Weltsichten in einem neuen Museum unter der Erde

Museum unter Tage

"Bewegen, entwickeln, leben, sein" - diese Worte erwarten die Besucher, bevor es hinab geht ins Museum unter Tage in Bochum. Sieben Meter unter der Erde ist ein Raum entstanden, in dem es sich trefflich über unsere Welt, unser Leben nachdenken lässt. Mit dem Bau, der am Samstag (14.11.) eröffnet wird, ist "Situation Kunst" als museales Ensemble komplett.

BOCHUM

, 11.11.2015, 15:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grandios ist die in dem neuen Museum beheimatete Sammlung von Landschaftsmalerei. Einzigartig in Europa ist das Angebot für Studenten.

Für sieben Millionen Euro entstand der abschließende Erweiterungsbau von "Situation Kunst" im Schlosspark Weitmar. Finanziert und vorangetrieben von der gleichnamigen Stiftung ist Situation Kunst Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität. Hier sehen sich nicht nur Besucher die Ausstellungen an. Hier arbeiten Studenten, diskutieren vor Werken, machen Führungen und sammeln erste Erfahrungen als Kuratoren.

270 Gemälde

Zum Auftakt gebührt alle Aufmerksamkeit der Ausstellung "Weltsichten - Landschaft in der Kunst seit sechs Jahrhunderten". Auf 1350 Quadratmetern werden 270 Gemälde gezeigt, die es in sich haben. Geschickt wird der Besucher durch die Ausstellung geleitet, nichts lenkt in der zurückhaltenden Architektur von der Kunst ab.

Vom klassischen Ölbild der niederländischen Malerei bis zur Video-Klang-Installation der Gegenwart reicht die Bandbreite. Nie geht es um eine reine Abbildung von Landschaft. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich Künstler über die Jahrhunderte auf ihre Welt reagierten.

Allein 40 Gemälde stammen aus dem goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei, die ab dem 17. Jahrhundert die Landschaft wie in Europa überhaupt erst zum eigenständigen Bild-Thema machte. Meister wie Jan van Goyen, Joos de Momper oder Jacob van Ruisdael sind vertreten. Philips Wouwermans Bild "Reisende bei der Rast vor tiefer Flusslandschaft" gilt als eines seiner besten und war jahrhundertlang verschollen.

"Idylle, Sehnsucht und Illusion" ist der Raum überschrieben, der Malerei aus dem 19. Jahrhundert zeigt.

Einsamkeit

Später folgen Beispiele für die beginnende Abstraktion. Werke von Bonnard, Cezanne, Corinth oder Klee werden gezeigt. Viele andere Künstler haben nicht so bekannte Namen, sind aber nicht weniger virtuos.

Je näher die Ausstellung der Gegenwart kommt, desto mehr schleichen sich Themen wie Einsamkeit und Entfremdung in die Bilder. Das von Katastrophen geprägte 20. Jahrhundert bestimmt die Themen bei Slevogt, Radziwill oder später bei Arnulf Rainer.

Die Arbeiten aus den jüngsten Jahrzehnten zeigen anhand von Malerei, Fotografie und Video-Installationen, wie sich Künstler heute mit unserer Gesellschaft und mit der Welt, in der sie leben wollen, auseinandersetzen.

Zahlen und Fakten zu dem neuen Museum: