Weniger Insolvenzen: Pleiten verschoben, aber nicht aufgehoben

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Eigentlich gute Neuigkeiten: Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Allerdings gibt es einen Corona-Haken: Die Zahlen könnten bald steigen.

von Markus Schönherr

Kreis Borken

, 15.09.2020, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich gute Neuigkeiten: Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Allerdings müssen Insolvenzen seit März nicht mehr angemeldet werden. Das gehört zur Wirtschaftshilfe des Bundes in der Corona-Zeit. Möglicherweise werden Firmenpleiten dadurch nur auf das nächste Jahr verschoben. Im Bereich der Privatinsolvenzen könnte eine andere Gesetzesänderung dazu führen, dass die Zahl schon ab Oktober steigt.

Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2020 gesunken. In NRW um 14,1 Prozent, im Kreis Borken um 11,7 Prozent und in der Stadt Borken um 31,1 Prozent, teilt IT NRW mit.

Finanzhilfen halten Unternehmen über Wasser

Die Statistiker schieben aber selbst Erklärungen hinterher, die die an sich frohe Botschaft relativieren. So hätten staatliche Finanzhilfen Unternehmen über Wasser gehalten und vor allem die seit März geltende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu den Ergebnissen beigetragen.

Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2020 gesunken.

Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2020 gesunken.

Im Klartext heißt das: Unternehmen, die unter normalen Umständen einen Insolvenzantrag stellen müssten, können das in der Corona-Zeit aufschieben. Bis Ende September sollte diese Regelung gelten. Die Bundesregierung hat die Frist mittlerweile bis zum Jahresende verlängert. Droht also eine Pleitewelle, wenn ab Anfang 2021 wieder die Insolvenzantragspflicht gilt?

Unternehmensverband: Westmünsterland ist gut aufgestellt

Von einer Pleitewelle möchte Andreas Brill, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes AIW nicht sprechen. „Aber es wird sicher eine Reihe von Unternehmen treffen.“ Wirtschaftszweige wie der Event-Bereich und der Messebau seien von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Brill geht aber davon aus, dass sich die Zahl der Insolvenzen im Westmünsterland vergleichsweise in Grenzen halten wird: „Ich glaube dass wir in der Region gut aufgestellt sind.“

Auch weniger Privatinsolvenzen

Von Insolvenz bedroht sind aber nicht nur Firmen. Bei den Privatinsolvenzen hat IT NRW dieselbe Entwicklung festgestellt. Im ersten Halbjahr 2020 ist deren Zahl gesunken. In Borken von 26 Verbraucherinsolvenzen im ersten Halbjahr 2019 auf nun 17.

Aber auch im Privatbereich könnte eine Welle an neuen Insolvenzanträgen bevorstehen. Denn wer seinen Insolvenzantrag noch bis zum 1. Oktober aufschiebt, könnte von einer Gesetzesänderung profitieren. Geplant ist, dass Insolvenzverfahren dann nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Jahre dauern. Das heißt: nach drei Jahren kommt es zur Restschuldbefreiung. Die Daten, die das Statistische Landesamt im zweiten Halbjahr 2020 sammeln, könnten also ganz anders aussehen.

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