Wer kümmert sich um die vielen neuen Computer an den Schulen?

rnDigitalisierung an Schulen – Warten auf Logineo

Neue Computer, neue Tablets, digitaler Unterricht, wie schön. Die Schulen werden digital aufgerüstet. Doch unklar ist, wer sich um die ganze Technik kümmern soll. Bislang hängt die Arbeit an einzelnen Lehrern.

DORTMUND/DÜSSELDORF

, 30.04.2018, 18:40 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wer kümmert sich an der Schule eigentlich, wenn der Rechner hakt? Wenn das Internet nicht läuft oder gar die digitale Schultafel – wenn es sie denn gibt. Es ist der gleiche Jemand, der die Nutzungskonten aller Lehrer und Schüler verwaltet. Oder die Sicherheitsfragen bei der Internet-Nutzung klärt. Der gleiche, der den Konfigurationsschutz handhabt und neue Software aussucht. Es ist der Medienbeauftragte der Schule – oder präziser: Es ist ein Lehrer oder eine Lehrerin, die zum Medienbeauftragten der Schule auserkoren und qualifiziert worden ist. Manchmal sind es auch zwei oder mehr. Auch dem Computer-Laien wird bei der Aufzählung der Aufgaben klar, dass das eine aufwendige Aufgabe ist.

Investitionen in neue Technik

Verrechnet wird diese Aufgabe mit zwei bis drei sogenannten Anrechnungsstunden. Das passt mal mehr, meist weniger. Die Arbeit an den Schulen in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung dürfte jedoch nicht weniger werden. Die Städte und Schulen investieren in Computer, in digitales Unterrichtsmaterial, in Tablets für Schüler. Milliarden Euro von Bund und Land warten darauf, in Technik investiert zu werden.

Allein zwei Milliarden verteilt das Land NRW seit 2017 in vier Jahren an die Kommunen im Land, um die Gebäude zu sanieren, aber auch um Breitbandausbau und Digitale Technik an die Schulen zu bringen.

Der First-Level-Support sei nicht Aufgabe der Lehrer, sagt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): „Da müssen Netzwerkadministratoren her.“

Der First-Level-Support sei nicht Aufgabe der Lehrer, sagt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): „Da müssen Netzwerkadministratoren her.“ © dpa

Dass Lehrer als Medienbeauftragte diese IT-Ausstattung warten und pflegen können, glaubt auch die Schulministerin nicht. „Das ist nicht Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer“, sagt Yvonne Gebauer: „Das haben die bis jetzt gemacht, dafür gilt nicht nur mein Dank, sondern der Dank der Schulen. Aber das ist nicht die eigentliche Aufgabe der Lehrer vor Ort. Da müssen Netzwerkadministratoren her.

Je mehr Geräte das werden, desto aufwendiger wird das, sagt auch Dorothea Schäfer, die GEW-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen: „Eigentlich braucht man eine eigene Stelle.“

So ist der Support geregelt

Wenn am Computer etwas hakt und man selbst es nicht lösen kann, gibt es in Unternehmen, Behörden und eben auch Schulen einen klaren Fahrplan: Die Erste Hilfe bei Computern vor Ort nennt man First-Level-Support. Wird es komplizierter muss die zweite Ebene helfen, der Second-Level-Support, die zwar nicht mehr vor Ort ist und mehr Zeit für die Behebung des Problems benötigt, aber mehr Fachwissen und Zugriffsrechte hat. Aus dieser Zwickmühle entstand das heutige System des First-Level-Supports an den Schulen.

Wenn man nicht bei jedem wackligen Kabel – „Überprüfung der Stormversorgung, der Steckverbindungen...“, wie es in der Orientierungshilfe heißt – auf den IT-Techniker aus dem Rathaus oder eines Dienstleisters warten möchte, muss die erste Technikhilfe direkt an der Schule sein. Und Lehrer sind vor Ort.

Pädagogische Aufgabe

Dazu kommt ein zweites wichtiges Argument. „Es sind viele pädagogische Gründe, dass diese Aufgabe auch ein Pädagoge macht“, sagt, Christine Raunser, Leiterin des Kompetenzteams des Medienzentrums des Kreises Unna. Schließlich gehe es bei „Planung und Ausbau von Netzstrukturen für unterrichtliche Anwendungen“, wie es in der Orientierungshilfe des Landes heißt.

„Die Aufgaben, die die Schulen im Rahmen des First-Level-Supports übernehmen, sollten aus pädagogischen Gründen sowie aus praktischen Überlegungen heraus nicht nach außen abgegeben werden.“ Auch die Auswahl der Software oder die Planung des Konfigurationsschutzes, auch die Benutzerverwaltung haben eine pädagogische Komponente.

Tablet statt Zettel: Die Kümmerkarte bei IT-Problemen liegt im ersten Schritt immer noch bei den Lehrern.

Tablet statt Zettel: Die Kümmerkarte bei IT-Problemen liegt im ersten Schritt immer noch bei den Lehrern. © dpa

Doch trifft das noch zu, wenn in Schulen Hunderte Rechner, Tablets, Beamer im Dauereinsatz sind? „90 Prozent von dem, was getan werden muss, ist Technik“, sagt Dorothea Schäfer von der GEW. „Man wird um Netzwerkadministration nicht umhin kommen“, sagt Schulministerin Gebauer.

Alte Regelung für das „EDV-System“

Die bisherige Regelung stammt noch aus einer Zeit, als es in den Schulen einen Computerraum gab und die wenigen Geräte von wenigen Lehrern in ausgesuchten Stunden mit Klassen genutzt wurden. 2004 vereinbarten das NRW-Schulministerium und Kommunale Spitzenverbände den Ablauf des Supports in einer 18-seitigen Orientierungshilfe für Schulen und Schulträger, also den Städten.

2008 wurde sie überarbeitet, das „EDV-System“ der Schulen, wie es im Text genannt wird, hat sich seitdem weiterentwickelt. Auch der politische Wille, die Schulen mit viel Geld modern auszustatten. Trotzdem gilt die Rahmenvereinbarung weiterhin, darauf einigten sich Land und Verbände 2016. Erst 2020 soll der Rahmen wieder angepasst werden.

Personalkosten

Auch wenn derzeit Milliarden in das deutsche Schulsystem gepumpt werden: Die dauerhaften Personalkosten will sich keiner aufhalsen. Weder das Land, noch die Kommunen.

Schulministerin Gebauer ist klar für Systemadministratoren: „Das ist die Ausstattung der Schulen. Und Ausstattung der Schulen obliegt den Kommunen.“ Von Seiten des Landes könne man das nicht steuern. Jede Kommune regele das auch anders, zum Beispiel mit Werkverträgen. „Das können nicht auf Dauer die Lehrer machen“, bekräftigt die Ministerin.

Durch die Digitalisierung kann der Unterricht individueller gestaltet werden. Wenn denn die Technik reibungslos funktioniert.

Durch die Digitalisierung kann der Unterricht individueller gestaltet werden. Wenn denn die Technik reibungslos funktioniert. © dpa

Ein Konzept überstülpen geht nicht, warnen die Städte. „Wenn das Land sein Digitalisierungsprogramm ausgerollt hat, kann der Schulträger entsprechend reagieren“, sagt Jan Fallack, Referent für Schule beim Städte- und Gemeindebund NRW: „Wir weisen darauf hin, dass es jeweils in der Hand der Kommune liegt, ob, was und wann sie etwas tut.“

Denkbar wäre ein Support über externe Dienstleister oder über die städtische IT-Abteilung. Möglich wären zentrale oder dezentrale Lösungen. Denkbar wäre demnach aber auch, dass die Städte den First-Level-Support bei den Lehrern belassen. Ein Vorteil: Die Lehrer werden vom Land bezahlt und nicht vom Schulträger wie Hausmeister oder mögliche Systemadministratoren.

Warten auf Arbeitsplattform für Lehrer

Jetzt warten Städte und Gemeinden erstmal auf das Land, so Fallack. Konkret: Die Städte warten auf „Logineo NRW“, eine neue gemeinsame digitale Arbeitsplattform für die Schulen, die Maillisten oder Whatsapp-Gruppen überflüssig machen sollte. Logineo hätte schon längst an den Schulen laufen sollen, aber das Schulministerium hatte im Oktober 2017 die Notbremse gezogen. Zu groß waren die technischen und datenschutzrechtlichen Probleme.

Man sei aber auf einem guten Weg, wie Schul-Staatssekretär Mathias Richter (FDP) Mitte März auf einer Fachtagung in Münster vor Vertretern der Schulträger erklärte: „Ich bin guter Hoffnung, dass Logineo den Schulen zeitnah zur Verfügung steht.“ Datenschutzrechtliche Fragestellungen wären jetzt berücksichtigt worden.

Das bedeutet: Die Debatte über den First-Level-Support wird erst dann beginnen. Erst wird die Technik an den Schulen stehen, und erst dann wird klar, wer sich vollumfänglich darum kümmern kann.