Wenn Motorradfahrer zu Feindbildern werden

Städte gegen Raser

Motorradrowdys gefährden nicht nur sich und andere, sie treiben auch Anwohner auf die Barrikaden. Die Unfälle gingen im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen zwar zurück - doch inzwischen wehren sich ganze Städte gemeinsam gegen Krad-Raser.

Düsseldorf/Meschede

16.04.2014, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Motorradfahrer auf Tour.

Motorradfahrer auf Tour.

Die Zahl der tödlichen Motorradunfälle in Nordrhein-Westfalen ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. 69 Biker und Beifahrer seien im vergangenen Jahr bei Unfällen ums Leben gekommen, 2012 seien es noch 84 gewesen, sagte ein Sprecher der Landesverkehrswacht NRW am Mittwoch in Düsseldorf. Die Zahl der verletzten Motorradfahrer sank dagegen kaum - von 3716 auf 3713. Bei dem Schönwetterhobby sei vor allem das verregnete Frühjahr Grund für die kleinere Zahl.Allianz im Hochsauerland Insgesamt seien aber nicht weniger Freizeit-Biker unterwegs, im Gegenteil, sagte ein Sprecher des Hochsauerlandkreises. Dort haben sich Landkreis, vier Städte und die Polizei gegen Krad-Raser verbündet. Anfang April entstand dort die «Ordnungspartnerschaft Motorradlärm», die Rasen und Lärmbelästigung auf «auffälligen Motorradstrecken» im Kreis unterbinden will. Mit verstärkten Geschwindigkeitskontrollen und Lärmpegelmessungen will die Polizei dort verhindern, dass Motorradfahrer über die Stränge schlagen. «Wir machen hier keine Hexenjagd auf Motorradfahrer, unser Schwerpunkt liegt bei den schweren Verkehrsunfällen», betonte aber Polizeisprecherin Bianca Scheer am Mittwoch."Die alten Wilden" «Die Bikerszene hat sich ausgeweitet», sagte sie. Inzwischen seien es nicht mehr nur junge, risikofreudige Fahrer, sondern auch «die alten Wilden», die jenseits der Straßenverkehrsordnung mit dem Motorrad unterwegs seien. So ging der Polizei etwa bei einer Kontrolle Anfang April ein 59-jähriger ins Netz, der in einer 50-Zone mit 143 Stundenkilometern unterwegs war. Inzwischen ist eine der beliebten Strecken im Kreis am Wochenende für Motorräder vollständig gesperrt. Der Sprecher des Landkreises betonte, Motorradfahrer seien weiter sehr willkommen, es gehe lediglich um «einzelne schwarze Schafe», die sich nicht an die Regeln hielten oder sich überschätzten. Der Sprecher der Landesverkehrswacht NRW riet zu regelmäßigen Sicherheitstrainings - «am besten immer zu Saisonbeginn».Ärgernis und Vorwand Auch der Rhein-Sieg-Kreis veranstaltete im Frühjahr erstmals einen Aktionstag zur Motorradsicherheit: Unterstützt vom Bundesverband der Motorradfahrer sperrte die Polizei eine Bundesstraße und informierte an mehreren Infoständen. Dort waren im vergangenen Jahr zehn Motorradunfälle passiert, drei Biker kamen ums Leben. Auf den beliebten Motorradstrecken der Eifel waren laute Biker für manche Anwohner in der Vergangenheit ebenfalls ein Ärgernis und womöglich Vorwand für lebensgefährliche Abwehrmaßnahmen: Dort präparierten Unbekannte Anfang April mehrere Kurven mit Hydrauliköl, ein 47 Jahre alter Motorradfahrer stürzte und verletzte sich. Die Polizei Aachen nimmt an, «dass sich die Tat gezielt gegen Motorradfahrer richtet», hieß es in einer Erklärung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen eines versuchten Tötungsdelikts, hat aber noch keine weiteren Hinweise zum Täter.Von dpa