Weltkunst von Buddha bis Picasso in Wuppertal

Von-der-Heydt-Museum

Cézannes "Liegender weiblicher Akt" hing über seinem Schreibtisch, ein früher van Gogh, das schmale Querformat "Kartoffelsetzen", über seinem Sofa. Der Bankier Eduard von der Heydt umgab sich mit Kunst. Mit einer ungewöhnlich üppigen Ausstellung feiert ihn das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal als bedeutendsten privaten deutschen Sammler der 20er- bis 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts.

WUPPERTAL

von Von Bernd Aulich

, 25.09.2015 / Lesedauer: 2 min
Weltkunst von Buddha bis Picasso in Wuppertal

Paul Cézannes „Liegender weiblicher Akt“ hing über dem Schreibtisch von Eduard von der Heydt.

Der angehende Bankier Eduard von der Heydt (1882-1964) war gerade mal 18 und noch Student der Rechts- und Rechtswissenschaften, als er sein erstes Gemälde erwarb. Einen Courbet. An Geld mangelte es dem Sohn aus reichem Hause ebenso wenig wie an Kunstverstand.

Sein Vater, der Bankier August von der Heydt, gründete 1902 das nach ihm benannte Museum im damals reichen Elberfeld. Mit seiner Vorliebe für niederländische und flämische Meister, aber auch für deutsche Expressionisten schuf er den Grundstock für die immense Sammlung dieses Hauses. Doch was wäre das Von-der-Heydt-Museum heute ohne die Fülle an Hochkarätigem, die sein Sohn Eduard zusammentrug?

Spitzenwerke

Sie umfasste 3000 Werke außereuropäischer Kunst und 500 europäische Gemälde und Skulpturen. Nur ein Zehntel, dafür lauter Spitzenwerke, zeigt die Ausstellung "Von Buddha bis Picasso - die Sammlung Eberhard von der Heydt". Und dennoch hat hier noch nie eine Ausstellung beide Obergeschosse und das Zwischengeschoss gefüllt.

Sie folgt den wichtigsten Stationen seines Lebens. Der Kindheit in Elberfeld. Der Sammlertätigkeit des Vaters, der immerhin 18 Gemälde von Paula Modersohn-Becker erwarb. Dem Wechsel nach Amsterdam, wo Eduard von der Heydt herrschaftlich an der Keizersgracht wohnte.

Die opportunistische Verstrickung ins Nazi-Regime und die Finanzierung von Nazi-Auslandsagenten aus der Schweiz, deren Staatsbürgerschaft er 1937 erhielt, zählt zu den Rätseln des als Sammler so weltoffenen Kunstliebhabers. Dokumente des Prozesses, den die Schweiz gegen ihn anstrengte, erinnern an dieses dunkle Kapitel.

Kaum ein bedeutender französischer Impressionist, kaum ein Fauvist oder ein deutscher Expressionist, der sich in diesem "Who is Who" der frühen Moderne nicht wiederfände.

Masken

Daneben sind Masken von der Elfenbeinküste und aus Kamerun zu sehen, Buddhafiguren aus China und Kambodscha, einer Göttin aus Bali oder einer Eskimo-Seelöwenmaske. Eduard von der Heydt unterschied nicht zwischen außereuropäischer und europäischer Kunst. Für ihn zählten Ausdrucksgehalt und Qualität.

: "Weltkunst von Buddha bis Picasso" 29.9. bis 28.2., Turmhof 8, Di-So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr.