Wer zu oft Geld abhebt, muss künftig zahlen

Volksbank Dortmund-Nordwest

Obwohl die Volksbank Dortmund-Nordwest wächst und im vergangenen Jahr schwarze Zahlen schrieb, sollen die Kunden künftig für bestimmte Service-Leistungen Gebühren zahlen. Zehn Ein- und Auszahlungen im Monat sind frei, danach kostet der Gang zum Schalter oder Automaten Geld. Dafür will die Bank mit einer neuen Digitalstrategie punkten.

MENGEDE

, 06.04.2017, 13:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wer zu oft Geld abhebt, muss künftig zahlen

Die Vorstände Stephan Schäffer (l.) und Dr. Armin Schwarze stellten die Bilanz der Volksbank Dortmund-Nordwest vor – und verrieten die neue Digitalstrategie.

Beratung per Videochat, Kunden als Facebook-Fans und Bewertungssterne wie im Onlinehandel: Das sieht die neue Digitalstrategie der Volksbank Dortmund-Nordwest vor. Jüngere Kunden könne die Bank auf dem klassischen Weg nicht mehr erreichen, sagte Vorstand Dr. Armin Schwarze am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Zwar sollen alle sechs Filialen erhalten bleiben – aber Bankkunden müssen mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Geldabheben am Automaten oder dem Schalter - eigentlich selbstverständlich. Wie oft sie diesen Service im Monat nutzen, müssen Kunden der Volksbank Dortmund-Nordwest seit dem 1. April nachhalten. Zumindest dann, wenn sie nicht zur Kasse gebeten werden wollen: Zehn Vorgänge sind weiterhin kostenlos, danach kostet jedes Abheben oder jede Einzahlung 50 Cent. Damit trage die Bank dem veränderten Kundenverhalten Rechnung, sagte Vorstand Dr. Armin Schwarze: Über 70 Prozent erledigen ihre Bankgeschäfte online. Mehr als die zehn Freiposten würden von den wenigsten benötigt – „einmal pro Woche ist der Standard“, sagte Armin Schwarze.

Niedrigzinsphase

Wie andere Banken auch hat die Volksbank Dortmund-Nordwest mit dauerhaft niedrigen Zinsen zu kämpfen und muss sich um andere Einnahmequellen bemühen. Die Sparkasse Dortmund und die Dortmunder Volksbank haben bislang keine Gebühren fürs Geldabheben eingeführt – dafür aber die monatlichen Grundpreise für Girokonten erhöht. Bei der Genossenschaftsbank ändert sich an diesen Kosten laut Vorstand Stephan Schäffer nichts.

Die Bilanz 2016: ein Plus in allen Bereichen. „Wir wachsen stärker als die Mitbewerber“, sagte Stephan Schäffer. Vor allem das steigende Kreditwachstum habe dazu beitragen. Er nannte eine Zunahme um mehr als elf Prozent auf 447 Millionen Euro. Dank des Jahresüberschusses von 770.000 Euro werde die Genossenschaftsbank eine Dividende von drei Prozent an ihre Mitglieder auszahlen. Insgesamt hat die Volksbank Dortmund-Nordwest mehr als 16.000 Eigentümer.

Während andere Geldinstitute ihr Filialnetz ausdünnen, hält die Volksbank Dortmund-Nordwest an ihren sechs Standorten fest. Aber: Den Weg in die Filiale wählten immer weniger Kunden, sagte Armin Schwarze. „Junge Menschen kommen nicht mehr zum Gespräch – die gehen nicht mal mehr ans Telefon.“ Deshalb hat die Volksbank Dortmund-Nordwest im vergangenen Jahr eine Digitalstrategie erarbeitet. Sie gilt für die Bereiche Werbung, Verkauf, Networking und Positionierung. Jede Filiale soll eine eigene Homepage erhalten.

Fans bei Facebook

Auch auf einer sogenannten Fanpage – zu deutsch Anhängerseite – in dem sozialen Netzwerk Facebook wird künftig jede Filiale erreichbar sein, über einen Chat kommunizieren und versuchen, „Kunden zu Freunden zu machen“. Dort wolle sich die Genossenschaftsbank von anderen abheben – mit selbst gedrehten Videos der Bankberater oder Veranstaltungshinweisen von Organisationen wie Heimatverein und TV Mengede. „Dann kommt wieder Leben in die Bude“, sagt Armin Schwarze.

Im Internet sollen Nutzer an jede Filiale Bewertungssterne vergeben können, wie es sonst im Onlinehandel üblich ist. Kirchlinde wird zur digitalen Pilotfiliale: Das Team wurde ausgetauscht, die früheren Mitarbeiter sind nun in der Hauptstelle tätig. Der neue Filialleiter Philipp Thorwesten und zwei Beraterinnen sollen jetzt zunehmend jüngere Kunden ansprechen.

Die Videoberatung über eine Kamera am Bildschirm bietet die Volksbank Dortmund-Nordwest als erstes in der Hauptstelle in Mengede an. Ab Januar 2018 sollen die übrigen Filialen folgen.

Die Bilanzsumme der Bank wuchs auf 658 Millionen Euro – das entspricht einem Plus von sieben Prozent. Das Volumen der Kundeneinlagen lag bei 593 Millionen Euro. Die Volksbank Dortmund-Nordwest hat Filialen in Lütgendortmund, Oespel, Huckarde, Kirchlinde, Westerfilde und Mengede.

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