Wegweisende Worte aus weiblicher Feder

rnPoesieweg

Die Blütezeiten der Lyrik fielen in eine Ära, in der sich Frauen nur sehr eingeschränkt entfalten konnten. Die ersten drei „Bestückungen“ am Unnaer Poesieweg boten den Wanderer daher Worte zwar bekannter, aber vorwiegend männlicher Dichter. Das ändert der Heimatverein in Mühlhausen/Uelzen nun konsequent.

Unna

, 09.07.2018, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Texttafeln an sieben Stationen geben dem Wanderer seit Frühling 2017 Denkanstöße. Was sie über die 2,2 Kilometer des Poesieweges verbindet, ist auch ein inhaltlicher roter Faden. Frühlingsgedichte säumten den Weg zur Eröffnung. Danach wählten die drei Betreuerinnen Annemarie Palla, Hannelore Thomas und Barbara Cornelissen Texte zu den Themen „Glück“ und „Aufbruch“ auf. Nun sind die Tafeln ein weiteres Mal neu bestückt worden: „Wege“ lautet für die nächsten Monate ein bewusst vieldeutiges Thema, das Wanderer auf ihrem Gang abholt, um ihre Gedanken auf Reisen zu schicken.

Gegenüber den bisherigen Textauswahlen beschreiben die drei Macherinnen ganz bewusst neue Wege. Bislang stammten die Texte vorwiegend von männlichen Autoren. Dafür gibt es gleich zwei Erklärungen: Zum einen wurde „Poesie“ zunächst mit „Lyrik“ gleichgesetzt, und die Blütezeiten der Gesichte waren auch Zeiten, in denen Frauen es deutlich schwerer als Männer hatten, sich kreativ zu verwirklichen und die Ergebnisse dessen zu veröffentlichen. Zum anderen hatte der Heimatverein zur Sicherheit Texte ausgewählt, bei denen der der Schutz des Urheberrechtes bereits abgelaufen war. Auch dies führte zwangsläufig in Zeiten vor der Emanzipationsbewegung. Nun allerdings entschieden sich die Verantwortlichen für die Textauswahl ganz bewusst dafür, den Poesieweg ausschließlich mit Texten von Autorinnen neu zu gestalten. Und zwar mit Texten, die eigens dafür geschrieben wurden.

Die drei Frauen hinter dem Projekt hörten sich in ihrem Umfeld um, wer als Verfasserin in Frage käme oder jemanden kennt. Am Ende ergab sich daraus eine sehr bunte Gruppe von Frauen aus Unna, die sich auf unterschiedliche Weise mit Fragen des Lebens beschäftigen. Einige von ihnen haben Erfahrung damit, ihre Gedanken auf eine öffentliche zugängliche Bühne zu bringen, wie etwa Judith Binias aus dem Ensemble des Theaters Narrenschiff. Andere wirken zum Beispiel als Therapeutin, in Vereinen oder Kirchengruppen unmittelbar an den Menschen, denen sie Begegnen. Die Autorinnen sind Barbara Tillmanns, Bärbel Beutner, Marlies Strübbe-Tewes, Brigitte Paschedag, Gisela Habekost, Judith Binias und Irmgard Häussermann.

Die titelgebenden „Wege“ sind daher Wege, auf denen Menschen unterwegs sind – durch den Raum, durch ihr Leben, oder beides. Nahliegend ist, dass sich die Texte stilistisch und formal von der Lyrik vergangener Epochen unterscheiden. „Poesie“ kommt nun auch in Prosa daher, verfolgt selbst als Gedicht modernere Ansätze. Der Poesieweg liegt an einem Rad- und Wanderweg, der die Reisenden in Anlehnung an den historischen Hellweg leitet. Auf der Südseite der Hellweg-Bahnlinie führt er von der Ortsgrenze nahe der Schachtkuhle vorbei am „Mittelpunkt“ nach Mühlhausen. Die Idee für einen Poesieweg hatten Mitglieder des örtlichen Heimatvereins in den Niederlanden gefunden. Die Route im Süden des Doppeldorfes erschien für eine Übernahme der Idee geeignet, weil sie auch zu den Zubringerstrecken des Jakobsweges zählt.