Wehrt euch, sonst geht die Welt in Flammen auf

Schauspielhaus Bochum

Mit Hasko Webers Inszenierung von Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" hat das Schauspielhaus Bochum eine Art zweiten Teil seines "Tartuffe" im Spielplan. Ein weiteres Stück, das man ganz ohne überdeutliche Aktualisierung als Kommentar zum gegenwärtigen Erstarken populistischer Politik lesen kann.

BOCHUM

, 22.01.2017, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Martin Horn und Veronika Nickl sind die Biedermanns in Hasko Webers kurzweiliger Max-Frisch-Inszenierung.

Martin Horn und Veronika Nickl sind die Biedermanns in Hasko Webers kurzweiliger Max-Frisch-Inszenierung.

Jürgen Hartmann ist hier ähnlich besetzt wie in der Titelrolle von Molières "Tartuffe" im Bochumer Schauspielhaus: Als Brandstifter im schwarzen Kampfanzug führt er nichts Gutes im Schilde. Und niemand kann ihm etwas entgegensetzen. Seine Dreistigkeit macht sprachlos.

Kurzweilig inszeniert

Dieser Typ will mit seinem Komplizen die Stadt abfackeln. Er braucht nur noch jemandem, der ihm die Streichhölzer reicht. "Hat hier jemand Streichhölzer?", fragt Hartmann so gleich zu Beginn dieser knackig kurzen und äußerst kurzweiligen Inszenierung (knapp zwei Stunden inklusive Pause) unverblümt ins Publikum. Eine Zuschauerin meldet sich eilig und stellt die Zuschauer damit gleich repräsentativ in die Ecke der Biedermanns.

Das Ehepaar aus dem wunderbar stockigen Martin Horn, der anfangs eine Zeitung mit Trumps Vereidigung als US-Präsident auf dem Titelfoto in Händen hält, und Veronika Nickl, die brillant auf dem schmalen Grat zwischen Hysterie und Verunsicherung agiert, nimmt die Brandstifter aus falsch verstandener Gutmütigkeit in ihrem gepflegten Eigenheim auf.

Bigotte Moral

Im Epilog in der Hölle rechtfertigen sie ihr Tun mit bigotter Moral und es wird klar: Diese Mitläufer sind auch Täter. Die Botschaft, die der Weimarer Intendant Hasko Weber mit diesem flotten, entschlackten Frisch-Stoff gibt, ist vielleicht allzu eindeutig, aber in diesen Zeiten mehr als angebracht: Leute, werdet aktiv, sonst geht die Welt in Flammen auf!

 

Termine: 26./28.1., 2./ 7./15./25.2.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

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