Weltberühmte „Mädchen auf der Brücke“ im Museum Folkwang zu sehen

Gemälde von Edvard Munch

Mit den „Mädchen auf der Brücke“ ist eines der berühmtesten Bilder der Welt zu Gast im Museum Folkwang. Nur dass es eigentlich gar keine Brücke zeigt.

ESSEN

, 15.02.2018, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weltberühmte „Mädchen auf der Brücke“ im Museum Folkwang zu sehen

Die Mädchen auf der Brücke malte Munch 1927. Die Perspektive ist so gewählt, dass der Betrachter ebenfalls am Geländer zu stehen scheint. Foto: dpa

Eigentlich ist es der Landungssteg des beliebten Badeorts Åsgårdstrand, den Edvard Munch da im Jahr 1927 festhielt. Warten die Mädchen also auf ihre Geliebten, die hier mit einem Schiff ankommen? Oder wollen sie selbst an Bord gehen und Kurs auf ein neues Leben nehmen? Die „Hoffnung der Jugend“ sei hier dargestellt, interpretiert Kurator Tobias Burg das berühmte Bild, das es in zwölf verschiedenen Varianten in Öl gibt. Eine davon war 2016 für 50,7 Millionen Euro in New York versteigert worden.

Museum in Oslo lieferte „frei Haus“

Ein kostbarer Besucher also, den das Munch-Museum Oslo hier im Tausch gegen eine nicht minder wertvolle Leihgabe aus Essen – das „Mädchen mit dem Fächer“ von Paul Gauguin – ins Ruhrgebiet geschickt hat. Oslo hat sogar die Transportkosten übernommen. Das Munch-Bild bildet den Auftakt zur Reihe „Meisterwerke zu Gast“, das Museum will künftig regelmäßig prominente Gegengaben nach Essen holen.

Auch der Tod ist ein Thema

Der Auftakt ist ausgesprochen gelungen. Unter dem Motto „Sehnsucht und Erwartung“ zeigt das Museum Folkwang eine edle, sehr kultivierte Kabinettausstellung in zwei Räumen, die dafür in prächtigem Rot gestrichen worden sind. Rund um den Minne-Brunnen, der hier immer schon steht, und im Raum dahinter hängen drei Gemälde Munchs, ein Aquarell und 16 Grafiken aus Folkwang-Besitz.

Weltberühmte „Mädchen auf der Brücke“ im Museum Folkwang zu sehen

Auch der Brunnen von George Minne, der immer schon an dieser Stelle steht, kommt vor den roten Wänden sehr gut zur Geltung. Im Hintergrund die Lithografie „Madonna“.Foto dpa

Die Motive berühren sehr, denn der Symbolist Munch (1863-1944) hat sich in seiner reduzierten Malweise den ganz großen Themen genähert. Der Künstler, der mit fünf Jahren seine Mutter verlor und später um seine Schwester Sophie trauern musste, lässt uns dem Tod ins Gesicht blicken. „Erbschaft“ heißt die Grafik, in der die Gesichter von Mutter und Baby schon Schädeln gleichen. Die „Angst“ schwebt als roter Himmel über ausgemergelten Gesichtern.

Grafik „Madonna“ sorgte einst für einen Skandal

Auch die Grafik „Madonna“, die den Moment der Empfängnis zeigt und 1895 richtig Skandal machte, ist zu sehen – allerdings hat die Essener Version nicht den Rahmen aus Spermien und von dem Fötus in der linken Ecke ist nur ein Fuß zu sehen.

Museum Folkwang Essen: „Edvard Munch“, bis 22.4. 2018, Di/Mi/Sa/So 10-18, Do/Fr 10-20 Uhr. Das sehr schöne Booklet kostet 10 Euro. Der Eintritt ist frei. Eine riesige Plakatschau mit Arbeiten von Klaus Staeck (bis 8.4.2018) ist ebenfalls kostenlos, beides zusammen lohnt sich sehr.
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