Wege von Beethoven zu Schumann

Konzerthaus Dortmund

Kann sich der Klang eines Orchesters mit einem neuen künstlerischen Leiter so verändern? Im Konzerthaus Dortmund staunte das Publikum über Daniele Gatti.

Dortmund

, 28.01.2018, 15:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wege von Beethoven zu Schumann

Daniele Gatti ist Chefdirigent des Mahler Chamber Orchestra. Foto: dpa

Braucht man einen Dirigenten, oder kann ein Orchester Werke der Klassik und Frühromantik nicht genauso gut alleine spielen? Man braucht ihn, bestes Beispiel dafür ist Daniele Gatti. Nicht, weil der Italiener besonders gut Einsätze gäbe, aber er hat den Klang des Mahler Chamber Orchestras (MCO) verändert.

MCO spielte alleine

Das klang Freitag im Konzerthaus Dortmund fast so wie Gattis zweites Orchester, das Concertgebouw. Nach langer Zeit hörte man das MCO mal wieder alleine spielen, ohne die MCO-Academy. Auch das machte viel aus.

Schon Schumanns „Genoveva“-Ouvertüre hatte diesen erdig dunklen, vollen Streicherklang, für den die Klassik-Freunde das Concertgebouw lieben. Theatralisch ließ Gatti die Operneinleitung musizieren. Das Schumann-Bild des 56-jährigen Dirigenten ist offenbar von Beethoven geprägt, mit dem sich das MCO lange beschäftigt hat und alle seine Sinfonien aufgenommen hat.

Vorzügliche Hornisten

Unterscheiden kann man sich mit einer Aufnahme der Beethoven-Sinfonien von den vielen anderen Tonträgern zum Beispiel dadurch, dass dem man sie kammermusikalisch anlegt. Das tat Gatti in der Vierten, die Schumann eine „griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“ genannt hat. Dieser Beethoven klang elegant und sorgsam ausgeformt – trotz der nicht gerade kleinen Besetzung mit 52 Musikern.

Vorzügliche Hornisten hat das MCO. Auch in Schumanns dritter Sinfonie, der „Rheinischen“, begeisterten die. Wenn sich Schumann angeblich vom Anblick des Kölner Doms im ersten Satz inspirieren ließ, spielte das MCO den zweiten Satz so, als hätte der Rhein als deutsche Moldau Pate gestanden. In einem weichen Klangstrom floss die Musik in diesem Satz. Auf die Schumann-Aufnahmen, die das MCO plant, darf man sich freuen.

Das Konzert wurde im Livestream im Internet übertragen und kann dort noch abgerufen werden: www.takt1.de/mco-gatti
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