Wenn im All die Toilette auch Kaffemaschine ist

Vortrag von Astronaut Parmitano

Auch 46 Jahre nach der ersten Mondlandung ist die Faszination für das Weltall ungebrochen. Eigentlich sollte der Vortrag des italienischen Astronauten Luca Parmitano am Mittwochabend im Landesspracheninstitut der Ruhr-Uni (LSI) nur 45 Minuten dauern. Nach zwei Stunden ist das Publikum im vollen Haus jedoch immer noch nicht müde, ihn weiter mit neugierigen Fragen zu löchern.

BOCHUM

, 17.12.2015, 21:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Auswahlverfahren für die Reise ins All setzte sich der Italiener Luca Parmitano (l.) als einer von fünf Astronauten gegen mehr als 8400 Bewerber durch. Am Mittwochabend sprach er im LSI über seine Zeit auf der Raumstation ISS.

Beim Auswahlverfahren für die Reise ins All setzte sich der Italiener Luca Parmitano (l.) als einer von fünf Astronauten gegen mehr als 8400 Bewerber durch. Am Mittwochabend sprach er im LSI über seine Zeit auf der Raumstation ISS.

Luca Parmitano verbrachte 166 Tage im Weltall auf der internationalen Raumstation ISS. Wer regelmäßig verfolgt, was dort oben geschieht, dem wird sein letzter Spacewalk im Gedächtnis sein. Da füllte sich wegen eines Technikfehlers der Helm seines Raumanzugs mit Wasser und der Astronaut musste in Windeseile ins Innere der Station gebracht werden. Bei einem kurzweiligen, englischsprachigen Videovortrag mit Bildern seines Weltraum-Ausflugs ließ Parmitano auch diese Episode nicht unbeachtet: "Spoiler: Wie sie sehen, lebe ich noch", kommentiert er. Mit viel Humor und Selbstironie machte er es dem Publikum im LSI leicht, ihn gleich zu mögen. Seine erste Feststellung glaubte man sofort: "Wir Astronauten sind ganz normale Leute."

Viele Filter

Und um den normal-menschlichen Maßstab nicht aus den Augen zu verlieren, erklärte er erst einmal die Funktionsweise der Toilette auf der ISS: "Sie ist gleichzeitig unsere Kaffeemaschine." Will heißen: Der abgegebene Urin läuft dort durch so viele Filtermechanismen, dass es danach wieder als Trinkwasser zur Verfügung steht.

 

Dass selbst diese Anlage wichtig für die Forschung ist, begründete Parmitano mit der bemannten Mars-Mission, die ein festes Ziel der Weltraum fahrenden Nationen ist: "Der Weg dorthin ist sehr lang und Wasser ist sehr schwer. Man kann es nur in begrenztem Maße mitnehmen."

Starker Entdecker-Drang

Wie überhaupt zu erklären ist, dass weiter Menschen ins All geschickt werden und nicht mehr bloß Roboter konnte der ESA-Astronaut verständlich machen: "Wissenschaft zu treiben, Technologie zu entwickeln, macht uns zu Menschen." Und manch technischer Fortschritt, gerade auch im medizinischen Bereich lasse sich erst durch Experimente in einer Umgebung ohne Schwerkraft erzielen. "Der andere Grund liegt in unseren Genen – in meinen sehr stark: Es ist der Entdecker-Drang. Wir wollen wissen, was hinter dem Horizont liegt."

 

Was ihn zum wiederholten Mal ans LSI gebracht hat, verriet Luca Parmitano erst ganz am Ende: Nachdem er dort 2009 Russisch lernte, paukt der 39-Jährige jetzt Chinesisch. Weil das Raumfahrt-Programm Chinas rasende Fortschritte mache und eine Kooperation – zum Beispiel bei einer Mars-Mission – immer wahrscheinlicher werde.