewünschten Stellen getragen.

Beim Zurücksetzen fährt der LKW-Fahrer einen Polizisten und sein Motorrad an. Der Beamte wird dabei leicht verletzt und ins Krankenhaus gebracht.

Die bereits geschlossene Tankstelle wird von Auto-Schlangen belagert, die den gesunkenen Spritpreis nutzen wollen.

Es wird drubbelig in der mobilen Einsatzleitstelle. Alle Meldungen laufen bei Simon Heußen zusammen, der den Einsatz koordinieren muss. „So eine Maßnahme mit Wassertanks habe ich in 35 Jahren Dienst noch nicht erlebt“, sagt Zugführer Udo Mahne. Splitterschutz fertig

Der Entschärfer hat den Splitterschutz errichtet und ist bereit für seinen Einsatz.

Noch immer sichtet die Feuerwehr Personen hinter den Absperrungen, die die Einsatzkräfte aufhalten müssen. Heußen betont: „Wir können sonst nicht freigeben.“

Der Entschärfer meldet: „Ein Fußgänger ist gerade an der Bombe angekommen.“ Fassungslosigkeit im Einsatzwagen. Er wird vor die Absperrung geschickt.

Von den Sperren kommt die Meldung: „Es fährt kein Auto mehr, die Sperren sind dicht.“ Ein Bogestra-Mitarbeiter möchte sich zwar noch zum Dienst melden, wird aber abgefangen.

Simon Heußen funkt endlich an alle Einsatzkräfte: „Wir beginnen jetzt mit der Entschärfung.“

Der Entschärfer hat beide Bomben entschärft. Die Sperrungen werden sofort aufgehoben.

Die erste Bahn rollt wieder durch die Hattinger Straße in Richtung Innenstadt.