WDR erwägt juristische Schritte gegen Lichtenberger

Jugendhilfe-Skandal

Nach den Vorwürfen gegenüber der Life Jugendhilfe GmbH ging das Unternehmen von SPD-Ratsherr Gerd Lichtenberger in die Offensive und warf den Mitarbeitern des Politmagazins Monitor eine verfälschende Berichterstattung vor. Nun reagiert die TV-Redaktion auf diese Vorwürfe und erwägt juristische Schritte gegenüber Lichtenberger.

BOCHUM

, 09.05.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
WDR erwägt juristische Schritte gegen Lichtenberger

Im Kinderheim Egge sollen künftig wieder Kinder und Jugendliche längerfristig wohnen können.

Mit „aller Entschiedenheit“ weise man die Vorwürfe zurück, dass das Monitor-Team nicht das Grundstück gefilmt habe, auf dem der Elfjährige aus Dorsten untergebracht worden sei, heißt es in einer Stellungnahme des Westdeutschen Rundfunks (WDR), die dieser Zeitung vorliegt.

Lichtenberger, dessen Life Jugendhilfe GmbH nach einem Bericht des Magazins Monitor in der Kritik steht, hatte dem Fernsehteam vorgeworfen, einen Nachbarhof gefilmt zu haben und damit die Situation des Elfjährigen, der sich gerade in einer intensiv-pädagogischen Maßnahme in Ungarn befindet, verfälschend dargestellt zu haben.

„Diese Aussage ist falsch“, heißt es nun seitens des WDR, der noch weiteren Aussagen Lichtenbergers widerspricht: „Gleiches gilt für die Behauptung, Mitarbeiter der Monitor-Redaktion seien "über einen Zaun geklettert" und hätten sich rechtswidrig Zugang zum Gelände verschafft, auf dem der Jugendliche untergebracht wurde.“

Insbesondere wegen dieses Vorwurfs des Hausfriedensbruchs behält sich der WDR weitere juristische Schritte gegenüber Lichtenberger und seiner Life Jugendhilfe vor.

Alternative zu Erziehungsheimen

Derweil kam das Thema auch am Donnerstag auf die Tagesordnung der Ratssitzung. Dort allerdings nicht wegen der Person Lichtenberger, sondern um sich über die derzeitige Situation in Bochum eine Übersicht zu verschaffen.  Gleich mehrere Ratsfraktionen stellten im Vorfeld der Sitzung entsprechende Anträge, die noch vor der Sitzung vom Donnerstag schriftlich beantwortet wurden.

Aus der Stellungnahme der Stadtverwaltung geht hervor, dass derzeit tatsächlich nur eine von insgesamt fünf individualpädagogischen Maßnahmen in Bochum von der Life Jugendhilfe GmbH betreut wird. An diesem Konzept, das auch die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Ausland vorsieht, will die Stadt festhalten: „Auslandsaufenthalte sind in der Regel das letzte Mittel, wenn andere stationäre Hilfsangebote nicht den gewünschten Erfolg bringen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Diese weist zugleich darauf hin, dass in der Vergangenheit diese Kinder oft in geschlossenen Einrichtungen untergebracht wurden. Diese seien jedoch aufgrund der Erfahrungen der bundesweiten Kinderheim-Skandale „derzeit nicht das Mittel der Wahl“.

Aussage gegen Aussage

Anbieter der alternativen Maßnahmen, sprich der intensiv-pädagogischen Maßnahmen, wie etwa die Life Jugendhilfe GmbH, unterlägen den Qualitätsanforderungen des Bochumer Jugendamtes. Gleiches gilt für die ambulanten Maßnahmen. Auch in diesem Bereich hat das Jugendamt mit Gerd Lichtenberger zusammen gearbeitet, der 49 Prozent am Ambulanten Hilfezentrum Wattenscheid gGmbH hält.*

Auch in Bochum sei die Life Jugendhilfe bei ambulanten Maßnahmen vertreten gewesen, jedoch gebe es hier „durch eine inhaltliche und personelle Neuorientierung keine Neufälle“, heißt es seitens der Stadt. Über etwaige Zwischenfälle mit der Life Jugendhilfe GmbH macht die Verwaltung keine Angaben.

Damit bleibt nach wie vor ungeklärt, ob es sich bei dem Vorfall in Ungarn um einen Einzelfall handelt oder nicht. Zudem steht weiterhin Aussage gegen Aussage. 

*Wir hatten an dieser Stelle ursprünglich behauptet, dass Herr Lichtenberger 49 Prozent am Ev. Kinder- und Jugendhaus GmbH in Wattenscheid halte. Dies ist nicht zutreffend. Das Missverständnis entstand durch diesen Satz innerhalb der Stellungnahme der Stadtverwaltung: 

Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.