Wenn Perspektivlosigkeit Hass erzeugt

Rottstr5-Theater

Es ist diese elende Perspektivlosigkeit, die einen wahnsinnig macht. Dort, wo für Jugendliche nichts Besseres zu tun ist, als in Paris eine Galerie aufzumischen. Dort, wo der Zugang zur Bildung schwer oder sogar fast unmöglich ist. Hier regiert der Hass. Deswegen heißt das Stück, das am Sonntag im Rottstr5-Theater Premiere feierte, auch genau so: „Hass“.

BOCHUM

, 08.09.2015, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wenn Perspektivlosigkeit Hass erzeugt

Unterschicht, weiblich: Nermina Kukic inszeniert "Hass" mit drei Nachwuchsschauspielerinnen.

Die Gefühle, die Regisseurin Nermina Kukic in der Inszenierung herausarbeitet, sind gewaltig. Sie stürzt das Publikum im ausverkauften Theater in einen Schwall aus Mitleid, Furcht und Wahnsinn. Und natürlich Hass. Dabei weiß man nie, gegen wen sich diese Gefühle eigentlich richten.

Gegen die drei Mädchen, die Hauptakteure des Stückes? Die in einem Pariser Vorort aufwachsen, wo freundliche Umgangsformen nicht an der Tagesordnung sind? Oder gegen die Polizei, die während einer Krawalle in der Nacht, nach der die Handlung des Stückes einsetzt, eine Freundin der drei Mädchen angeschossen hat? Oder doch gegen die Regierung, die nichts tut und die multikulturelle Gesellschaft in den Vororten am liebsten „wegkärchern“ würde?

Ausweglose Situation

Eins ist jedenfalls sicher: Die Situation, in der sich die drei Hauptdarstellerinnen befinden, ist ausweglos. Und eben jene Ausweglosigkeit, die zwangläufig in Gewalt mündet, bringen die drei Darstellerinnen in einer immensen Wucht rüber. Fiona Feerick, als die überstylte Jüdin Rachel ist ebenso überzeugend wie Emel Aydogdu als die muslimische Saida, die in tragisch-komischer Art und Weise manchmal etwas schwer von Begriff zu sein scheint.

Vielleicht auch, weil alles um sie herum so schnell und unkontrolliert passiert. Und dann ist da noch Marie, gespielt von Awa Winkel. Eine Französin. Marie ist einfach nur Französin. Und sie kann nicht aus ihrer Haut und – anders als die anderen beiden - nicht mal eben eine religiöse Einstellung ablegen, wenn es gerade passt.

Die drei Darstellerinnen gehören allesamt dem Laien-Jugend-Ensemble der Rottstraße an. Ein Umstand, der dieser Inszenierung noch zusätzliche Eindringlichkeit verleiht. Denn hier ist nichts glattgebügelt – es holpert auch manchmal, genau wie in dem Leben der Figuren auf der Bühne. Am Ende des Stücks fallen Schüsse – wen genau sie treffen, bleibt unklar. Die Inszenierung überschlägt sich dann in Lichtwechseln und Dialogen und alles geht zu schnell. Genau wie bei den Krawallen. Und genau so muss das sein. Klare Empfehlung!

Die nächsten Vorstellungen sind am 13. September und am 3. Oktober. Karten gibt es online unter:  www.rottstr5-theater.de