Wegen steigender Zahlen: Experten warnen vor Variante B.1.1.7 - Impfstoff nicht mehr zurückhalten

Coronavirus

Experten warnen davor, dass bei steigenden Corona-Zahlen auch der Anteil der Virusvariante B.1.1.7 weiter ansteigen wird. Damit erhöhe sich das Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle.

Berlin

29.03.2021, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Experten fordern, Dosen für die Corona-Zweitimpfungen nicht mehr zurückzuhalten. (Symbolbild)

Experten fordern, Dosen für die Corona-Zweitimpfungen nicht mehr zurückzuhalten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Trotz Lockdown meldet das Robert Koch-Institut steigende Corona-Neuinfektionen und auch der bundesweite Inzidenzwert steigt weiter an. Experten warnen nun vor der weiteren Ausbreitung der Virusvariante B.1.1.7. Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie fordert angesichts der steigenden Corona-Zahlen, Dosen für Zweitimpfungen nicht mehr zurückzulegen. „Impfstoff zurückzulegen, ist angesichts der aktuellen Situation nicht mehr tragbar und kostet Menschenleben“, sagte Generalsekretär Carsten Watzl der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag).

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„Es würde jetzt viel helfen, alles zu verimpfen, was da ist und die Zweitimpfung dann zu machen, wenn die spätere Lieferung erfolgt.“ Laut Watzl wird nach wie vor in vielen Bundesländern und Impfzentren die zweite Impfdosis zurückgelegt. „Das heißt, wir verimpfen oft nur die Hälfte dessen, was möglich ist.“

Mehr Infektionen und Todesfälle

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, erwartet angesichts der wachsenden Corona-Zahlen mehr schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen. „Das Problem ist, dass bei einem weiteren Ansteigen der Fallzahlen auch der Anteil der Virusvariante B.1.1.7 weiter ansteigen wird“, sagte Grill der Deutschen Presse-Agentur. Die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutante sei sowohl deutlich ansteckender als auch gefährlicher, „da sie wohl mit schwereren Krankheitsverläufen einhergeht“.

Bei Hochaltrigen gehe die Zahl neuer Todesfälle zurück, erläuterte die Präsidentin der Gesellschaft mit Sitz in Ulm, die auch Professorin für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. „Das deutet darauf hin, dass es zunehmend gelingt, die besonders vulnerablen Gruppen durch Impfung zu schützen.“ Aber auch bei den 60- bis 69-Jährigen sei das Sterberisiko der Infizierten noch bei etwa vier Prozent. Das bedeute, dass eine stark steigende Fallzahl auch zu mehr Erkrankten und schwer Erkrankten führen werde, so Grill. „Nur eben dann in den jüngeren Altersgruppen.“

Noch keine Entwarnung durch Impfung

Auch der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr bewertet die Corona-Lage vor Ostern brisanter als noch vor Weihnachten. „Das ist ein Pulverfass, auf dem wir sitzen.“ Anders als Ende 2020 seien zwar inzwischen viele Menschen aus der besonders gefährdeten hohen Altersgruppe geimpft. Allerdings liege der Anteil bei den Über-70-Jährigen erst bei gut einem Viertel, sagte Lehr. „Bis die Wirkung richtig einsetzt, dauert es auch ein paar Wochen.“ Daher könne hier noch keine Entwarnung gegeben werden. „Wir haben also ein bisschen Entschärfung durch die Impfung, aber eine Verschärfung durch die Mutanten“, bilanzierte er.

RND/dpa

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