Welterbe-Ehre für den Niedergermanischen Limes

Denkmäler

Eine alte römische Grenze wird Welterbe: Mit dem „nassen Limes" hat Nordrhein-Westfalen nun sechs Unesco-Welterbestätten. Beteiligte Städte wollen ihre Spuren aus der Römerzeit vorzeigen.

Fuzhou/Düsseldorf

28.07.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Amphitheater im Archäologischen Park in Xanten.

Das Amphitheater im Archäologischen Park in Xanten. © Oliver Berg/dpa

Nordrhein-Westfalen hat eine neue Welterbestätte - den Niedergermanischen Limes. Die Unesco zeichnete den am Rhein verlaufenden Teil der Grenze des antiken Römischen Reichs als neues Welterbe aus. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur traf die Entscheidungen überraschend noch am Dienstag auf seiner Sitzung im chinesischen Fuzhou.

Der Antrag war von den Anliegerländern des Limes, den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, gemeinsam eingereicht worden. Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von „herausragendem universellen Wert" ausgezeichnet.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte: „Eine alte Grenze wurde zum grenzüberschreitenden Gemeinschaftsprojekt". Dass der Niedergermanische Limes nun Weltkulturerbe sei, sei eine große Anerkennung für die Arbeit und eine Auszeichnung für diese einzigartige Kulturlandschaft.

Antike Grenze war 440 Kilometer lang

Die antike Grenze, die dem damaligen Verlauf des Rheines entspricht, war mehr als 400 Kilometer lang. Die neue Welterbestätte besteht aus 44 Teilabschnitten von Remagen bis ins niederländische Katwijk. „Die Überreste der Legionslager und Kastelle, Häfen, Aquädukte und Tempel sind für unser Verständnis des Lebens am Limes von unschätzbarem Wert", erklärte die Unesco. Der Grenzabschnitt beginnt in Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz und endet an der Nordsee in den Niederlanden. In NRW liegen 220 Kilometer zwischen Bonn und Kleve.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) verwies darauf, dass der Limes zugleich Teil der bereits bestehenden seriellen und länderübergreifenden Unesco-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches" ist. Es sei ein gemeinsames Vermittlungskonzept für die Fundplätze geplant.

Nordrhein-Westfalen hat nun sechs Welterbestätten. Zu dem illustren Kreis gehören schon der Aachener und der Kölner Dom, Schloss Augustusburg in Brühl bei Köln, die Zeche Zollverein in Essen und Kloster Corvey in Höxter.

Außengrenze des Römischen Reiches

Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, meinte, der Rhein als „nasse" Außengrenze im Nordwesten des Römischen Reiches, sei bis heute die Lebensader, die auf die Römer zurückgehende urbane Zentren verbinde. „Entlang des Rheins entwickelten die Römer Kastelle und Siedlungen, aus denen große Städte wie Köln, Bonn und Nijmegen erwachsen sollten", sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) verwies darauf, dass Köln über drei Bodendenkmäler des Limes verfügt: unter anderem die Residenz des Statthalters und das Kastell der Rheinflotte. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) sagte, die Stadt sei stolz, nun ein Ort des Welterbes der Menschheit zu sein. Für das Archäologische Museum der Stadt erklärte dessen Leiterin Jennifer Morscheiser, die Welterbe-Präsentation auf dem Außengelände und im Haus solle künftig erweitert werden.

Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes ins Weltkulturerbe soll eine Lücke zwischen zwei bereits geschützten Abschnitten schließen - dem Obergermanisch-Raetischen Limes sowie dem Hadrianswall und einem weiteren in Großbritannien.

dpa

urn:newsml:dpa.com:20090101:210727-99-560963/3

Lesen Sie jetzt