Weiter Streit um die Ticket-Erstattung

Pyro Games

Nach der Absage der PyroGames Ende Juli streiten Veranstalter und Kunden nach wie vor um die Rückerstattung der Ticketpreise. Während der Veranstalter mit höherer Gewalt argumentiert, führen die geprellten Besucher Widersprüche in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen an. Die Chance, das Geld wieder zurückzubekommen, ist allerdings gering.

BOCHUM

, 02.09.2015, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Weiter Streit um die Ticket-Erstattung

Die Pyro Games locken jedes Jahr Tausende Besucher an. Doch jetzt gibt es Ärger um die Veranstaltungsabsage in Bochum.

Als Frank Schilla Anfang des Jahres die Karten für die PyroGames kaufte, sollte es ein Ausgleich für viele nicht erlebte Silvesterfeiern sein. „Meine Lebensgefährtin leidet unter einer Erkrankung, durch die sie in Stresssituationen in einen Schockzustand fallen kann“, sagt er.

Es sei nicht so, dass sie grundsätzlich nicht an Veranstaltungen teilnehmen könne. Nur die überall zündenden Böller und die dichten Menschenmassen auf der Straße seien für sie oft zu viel. Deshalb sollten es nun die PyroGames richten: Sitzend und in einem kontrollierten Umfeld wollte das Paar gemeinsam einen Abend mit Feuerwerk genießen.

Doch dann kam der Sturm und die Absage – und damit ein Ärgernis, das bisher kein Ende gefunden hat. Denn der Veranstalter weigert sich bis heute hartnäckig, den Ticketpreis für die ausgefallene Veranstaltung zurückzuzahlen. Gegen höhere Gewalt sichern sich viele Veranstalter in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) ab.

Widersprüche

So auch die A&O Pyrogames GmbH. Unter Punkt 9 heißt es dort, dass der Veranstalter zu einer Rücknahme der Tickets nicht verpflichtet sei, falle diese wegen höherer Gewalt aus. Stattdessen biete man den Kunden die Möglichkeit einer Ersatzvorstellung.

Das kam jedoch für Frank Schilla und viele andere Besucher aus dem Ruhrgebiet nicht in Betracht: Zur Alternative standen Spielorte wie Schwerin, Leipzig oder Rüdersdorf bei Berlin. Punkt 9 der AGBs zugrunde gelegt, hätte Frank Schilla also nun auf sein Geld verzichten müssen.

Doch nur einen Punkt später widerspricht sich das Unternehmen: „Muss eine Vorstellung wegen witterungsbedingter Gefahren für die Besucher (…) vor Beginn der Aufführung (…) abgebrochen werden, kann die Eintrittskarte (…) innerhalb von 7 Tagen (…) zurückgesandt werden, bei Erstattung des Eintrittspreises“, heißt es dort. Und genau das wollte Frank Schilla.

Gleiche Argumentation

Zunächst erkundigte er sich beim Veranstalter selbst. „Dort wurde mir gesagt, dass man sich doch schon mit den Ausweichterminen sehr kulant zeige“, sagt er. Trotzdem bestand Frank Schilla auf die Rückerstattung der Kosten und schickte für 10,90 Euro die Karten im Wert von knapp 50 Euro fristgerecht per Express zurück an den Veranstalter nach Magdeburg – und hörte nichts mehr.

Auf eine weitere telefonische Anfrage habe man ihm erklärt, dass der Punkt 10 der AGBs nicht greife. Ähnliche Erfahrungen haben auch andere Betroffene gemacht. Mehrere Kunden, deren Namen der Redaktion vorliegen, bestätigen, dass die A&O PyroGames GmbH immer mit dem gleichen Muster argumentiert: Nur die Punkte 8 und 9 der AGBs sind gültig, der Widerspruch in Punkt wird konsequent ignoriert.

Eine schriftliche Anfrage dieser Redaktion, ob sich der Widerspruch nachvollziehbar erklären ließe, blieb unbeantwortet. Eine große Überraschung ist das nicht: In einem telefonischen Vorgespräch teilte eine Mitarbeiterin der PyroGames mit, dass man möglicherweise nicht auf die Anfrage reagieren würde. Als Grund dafür nannte sie „schlechte Erfahrungen mit Pressestellen“ und „eine falsche Darstellung“ in den Medien. Die Chance zu einer Richtigstellung wollte das Unternehmen jedoch auch nicht nutzen.

Kein Gang vor Gericht

Obwohl die AGBs des Veranstalters insbesondere wegen des Widerspruchs nach Aussage von Verbraucherschützern generell ungültig sind und damit durchaus Anspruch auf Erstattung besteht, will Frank Schilla mit der Angelegenheit nicht vor Gericht ziehen. „Ein Verfahren könnte wegen Geringfügigkeit abgelehnt werden“, sagt er.

Zudem seien Rechtsmittel wirtschaftlich kaum sinnvoll: „Wir zahlen im Endeffekt sehr viel Geld drauf.“ Doch er will auf das Problem aufmerksam machen und Druck ausüben, damit der Veranstalter erst dann wieder im Ruhrgebiet Fuß fassen kann, wenn sich sein Geschäftsgebaren ändert.

Für die A&O PyroGames GmbH dürfte eine Neuauflage in Bochum allerdings ohnehin schwierig werden. „Wir pflegen derzeit eine ausgesprochene Zurückhaltung, was eine weitere Zusammenarbeit angeht“, sagt Andreas Kuchajda, Chef der Bochumer Veranstaltungs-GmbH (bovg), die den Westpark für die Veranstaltung an das Magdeburger Unternehmen vermietet hat.

„Hat die Veranstaltung nicht stattgefunden, gibt es das Geld zurück“, sei der Ansatz der bovg, der auch branchenüblich sei, so Kuchajda. Als reiner Vermieter könne die bovg jedoch nicht mehr machen als auf die beteiligten Parteien einwirken. „Darüber hinaus haben wir keine weiteren Mittel“, sagt er.

Bei Facebook haben sich die Betroffenen in der Gruppe „Pyro Games Gegenwehr“ zusammengetan. Weitere Betroffene können sich dort melden.

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